Die Gastwirte sind verunsichert. Noch läuft der Betrieb, doch viele Gastronomen spüren die Auswirkungen der Coronavirus-Angst. Über allem hängt das Damoklesschwert der vollständigen Schließung.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 15.03.2020, 09:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bisher haben wir nur unter der Woche etwas weniger Kundschaft gehabt“, berichtet Federico Bisci, Inhaber des italienischen Restaurants „Casa Tua“, während er eine weitere Pizza in den Ofen schiebt. „Zuletzt waren wir noch komplett ausgebucht.“

Sollte sich die Landesregierung allerdings zur allgemeinen Gastro-Schließung entscheiden, würde das den Gastronomen richtig Probleme bereiten.

Auch Michael Wilde vom Kümpers hält immer genug Desinfektionsmittel vor, um die Hygienestandards einzuhalten. Die benachbarte Bar „Pütt“ hat er bereits geschlossen.

Auch Michael Wilde vom Kümpers hält immer genug Desinfektionsmittel vor, um die Hygienestandards einzuhalten. Die benachbarte Bar „Pütt“ hat er bereits geschlossen. © Marcel Drawe

Besucherzahlen um etwa 40 Prozent gesunken

Berlin macht es vor. Dort lässt Oberbürgermeister Michael Müller ab Mitte der Woche alle Bars, Kneipen und Clubs schließen. Das verunsichert Gastronomen und Bürger bundesweit.

Bisci und seine Mitarbeiter halten sich streng an das Infektionsschutzgesetz, das auch Regeln zum richtigen Händewaschen und Desinfektionsmaßnahmen vorschreibt.

Sollte das Restaurant tatsächlich auf Weisung der Landesregierung schließen müssen, könnte Bisci das Lokal noch etwa bis zum Sommer halten.

Auch Marcus Kocha, Inhaber des Restaurants „La Tapa Guapa“ graut es vor diesem Szenario. Denn bei einer Schließung würden die Kosten für Personal und Lokal weiterlaufen.

Schon jetzt seien die Besucherzahlen um etwa 40 Prozent gesunken. Die Bundesregierung hat zwar ein massives Hilfspaket angekündigt, ob das auch für Gastronomen gilt, ist bisher noch unklar.

Vanessa Pilawa im „La Tapa Guapa“ mit dem Reservierungsbuch, in dem schon einige Absagen vermerkt sind. Schon jetzt sind die Besucherzahlen um etwa 40 Prozent gesunken.

Vanessa Pilawa im „La Tapa Guapa“ mit dem Reservierungsbuch, in dem schon einige Absagen vermerkt sind. Schon jetzt sind die Besucherzahlen um etwa 40 Prozent gesunken. © Marcel Drawe

Regelmäßig alle Klinken desinfiziert

Um Infektionen vorzubeugen, werden die Besucher in Kochas Lokal großzügiger im Raum verteilt.

„Zudem desinfizieren wir regelmäßig alle Klinken“, so Kocha. Um die Gewinneinbußen abzufedern, würde seiner Meinung nach die Bewilligung einer Petition des Deutschen Hotel- und Gastronomieverband „DEHOGA“ helfen, die die Mehrwertsteuer-Abgaben von 19 auf sieben Prozent für sogenannte „in house“ Restaurants reduzieren würde.

„Wenn dort eingespart werden könnte, wären ganz andere Investitionsmöglichkeiten gegeben, die auch in der jetzigen Situation eine große Erleichterung wären“, glaubt Kocha.

Marie-Sophie Bröker und Sascha Filler sind auch am Wochenende für die Gäste des Casa Tua da. In dem italienischen Restaurant am Markt ist noch wenig von der Angst vor dem Corona-Virus zu spüren.

Marie-Sophie Bröker und Sascha Filler sind auch am Wochenende für die Gäste des Casa Tua da. In dem italienischen Restaurant am Markt ist noch wenig von der Angst vor dem Corona-Virus zu spüren. © Niklas Mallitzky

Auch Galgenhumor hilft in der Krise

Im Cafe „En Place“ kann Inhaber Arjan Gjini auf die aktuelle Situation nur mit Galgenhumor reagieren. „Die Leute sollen mehr trinken“, findet er, „dann wird Corinna, oder wie diese Krankheit heißt, viel schneller wieder aus dem Körper ausgeschieden.“

Bis zum Wochenende seien die Einnahmen auf bis zu 75 Prozent zurück gegangen. Bei einer Schließung könnte er den Laden höchstens zwei Wochen lang ohne finanzielle Hilfe halten.

Im Restaurant „Kümpers“ sind die Einnahmen ebenfalls bis zu 70 Prozent zurückgegangen. So weiter machen könnte Inhaber Michael Wilde noch bis zum Sommer, erklärt er: „Bei einer Schließung bekämen wir etwa nach vier Wochen ein Problem.“

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Die zum Restaurant zugehörige Bar „Pütt“ bereits geschlossen

Die zum Restaurant zugehörige Bar „Pütt“ hat Wilde bereits geschlossen, nur für einige ausgewählte Kulturveranstaltungen will er die Bar in nächster Zeit noch öffnen.

„Da setze ich auch auf eine gewisse Eigenverantwortung der Kunden“, so Wilde. „Ich hoffe, dass Leute mit entsprechenden Krankheitssymptomen so vernünftig sind, zuhause zu bleiben.“

Wie die übrigen Gastronomen hofft Wilde auf Hilfen von der Bundesregierung, aber die müssten dann auch schnell umgesetzt werden. „Wenn der bürokratische Prozess zu langwierig ist, helfen solche Maßnahmen wenig.“

Im der Kneipe Flying Dutchman tragen mehrere Dart-Ligen ihre Wettbewerbe aus. Thomas Scholz und Stephan Biernat (v.l.) sind Spieler einer sogenannten Bier-Liga und nehmen das Dart-Board auch am Wochenende ins Visier.

Im der Kneipe Flying Dutchman tragen mehrere Dart-Ligen ihre Wettbewerbe aus. Thomas Scholz und Stephan Biernat (v.l.) sind Spieler einer sogenannten Bier-Liga und nehmen das Dart-Board auch am Wochenende ins Visier. © Niklas Mallitzky

Im „Flying Dutchman“ ist die Stimmung noch gut

In der Bar „Flying Dutchman“ ist die Stimmung noch gut. Dort sei bisher kaum etwas von einer Angst bei den Gästen zu spüren, berichtet Inhaber Thorsten Kirschke.

Allerdings hat bereits eine von zwei Darts-Ligen, die ihre Liga-Spiele regelmäßig in der Bar austragen, den Spielbetrieb eingestellt. „Sollte die andere Liga nachziehen, könnte es bald anders aussehen“, so Kirschke, „dann würden auch wir wahrscheinlich deutlich weniger Besucher an den Wochenenden verzeichnen.“

Eine Schließung könnte er für rund vier bis sechs Wochen stemmen, erklärt der Gastronom. „Denn der Vermieter wird nicht auf ihre Einnahmen verzichten wollen, diese Kosten könnten wir nicht lange ohne Einnahmen tragen.“

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Thorsten Kirschke ist Inhaber des Flying Dutchman. Noch ist Bar gut besucht, eine Schließung könnte aber auch er nicht lange finanzieren.

Thorsten Kirschke ist Inhaber des Flying Dutchman. Noch ist Bar gut besucht, eine Schließung könnte aber auch er nicht lange finanzieren. © Niklas Mallitzky

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