Eine Kamenerin wollte eigentlich ihren Rasenmäher loswerden. Als das Telefon dann klingelte, interessierten sich die Männer aber herzlich wenig für das Gerät. Sie fragten nach etwas ganz anderem.

Kamen

, 16.06.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Pinnwand voll mit Biete-/Suche-Angeboten hängt im Kaufland am Zollpost – ein Paradies für Schnäppchenjäger. Oder auch Betrüger. Das lässt zumindest ein aktueller Fall vermuten. Denn eine 81-jährige Kamenerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat auf der Pinnwand unter anderem einen Rasenmäher angeboten und geriet dadurch offenbar ins Visier von Betrügern.

Ihr Mann habe in der vergangenen Woche den Anruf eines vermeintlich potenziellen Rasenmäher-Käufers entgegengenommen, berichtet die Kamenerin. Doch die Person am anderen Ende der Leitung, ein wortgewandter junger Mann, habe unbedingt sie sprechen wollen. „Er hat mir dann erzählt, dass seine Frau Schmuckdesignerin ist und ein Geschäft eröffnen will“, so die 81-jährige.

Der Anrufer habe gefragt, ob sie Goldschmuck besitze. „Ich habe dann erzählt, dass ich eine Goldallergie habe.“ Die einzige Golduhr habe sie im vorigen Jahr bereits verkauft. Für den Mann hat sich das Geschäft damit offenbar erledigt. „Er hat sich die Adresse aufgeschrieben und gesagt, er ist in 15 Minuten da. Er kam aber nicht.“

Der Betrüger hatte offensichtlich kein Interesse an dem Rasenmäher

Nach dem Telefonat fiel der Frau auch auf, dass der Anrufer sich überhaupt nicht über den angebotenen Rasenmäher erkundigt hatte. „Er hat sich nur dafür interessiert, was wir noch zu verkaufen haben“, so die Kamenerin, die sich mittlerweile sicher ist, dass es sich bei dem Anrufer um einen Betrüger handelt.

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„Die wollen in die Familien reinkommen und etwas anderes kaufen und ins Gespräch kommen. Das ist nicht verboten, aber eine miese Masche“, so die Kamenerin. Sie vermutet, dass die Betrüger sich Anzeigen suchen, die darauf schließen lassen, dass sie von Hausbesitzern aufgegeben wurden – also wohlhabenderen Menschen.

Die mutmaßlichen Betrüger hätten sich außerdem nicht nur die Nummer der Kamenerin notiert, sondern gleich den ganzen Zettel mit dem Verkaufsangebot an von der Kaufland-Pinnwand genommen. Einen ernsthaft interessierten Käufer konnte die Frau so nicht finden.

Das Telefon klingelt in der darauffolgenden Woche wieder

In ihrer Vermutung, dass der Anrufer ein Betrüger war, wurde die Kamenerin in der darauffolgenden Woche bestärkt. Denn das Telefon klingelte wieder und erneut war ein Mann am Apparat, der nicht an dem Grillzubehör interessiert schien, den die Frau ebenfalls auf der Kaufland-Pinnwand anbot. Das sei am Dienstag gewesen, sagt die 81-Jährige.

Die 81-jährige Frau hat eine Anzeige an die Pinnwand im Kaufland am Zollpost gehängt. Sie wollte mehrere Gegenstände verkaufen – unter anderem einen Rasenmäher (Symbolbild).

Die 81-jährige Frau hat eine Anzeige an die Pinnwand im Kaufland am Zollpost gehängt. Sie wollte mehrere Gegenstände verkaufen – unter anderem einen Rasenmäher (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Der Mann habe wieder sie sprechen wollen und ihren Mann gefragt, ob sie Schmuck oder Porzellan haben. Beim zweiten Telefonat habe er dann ohne erkennbaren Grund gesagt „Hat sich erledigt“. „Er muss mit dem ersten Mann gesprochen haben“, vermutet die Frau. Agiert hier womöglich eine Betrügerbande? „Vielleicht arbeiten sie für Trödler oder für sich selbst. Aber es sind offensichtlich mehrere“, stellt die Kamenerin Vermutungen an.

Verbraucherberaterin in Kamen geht von einer Masche aus

Dass es sich zumindest um eine Betrugsmasche handelt, vermutet auch Elvira Roth von der Verbraucherzentrale in Kamen. Auf Nachfrage sagt sie, dass sie von einem Vorgehen dieser Art das erste Mal höre. Sie habe allerdings schon mit anderen Maschen zu tun gehabt, durch die Betrüger sich Zutritt zu Häusern und Wohnungen verschafft haben – entweder um Gold zu kaufen oder auszuspionieren. Vermutet man einen Betrüger am Telefon, solle man nach Name und Anschrift fragen, rät die Expertin. Wenn etwas nicht stimmt oder sich wie in dem aktuellen Fall herausstellt, dass der Anrufer ganz andere Interessen verfolgt, solle man am besten auflegen.

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„Goldverkauf zu Haue empfehlen wir grundsätzlich nicht, weil man als Besitzer den Wert und den Goldgehalt nicht überprüfen kann.“ Wer Gold verkaufen möchte, solle sich lieber bei einem Juwelier vor Ort beraten lassen. Der wisse, wie hoch der Goldgehalt ist und wie hoch der Goldpreis. „Nicht dass man denkt, man kriegt einen guten Preis, aber letztendlich war es gar kein angemessener Preis.“ Vorsicht sei geboten.

Die Pinnwand soll bleiben, doch Vorsicht ist geboten

Dass die 81-jährige Kamenerin von ihrer Goldallergie erzählt hat, könnte sie vor einem Besuch der Betrüger bewahrt haben, denn sie verloren gleich das Interesse. Doch das ist freilich nur eine Vermutung. Für die 81-Jährige war das jedenfalls eine „dubiose Angelegenheit“, weshalb sie vor dieser Betrugsmasche warnen möchte.

Dass es die Pinnwand im Kaufland gibt, findet sie aber indes weiterhin gut. Es sei schade, wenn man sie wegen solcher Betrüger abschaffen müsste. Die Wand sei sehr gefragt, lang und groß. Auf den vielen Zetteln werden zum Beispiel gebrauchte Möbel angeboten. „Hier kaufen nicht immer die reichsten ein, sondern auch ärmere Menschen“, sagt die Kamenerin. Und für die soll es weiter die Möglichkeit geben, auf diesem Wege gebrauchte Ware zu kaufen.

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