Betrugsprozess: Ex-Vizebürgermeisterin Werning kündigt Geständnis an

dzLandgericht Dortmund

Bettina Werning ist tief gefallen. Bis 2017 war sie Vizebürgermeisterin von Kamen. Am Dienstag stand sie als Angeklagte in Dortmund vor Gericht. Es geht um Betrug, Untreue und viel Geld.

Kamen

, 12.11.2019, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die heute 58-Jährige war fast 25 Jahre lang als kaufmännische Angestellte bei einem Elektrohändler in Kamen tätig. Doch wenige Monate vor ihrem Silberjubiläum fiel Bettina Werning an ihrem Arbeitsplatz als Betrügerin auf. Über Jahre hinweg hatte sie sich offenbar dreist an den Konten ihres Arbeitgebers bedient. Der Schaden soll bei fast 800.000 Euro liegen.

In dem Strafprozess geht es insgesamt um 157 Einzeltaten mit einem Gesamtvolumen von exakt 468.539,66 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, ist bereits verjährt und darf die 43. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts deshalb nicht mehr beschäftigen. Aber natürlich wird Werning auch zu möglichen früheren Taten Rede und Antwort stehen müssen, wenn sie ab dem nächsten Verhandlungstag selbst zu den Richtern spricht.

„Finanzielle Probleme“ als Motiv

Am Dienstag blieb die 58-Jährige noch völlig stumm. Mit gesenktem Kopf verfolgte sie, wie die Staatsanwältin die Anklageschrift verlas und dabei noch einmal den vielleicht größten Fehler im Leben der Buchhalterin zusammenfasste. Nahezu jeden Monat soll sich Werning zusätzlich zu dem ihr zustehenden Gehalt weitere Überweisungen zugeschanzt haben. So kam es offenbar, dass aus einem Monatsgehalt von rund 750 Euro ein Einkommen von mehr als 5000 Euro wurde. Laut Anklage handelte die Kamener Vizebürgermeisterin so, weil „finanzielle Probleme“ sie drückten.

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Was genau sich hinter dieser Formulierung verbirgt, wird Bettina Werning spätestens Anfang Dezember offenbaren. Zunächst will ihr Verteidiger Thomas B. Belitz eine Erklärung abgeben, danach soll die Angeklagte selbst für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung stehen. Sie werde dabei eine weitgehend geständige Einlassung abgeben, kündigte der Verteidiger am Dienstag an. Alles andere mache keinen Sinn, denn: „Die Anklageschrift beruht ja im Wesentlichen schon auf den Angaben meiner Mandantin.“

Wo das Geld landete, bleibt zunächst offen

Bettina Werning und ihrem Anwalt ist vor allem eines wichtig: der Staatsanwaltschaft und dem Gericht deutlich zu machen, dass mit dem veruntreuten Geld keine Reichtümer angehäuft oder Luxusartikel angeschafft wurden. Wo genau das Geld gelandet ist, wollte der Anwalt am Dienstag aber noch nicht sagen. „Ich will der Einlassung nicht vorgreifen“, warb er um Verständnis.

Ein Teil der utopischen Summe zurückgezahlt

Vor dem Arbeitsgericht hatte sich die 58-Jährige mit ihrem Ex-Chef bereits auf einen Vergleich geeinigt. Dieser sieht die Rückzahlung von rund 700.000 Euro vor – natürlich eine utopische Summe für eine Frau wie Bettina Werning, sagte Anwalt Belitz. Ein Teil des Geldes soll bereits geflossen sein, weitere Summen könnten freiwerden, wenn sich die Mutter der 58-Jährigen zu zusätzlichen Geldzahlungen bereiterklärt.

Zeugen sollen entbehrlich sein

Welche Strafe der früheren Vizebürgermeisterin droht, hängt natürlich im Wesentlichen von ihrem Prozessverhalten ab. Geständnisse werden in der Regel mit hohen Strafnachlässen „belohnt“. Dass Bettina Werning alles dafür tun wird, um so viele Pluspunkte wie möglich zu sammeln, scheint klar. „Ich glaube nicht, dass wir in diesem Verfahren Zeugen benötigen werden“, kündigte Anwalt Belitz schon einmal an.

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