Bewährungsstrafe für Ex-Vizebürgermeisterin: Angeklagte weint beim Urteil

dzLandgericht Dortmund

Bei der Urteilsverkündung am Dortmunder Landgericht kommen Bettina Werning die Tränen. Allerdings weint die ehemalige Vizebürgermeisterin aus Erleichterung.

Kamen

, 13.12.2019, 14:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die erlösenden Worte sprach der Vorsitzende Richter Thomas Beumer gleich zu Beginn: „Die Angeklagte wird wegen Betruges in 155 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.“ Und: „Die Vollstreckung der Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.“

Damit ist juristisch der Schlussstrich unter die Affäre gezogen. Die 58-jährige Werning wird mit ihrer Schuld aber noch lange leben müssen. Klar ist, dass sie den angerichteten Schaden von mindestens 710.000 Euro wiedergutmachen müsste. Klar ist aber wohl auch, dass sie dazu niemals in der Lage sein wird.

Bettina Werning hat über zehn Jahre hinweg ihre Arbeitgeber, die beiden Chefs eines Kamener Elektrofachmarkts, systematisch hinters Licht geführt. Jeden Monat überwies sie sich als Buchhalterin zusätzliche Gehälter, die ihr überhaupt nicht zustanden. Darüber hinaus leitete sie auch die Gehaltszahlungen für gar nicht vorhandene Mitarbeiter auf ihre eigenen Konten um. In dem Dortmunder Prozess ging es insgesamt um einen Schaden von 468.000 Euro. Der Rest ist juristisch bereits verjährt.

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Richter Beumer ging in der Urteilsbegründung hart mit Bettina Werning ins Gericht. „Die Taten waren sicherlich auch von einer gewissen Geldgier geprägt“, warf er der 58-Jährigen vor. Zwar hatte Werning glaubhaft versichert, nach der Scheidung von ihrem Mann als alleinerziehende Mutter in eine finanzielle Schieflage geraten zu sein, aus der sie sich mit den Zusatzgehältern befreien wollte. „Doch, um sich einen vernünftigen Lebensstandard zu schaffen, hätte es auch deutlich weniger getan“, sagte der Richter.

Dass Bettina Werning trotzdem nichts ins Gefängnis muss, hat sie ihrem Verhalten nach der Entdeckung der Taten und im Prozess zu verdanken. Auch die Richter stellten am Freitag fest, dass sich die 58-Jährige stets kooperativ verhalten und sich nach Kräften bemüht habe, den Schaden wiedergutzumachen. Auf ihren Konten lagen bei Bekanntwerden des Skandals noch rund 50.000 Euro. Darüber hinaus hat sie mehrere Lebensversicherungen an ihre früheren Arbeitgeber abgetreten. Den Wert der Policen berechnet ihr Anwalt Thomas B. Belitz auf rund 85.000 Euro.

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„Es war nicht ganz einfach, auf dieses Ergebnis zu kommen“, hieß es in der Urteilsbegründung weiter. „Wir haben uns an der Grenze dessen bewegt, was gerade noch vertretbar ist.“ Letztendlich müsse man aber auch sagen, dass es wohl niemandem nützen würde, würde man Bettina Werning jetzt einsperren. So jedenfalls kann sie in ihren beiden aktuellen Jobs weitermachen und zumindest Teile des Geldes zurückfließen lassen.

Im Anschluss an die Urteilsbegründung erklärten sowohl die Angeklagte als auch Staatsanwältin Marieke Alberty, dass sie auf die Einlegung von Revision verzichten. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

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