Wer sich aussperrt oder wo plötzlich die Toilette überläuft, befindet sich in einer akuten Notlage. Das nutzen Abzocker aus. Wie man sie erkennt und sich dagegen wehrt, erklärt die Expertin.

Kamen

, 18.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem, dass sich unseriöse Notdienst-Handwerker die missliche Lage ihrer „Kunden“ zunutze machen ist nicht neu. Doch immer wieder kommt es der Verbraucherzentrale zu Ohren, dass die Masche mit undurchsichtigen Rechnungen und völlig überzogenen Preisen die Opfer zu schröpfen, immer noch zum Einsatz kommt. Diese Woche ist Weltverbrauchertag und das gereicht Karin Baumann von der Verbraucherzentrale Kamen dazu, dieses Thema in den Fokus zu nehmen.

Achtung bei „auffälligen“ Anzeigen

Ist die Tür zu oder das Rohr verstopft, muss es schnell gehen. Doch gerade die ersten Einträge im Branchenbuch oder der Anruf bei einem Vermittlungsdienst lotsen Betroffene oftmals zu genau den falschen „Helfern“ und nicht zu einer seriösen und kostentransparent arbeitenden Firma.

Daher warnt Karin Baumann: „Viele hilfreiche Türöffner oder Rohrreiniger leisten zwar rasche Abhilfe, nutzen im Gegenzug jedoch die Notlage der Kunden mit intransparenten und überteuerten Preisen schamlos aus.“ Die Beraterin der Verbraucherzentrale rät daher zur Vorsorge, sodass man sich nicht erst im Notfall damit auseinandersetzen muss, wer der richtige und seriöse Ansprechpartner ist. Aber auch in der Stresssituation sollte man Ruhe bewahren und planvoll vorgehen. Dazu hat die Verbraucherzentrale einige nützliche Tipps zusammengestellt:

Besonnen in akuter Notlage agieren

Trotz Stress sollten Betroffene überlegen, ob ein sofortiger Notdiensteinsatz tatsächlich unumgänglich ist oder man doch bis zum nächsten Werktag warten kann. Eventuell lässt sich das Problem auch mit Hilfe von Nachbarn oder Bekannten lösen. Sogar bei einem Wasserrohrbruch kann man selbst aktiv werden und etwa den Haupthahn zudrehen, damit entsteht zumindest erst einmal kein weiterer Schaden.

Seriöse Helfer finden

Muss ein Fachmann ran, ist eine kurze Umfrage im Bekanntenkreis hilfreich, denn wer bereits gute Erfahrungen mit einem Handwerksbetrieb gemacht hat, empfiehlt diesen sicher gern weiter. Generell sollten ortsansässige Unternehmen bevorzugt werden, um hohe Anfahrtskosten zu vermeiden. Die Verbraucherzentrale warnt vor Firmen, deren Namen etwa mit „AAA!“ oder dergleichen anfangen. Häufig stecke hinter diesen Buchstaben lediglich das Ziel, im Branchenbuch ganz oben zu stehen. Bei der Suche im Internet unbedingt in das Impressum der Homepage schauen, dort müssen Name und Adresse der Firma angegeben werden.

Telefonischer Kontakt - Rahmenbedingungen erläutern

Im Telefonat mit dem Notdienst sollte das Problem so genau wie möglich geschildert werden, auch die Höhe der Anfahrtskosten kann und sollte direkt abgefragt werden. Wird der Auftrag erteilt, ist es sinnvoll, einen verbindlichen Festpreis zu vereinbaren. Zum Vergleich: Bei einem seriösen Schlüsseldienst kostet die Öffnung einer zugefallenen Tür tagsüber an Werktagen inklusive Anfahrt etwa 90 Euro. Ein Noteinsatz in der Nacht oder an Sonn- und Feiertagen schlägt mit etwa 140 Euro zu Buche.

Auf sachgerechte Leistung achten

Bleiben wir beim Beispiel der ins Schloss gefallenen Tür: Diese muss in fast 100 Prozent der Fälle weder aufgebrochen, noch muss das Schloss ausgebaut werden. Der Fachmann öffnet die Tür schadenfrei in kürzester Zeit. Auch bei Rohrreinigungen muss meist kein schweres Gerät her, unseriöse Firmen versuchten die Betroffenen oft noch zusätzlich zu einer kostspieligen Rohrsanierung zu überreden, so die Verbraucherzentrale.

Unbedingt die Rechnung prüfen

Überhaupt sollte man erst zahlen, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind und das Problem tatsächlich behoben wurde. Die Verbraucherzentrale weißt darauf hin, dass zwar außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten Zuschläge von bis zum 100 Prozent möglich seien, das betreffe aber nur den Lohn und nicht die Materialkosten.

Wer eine ungewöhnlich hohe Rechnung bekommt, sollte nur eine Anzahlung unter Vorbehalt leisten und die Rechnung prüfen lassen. Betroffene sollten sich auch nicht nötigen lassen, mit einem drängelnden Dienstleister zum nächsten Geldautomaten zu fahren. Barzahlung kann nur verlangt werden, wenn dies vorher vereinbart wurde. Wer sich bedroht oder genötigt fühlt, sollte nicht scheuen, die 110 zu wählen.

Vorsorge für alle Fälle

Ein Schlüssel beim Nachbar des Vertrauens oder die Nummer seriöser Handwerker an der Pinnwand sind die beste Vorbereitung.

Wem eine Rohrsanierung aufgedrängt wurde, erhält kostenlosen rechtlichen Rat unter Tel. (0211) 38 09 300. Rechtlichen Rat bei überhöhten Rechnungen von unseriösen Notdiensten bietet die Kamener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale unter Tel. (02307) 43 80 101.
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