21 Millionen Euro für Bad-Neubau – Reaktionen zwischen Faszination und Kostenschock

dzKombibad für Kamen

Die künftigen Entscheider über einen Bäder-Neubau sind hin- und hergerissen. Die erste Präsentation der Entwürfe kam anscheinend gut an, hinterließ aber auch einen Kostenschock.

Kamen

, 07.11.2018, 15:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Privatmann würde ich sofort in das Bad wollen. Was alles zu einem modernen Bad gehört ist schon Wahnsinn“, sagte Daniel Heidler (SPD), sichtlich beeindruckt von der Präsentation der Neubau-Pläne im Ratssaal. Zuvor hatte Heinrich Brinkhus vom Architekturbüro Geising & Böker die Mitglieder des Haupt-, Schul- und Sportausschusses eine Stunde lang fundiert und detailliert über das Bad sowie dessen Elemente bis hin zur einzelnen Schwalldusche informiert – unter anderem mit bunten Bildern von Innenansichten und einem sechsminütigen Video.

Virtueller Rundgang durch den Neubau

Heidler kündigte als Führer der Mehrheitsfraktion eine Diskussion der Neubau-Pläne unter zwei Gesichtspunkten an: ob die Pläne den zuvor gestellten Anforderungen für den Vereins- und Schulsport sowie für Freizeitschwimmer entsprechen und ob sie finanzierbar sind. Die SPD ist wegen ihrer Ratsmehrheit für eine spätere Entscheidung über die Realisierung maßgeblich.

„Wir haben viel Schönes gesehen“, kommentierte CDU-Fraktionschef Ralf Eisenhardt die Präsentation. Das Bad mache einen attraktiven Eindruck, und er habe von dem Architekten viel Wünschenswertes gehört. Auch architektonisch sei das Bad sehr attraktiv. Die Netto-Baukosten von 21,5 Millionen Euro, mit Sicherheitspuffer sogar 23,5 Millionen Euro, kommentierte er mit den Worten: „Bei der Summe stockt der Atem.“ Mit attraktiven Bädern in der Umgebung in Bönen und Werne – und vielleicht auch in Bergkamen, wo ebenfalls ein Neubau geplant ist, stelle sich die Frage, ob das sinnvoll sei oder nicht. Auch die Haushaltslage sei Anlass, das zu reflektieren.

 21 Millionen Euro für Bad-Neubau – Reaktionen zwischen Faszination und Kostenschock

Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren „Kombibads“ in Kamen vorgelegt.

Dramatischer Moment

Der Moment, in dem Architekt Brinkhus fast am Ende seines Vortrags erstmals die Baukosten-Berechnung einblendete, hatte eine gewisse Dramatik. Nach den farbenfrohen, computersimulierten Innenansichten wurde die Leinwand zunächst völlig schwarz, dann tauchte in weißen Zahlen auf schwarzem Grund die Baukostentabelle auf.

„Der Kostenrahmen hat mich erschlagen“, sagte Helmut Stalz (Freie Wähler/FDP). Bisher sei man von deutlich niedrigeren Zahlen ausgegangen, sagte er in Bezug auf das sogenannte GMF-Gutachten von 2017. Die Fraktionen müssten jetzt „neu nachdenken“.

Jetzt lesen

In elf Punkten ist die Planung gegenüber dem GMF-Gutachten, das von 14,8 Millionen Euro netto ausging, aufgestockt: beispielsweise die Komplettsanierung des vorhandenen 50-Meter-Beckens statt einer Reparatur (laut Architekt nicht sinnvoll) und der Neubau eines Freibad-Umkleidegebäudes, weil das alte „marode“ ist (alle Extra-Punkte siehe Fotostrecke unten).

Marian-Rouven Madeja (Grüne) konfrontierte GSW-Chef Jochen Baudrexl mit Zweifeln an den Besucherprognosen für den Neubau, die er offenbar für zu hoch hält. Baudrexl erwiderte, dass die zugrunde liegenden Annahmen „seriös und belastbar“ seien. Bereits zu Sitzungsbeginn hatte Baudrexl einen Appell für den Neubau gehalten, den er im Vergleich zur Bestandssanierung offenbar für die bessere Lösung hält. Er schickte voraus: „Ein Finanzierungsplan muss noch erstellt werden.“ Folglich seien Finanzierungskosten in der Präsentation noch nicht berücksichtigt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sehen die Pläne für das Kamener Kombibad aus

