Neue Regeln und Vorschriften sorgen dafür, dass der Betrieb im Ristaurante „Bei Tino“ in Methler nicht mit vor der Krise zu vergleichen ist. Chefin Claudia Mazzoletti vermisst die Herzlichkeit.

Methler

, 18.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist eigentlich mein Traumberuf, aber jetzt gerade nicht“, sagt Claudia Mazzoletti. Sie und ihr Mann Enrico durften nach der Corona-Zwangspause ihr italienische Restaurant „Bei Tino“ im Herzen Methlers endlich wieder öffnen. Doch wie vor der Krise geht es dort noch nicht wieder zu – nicht nur, weil durch die Hygienevorgaben mehr Arbeit auf die Gastronomen zugekommen ist, sondern auch, weil die Grundstimmung sich verändert hat.

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Im Ristorante „Bei Tino“, das Enrico Mazzolettis Vater Tino vor 40 Jahren eröffnete, geht es eigentlich immer sehr herzlich zu. Viele der Besucher sind Stammgäste, freundliche Begrüßungen und vertraute Pläuschchen gehören zum Restaurantbesuch in dem Traditionslokal dazu. So war es jedenfalls vor der Krise.

„Es ist eigentlich mein Traumberuf, aber jetzt gerade nicht.“
Claudia Mazzoletti, „Bei Tino“

„Die Begrüßung fehlt, die Mimik ist weg“, sagt Mazzoletti, deren untere Gesichtshälfte von einer schwarzen Maske bedeckt ist. Die Kellner sind seit der Eröffnung am Mittwoch maskiert, nur jeder zweite Tisch wird benutzt und Händeschütteln gehört erst einmal der Vergangenheit an. Das Essen schmeckt zwar immer noch gut und ist auch immer noch frisch, aber das ist eben nicht alles, wie Mazzoletti findet.

Nicht alle Gastromen halten sich so strickt an die Abstandsregeln

Zur Gastronomie gehöre nicht nur gutes Essen, sondern auch das Ambiente, die Atmosphäre und der Austausch mit den Gästen – die sie mit der Maske zurzeit nicht anlächeln könne, so Mazzoletti.

Wann das wieder möglich ist, weiß derzeit keiner. Und so machen die Mazzolettis das Beste daraus und halten sich strickt an die Regeln. Strickter als manch anderer Gastronom, wie Enrico Mazzoletti aufgefallen ist. „Manche Gastronomen messen die Abstände zwischen den Tischen an der Tischkante. Dabei müssen noch 60 Zentimeter für die Stühle hinzugerechnet werden, damit die Menschen 1,50 Meter voneinander entfernt sitzen.“

Die Besucher des italienischen Restaurants im Herzen Methlers müssen sich in eine Liste eintragen. So kann im Notfall die Infektionskette nachvollzogen werden.

Die Besucher des italienischen Restaurants im Herzen Methlers müssen sich in eine Liste eintragen. So kann im Notfall die Infektionskette nachvollzogen werden. © Marcel Drawe

„Bei Tino“ wurde das berücksichtigt und die 17 Tische sind auf 8 Tische geschrumpft. Tische, die nicht benutzt werden, haben die Mazzolettis dekoriert und „reserviert“, damit es nicht so kahl aussieht in dem Raum. Im Wintergarten können vier von neun Tischen benutzt werden, dafür planen die Gastronomen, den Biergarten vor dem Eingang zu erweitern. Man müsse noch schauen, wie die Laufwege dann sind, sagt Claudia Mazzoletti. Auch hier will man die Gäste keinem Ansteckungsrisiko aussetzen.

