Wenn Messis Argentinien in Kaiserau weilt, dann nutzt das Team eine Sportstätte, die fast jeder Weltstar kennt. Nicht nur Ronaldo, Raul und Reus, sondern auch Vogts, Heynckes und Hölzenbein.

Kamen

, 11.09.2019, 12:31 Uhr / Lesedauer: 4 min

Argentinien im SportCentrum. Die Nachricht, dass die Nationalmannschaft rund um Kapitän Lionel Messi nach Kaiserau kommt, hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Agüero, Dybala und Higuaín, Hammer-Stürmer hautnah vor Ort.

Das SportCentrum an der Jacob-Koenen-Straße beherbergte zuletzt nicht nur Spitzenmannschaften wie Real Madrid und Liverpool oder Nationalmannschaften wie Spanien. Sondern ist seit der Sanierung auch selbst in die Weltspitze aufgestiegen. Das erklärt sich nicht durch Fünf-Sterne-Luxus mit brausender Whirlpool-Romantik. Die Vier-Sterne-Plus-Anlage, so wie sie sich bezeichnet, punktet bekanntlich durch die Mixtur von bestens präparierten Sportanlagen, gut ausgestatteten Zimmern und die Nähe zum Signal-Iduna-Park, Heimstätte von Borussia Dortmund und Austragungsort diverser Länderspiele. Wie am Mittwoch. 9. Oktober, wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Argentinien antritt.

Berti Vogts, Ballack, Raul, Messi und Ronaldo: Wo die Superstars absteigen - mit vielen Bildern!

Der spanische Mannschaftskapitän Raul, später Kultspieler bei Schalke 04, gab auf dem Weg zum Training seinen Fans Autogramme, als die Mannschaft im Jahr 2006 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland Quartier bezog. © Stefan Milk

Das Twitter von vorgestern: Postkarte der Nationalspieler von 1976

Die deutsche Nationalmannschaft war freilich schon oft in Kaiserau. Nicht nur, seitdem der Komplex zur Fußball WM im Jahr 2006 mit einem Millionenbetrag saniert wurde und aus der zweckmäßigen Sportschule ein multifunktionales SportCentrum wurde. Dass dort überhaupt ein Sportgelände ist, geht auf eine Initiative des SuS Kaiserau zurück, der sich 1920 gründete: Am 16. April versammelten sich im Lokal Schulz, dem späteren Vereinslokal Lander, 21 Bergleute und gründeten den Verein, aber es fehlte an allem: Trikots, Bälle, aber vor allem ein Sportplatz. „Die Gemeinde Westick stellte dem Verein ca. vier Morgen Brachland, auf dem heutigen Gebiet der Sportschule Kaiserau, zur Verfügung. Aus dieser buckeligen Wiese wurde nach wochenlanger mühevoller Arbeit der Vereinsmitglieder eine bespielbare Sportstätte“, heißt es auf der Website des SuS Kaiserau. Teil der Geschichte ist auch, dass dort ab 1936 ein Jugendheim für die Hitlerjugend geplant wurde, welches zwischen 1938 und 1941 gebaut und am 20. Juli 1941 eingeweiht wurde. Nach Ende des Krieges verpachtete die Gemeinde das Heim zunächst langfristig an den Deutschen Gewerkschaftsbund. Im Jahr 1948 ging das Heim durch Pachtübernahme- und Kaufverträge mit Flächen von ca. 18 Morgen einschließlich des Gemeindesportplatzes an den Fußballverband Westfalen.

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Michael Ballack gibt vor dem Sportcentrum Kaiserau im Jahr 2011 ein Autogramm, als die deutsche Mannschaft zur EM-Qualifikation für das Turnier in Polen und der Ukraine antrat. © Stefan Milk

Der Geist von Kaiserau ist noch immer ein Begriff

Das war die Geburt der Sportschule Kaiserau, von der man heute noch vom „Geist von Kaiserau“ spricht, jenem besonderen Teamgeist, der bei solchen Aufenthalten entsteht - ähnlich wie vom „Geist von Malente“, der Sportschule in Schleswig-Holstein. In den 70er-Jahren gastierte die Nationalmannschaft mit Trainer Helmut Schön, der am 28. Februar 1976 aus Kaiserau eine Postkarte an die DFB-Zentrale nach Frankfurt sandte - samt Unterschriften der Nationalspieler von Hoeneß bis Hölzenbein. Sozusagen als Twitter von vorgestern.