Das Architekturbüro Geising & Böker hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für ein ganzjähriges nutzbares "Kombibad" in Kamen vorgelegt.
07.11.2018
/
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Vorgesehener Standort für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen ist das Gelände des heutigen Freibads Kamen.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Technische Daten des Neubaus: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW
Gegenüber einem früheren Grobentwurf des Gutachterbüros GMF ist Grundfläche der aktuellen Planung größer geworden. © Geising & Böker/GSW
Der Vergleich der bisherigen Grobplanung und des jetzt vorgelegten Entwurfs. Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Aktuelle Kostenschätzungen: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW

Als „Eyecatcher“ bezeichnete Klaus-Dieter Grosch (Linke/GAL) die Darstellung des Neubaus durch den Architekten. „Ich finde das attraktiv“, sagte er. Der Fraktionsvorsitzende erkundigte sich nach Möglichkeiten, die vorhandene Freibad-Rutsche zu integrieren (davon riet der Architekt wegen des Alters des Spielelements ab, ebenso wie vom Einbau einer bis zu 500.000 Euro teuren neuen 80-Meter-Rutsche). Grosch vertrat die Meinung, dass die Wasserfläche durch den Neubau im Vergleich zum Ist-Zustand fast halbiert werde, aber die Betriebskosten „nur wenig reduziert“ würden (eine Million Euro statt bisher 1,2 Millionen Euro). Außerdem erkundigte er sich nach weiteren Einsparmöglichkeiten (die vom Architekten grob auf bis zu zwei Millionen Euro beziffert wurden – nicht ohne erhebliche Abstriche).

Rund zehn Wassersport treibende Vereine gibt es in Kamen, deren Vertreter teilweise im Publikum saßen. Martin Kusber, Chef des Stadtsportverbands Kamen, erkundigte sich als sachverständiges Ausschussmitglied nach Platz für eine Tribüne am 25 Meter langen und sechs Bahnen breiten Sportbecken im Hallenbad-Teil. Architekt Brinkhus erläuterte, dass die Planungen hohe Wettkampf-Anforderungen („B“) erfüllen und Sitzgelegenheiten durch eine „Wärmebank“ an der Becken-Stirnseite bestehen und Stühle am Beckenrand aufgestellt werden können. Eine Tribüne würde unverhältnismäßige Mehrkosten verursachen, weil dann die Spannweite der Dachträger erhöht werden müsste.

Jetzt lesen

Die Alternative zum Neubau

Die Alternative zum Neubau wäre die Grundsanierung der vorhandenen Bäder, also des Hallenbads Kamen-Mitte, des Freibads Kamen und der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve. Das Hallenbad Methler gehört nicht den GSW, sodass von einer Schließung ausgegangen wird. Die Bestandssanierung würde laut dem sogenannten Constrata-Gutachten von 2013 rund 13 Millionen Euro kosten, eine seitherige Baukostensteigerung noch nicht berücksichtigt. Gegen die Bestandssanierung spricht, dass die Bad-Belegung dann „dramatisch“ wäre, so Baudrexl, und dass die sanierten Bäder im Verhältnis zum Aufwand dann noch immer keine modernen Ansprüche erfüllen.

Entscheidung im Frühjahr

Ob der Neubau kommt, wird der Rat nicht mehr in diesem Jahr entscheiden, sondern voraussichtlich im Frühjahr 2019. So lange dauert es nach Einschätzung von Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD), um die Finanzierbarkeit zu klären. Auf ihren Vorschlag beschlossen die gemeinsam tagenden Ausschüsse folgenden Auftrag an die Stadtverwaltung: Die Verwaltungsleute prüfen, ob der vorgestellte Entwurf den gestellten Anforderungen entspricht. Die Kosten für eine Sanierung der vorhandenen Bäder, differenziert nach den einzelnen Standorten, werden aktualisiert. Die Finanzierungsmöglichkeiten für die Varianten Neubau und Sanierung sollen ausgearbeitet werden.

Sobald die Ergebnisse vorliegen, will Kappen sie in einem interfraktionellen Workshop mit Ratspolitikern besprechen. Zudem plant die Ratsvorsitzende eine Einwohnerversammlung, so wie es die Gemeindeordnung NRW bei bedeutenden Vorhaben vorsieht.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Evangelische Kirchengemeinde Kamen

Vielfalt in Kamens evangelischen Gottesdiensten stößt auf positives Echo

Hellweger Anzeiger Erfundene Straftat

„Fake News“ über Syrer und Handtaschenraub in Kamen führt zu Strafanzeige

Hellweger Anzeiger Früherer Edeka-Standort

Ex-Supermarkt in der Kamener Fußgängerzone leergeräumt – kommt jetzt ein Nachmieter?

Meistgelesen