Die Corona-Liste kam schon zum Einsatz, aber anders als gedacht

Das Gleiche gilt für die Hygiene. Neben den Toiletten, die auch vor Corona regelmäßig gereinigt wurden, müssen jetzt auch Türklinken und die (einlaminierten) Speisekarten desinfiziert werden. Das Händewaschen der Mitarbeiter soll dokumentiert werden, wie Claudia Mazzoletti erklärt. Dafür brauche sie bald eine Schriftrolle, sagt sie zwinkernd. Denn sie und ihre Mitarbeiter waschen sich häufiger als alle 30 Minuten, das sei die Vorgabe, die Hände.

Im Biergarten vor ihrem Ristorante „Bei Tino“ können Enrico und Claudia Mazzoletti ihre Masken kurz absetzen. Sie halten sich genau an die Anordnungen und an die Maskenpflicht.

Im Biergarten vor ihrem Ristorante „Bei Tino“ können Enrico und Claudia Mazzoletti ihre Masken kurz absetzen. Sie halten sich genau an die Anordnungen und an die Maskenpflicht. © Marcel Drawe

Doch nicht nur die Händewasch-Liste hat Corona den Gastronomen beschert, sondern auch eine Liste, in die sich die Gäste eintragen müssen, um notfalls Infektionsketten nachvollziehen zu können. Ein Problem – zum Beispiel wegen des Datenschutzes – hätten die Besucher damit nicht, sagt Claudia Mazzoletti. Die Liste kam sogar schon zum Einsatz, weil eine Besucherin ihre Handtasche liegen lassen hatte. „Dank der Liste konnte ich sie einfach anrufen.“

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Es gibt trotz ungewöhnlichen Neuregelungen also immer noch etwas zu Lachen „Bei Tino“ – und das lässt sich bei den Mazzolettis auch problemlos an den Augen ablesen. Und die Gäste, die während der Schließung auf Bestellungen zum Liefern oder Abholen gesetzt haben, lassen das Ehepaar auch weiterhin nicht im Stich und kommen vorbei um frische Pizza, Pasta und Co. zu genießen. „Dass sie nicht ‚Hurra‘ gerufen haben ist noch alles“, sagt Claudia Mazzoletti. Einige hätten schon an mehreren Tagen in den kommenden Wochen reserviert.

Die Tische, die reserviert sind, dienen als Abstandshalter. Rausnehmen wollten die Mazzolettis sie nicht, damit der Raum nicht so leer wirkt.

Die Tische, die reserviert sind, dienen als Abstandshalter. Rausnehmen wollten die Mazzolettis sie nicht, damit der Raum nicht so leer wirkt. © Marcel Drawe

Auf der anderen Seite spüre sie aber gleichzeitig, wie unsicher viele Gäste noch sind. „Manche haben nach der Reservierung noch einmal angerufen und nach den Regeln gefragt und wollten wissen, wie es funktioniert.“ Die meisten Gäste kommen trotz Lockerungen zu zweit, um vor Ort zu essen. „Die Leute sind noch verhalten“, so Mazzoletti.

Das Ordnungsamt hat schon „Bei Tino“ vorbeigeschaut

Insgesamt merke sie aber, dass alle froh sind, wieder auswärts essen zu dürfen. „Die Menschen wollen leben.“ Und sie halten sich, genau wie die Mazzolettis an die Regeln – bis auf einige Abholer, die in der Eile schon mal ihre Maske vergessen und dann eine vom Restaurant bekommen. Dass sich das Ehepaar und seine Angestellten so gut an die Regeln halten, hat sich übrigens schon ausgezahlt. Bereits kurz nach der Wiedereröffnung am Mittwoch schauten Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes vorbei. Der Besuch war aber kurz, unproblematisch und freundlich. Kein Wunder.

Gastronomie in Corona-Zeiten

  • Restaurants dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen.
  • Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft.
  • In loser Folge stellen wir unsere heimischen Lokale vor.
  • Das Ristorante „Bei Tino“ am Lutherplatz 1 in Methler öffnet Mittwoch bis Sonntag ab 17.30 Uhr. Einen Tisch kann man unter Tel. (02307) 940 770 reservieren.
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