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Die Sportschule Kaiserau in den 70er-Jahren. Das ist die Vorderseite der Postkarte, die Helmut Schön von Kamen aus nach Frankfurt sandte. © Marcel Drawe

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Helmut Schön und die Unterschriften der Spieler. Abgesandt an dem Tag des Spieles gegen Malta, das mit 8:0 in Dortmund gewonnen wurde. © Marcel Drawe

Die Mannschaft ging als Weltmeister 1974 bei der EM in Jugoslawien als Favorit in das Turnier und legte in der Sportschule einen Vorbereitungslehrgang ein und trat dann im damaligen Dortmunder Westfalenstadion gegen Malta an. Auch dort war Kaiserau bereits Ausgangspunkt für Länderspiele in Dortmund. Wie wenig hat sich doch geändert. Standesgemäß siegte die Elf mit 8:0. Die Tore schossen Worm (5.), (27.), Heynckes (34.), (58.), Beer (41., Foulelfmeter), (77.), Vogts (82.) und Hölzenbein (87.) Wenige Monate später ging das EM-Endspiel gegen Tschechien verloren - mit 5:3 im Elfmeterschießen.

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Torwarttrainer Andreas Köpke (l.) und Bundestrainer Joachim Löw beteiligten sich am Training ihrer Kicker im September 2014. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft traf in der EM-Qualifikation auf Schottland und gewann mit 2:1 durch ein Doppelpack von Thomas Müller. © picture alliance / dpa

Ronaldo schwitzt in der Basketballhalle an

Gut in Erinnerung geblieben ist der Aufenthalt der Kicker von Real Madrid rund um Weltstar Ronaldo, die beispielsweise im Jahr 2012 für ein Vorrundenspiel des BVB in der Champions-League nach Kamen reisten. Neben Cristiano Ronaldo waren die damaligen Mitspieler Pepe, Mesut Özil, Xabi Alonso, Sami Khedira dabei – Pepe und Ronaldo wärmten sich beim Eins-gegen-Eins-Spiel in der Basketballhalle auf. Doch Glück brachte der Aufenthalt nicht: Die favorisierten Spanier unterlagen mit 1:2. Einige der spanischen Kicker um den Portugiesen Ronaldo kannten das SportCentrum da schon; Khedira und Özil durch die Deutsche Nationalmannschaft - und einige ältere Spanier, die dort zur WM 2006, dem deutschen Sommermärchen, eingezogen waren.

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Bayern-Star und Ex-Borusse Robert Lewandowski vor dem Supercup 2016 mit Fans vor dem SportCentrum Kaiserau. © FLVW

FC Bayern: BVB-Dauerrivale und Dauergast in Kamen

Auch national ist das SportCentrum gefragt. Seit 2015 ist der FC Bayern, Dauerrivale von Borussia Dortmund, zu Gast. „Das ist für uns der Ritterschlag“, hieß es damals vor Ort. Die Bayern hatten am 3. und 4. April des Jahres sämtliche 48 Zimmer des Sporthotels gebucht, der Tross umfasste ca. 50 Leute vom Physiotherapeuten bis zu den Offensivstars, unter denen sich damals auch noch Mario Götze befand – und mit Robert Lewandowski ein weiterer Hochkaräter, der auch einmal zu den Lokalmatadoren des BVB zählte. Mit dabei war auch der eigene Koch, Unterstützung fand er beim Kaiserauer David Seepe, der als Souschef (Stellvertreter des Küchenchefs) Erfahrung mit Nationalmannschaften hat. Er bekochte damals unter anderem die U19- und U21-Auswahl des DFB und begleitete sie bei Auswärtsreisen. Die Bayern kamen seitdem mehrfach wieder – beispielsweise zum Supercup 2016 und 2019.

Nationalmannschaft kommt immer wieder

Für die deutsche Nationalmannschaft ist die Sportschule schon eine zweite Heimat. Immer wieder gastiert sie nicht erst seit den 70er-Jahren in Kaiserau. Sowohl zu Lehrgängen als auch zu Länderspielen. Besonders in Erinnerung ist der Aufenthalt im Jahr 2016. Die Nationalkicker nahmen am Kamener Kreuz die letzte Ausfahrt vor dem Kampf um den Europameistertitel in Frankreich. Es war die letzte Härteprobe direkt vor dem Turnier mit Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels und Co. Deutschland scheiterte im Halbfinale an Gastgeber Frankreich.

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Mats Hummels gibt Autogramme, als sich die Nationalmannschaft im Jahr 2016 in Kaiserau trifft. © Marcel Drawe

Jürgen Klopp als prominenter Rückkehrer

Mit Jürgen Klopp gab es 2016 einen prominenten Rückkehrer: Der ehemalige BVB-Trainer hatte sich mit dem FC Liverpool für zwei Nächte eingebucht. Der britische Traditionsclub traf zum Euroleague-Spiel im Hinspiel des Viertelfinals gegen Borussia Dortmund am 6. April ein und blieb für zwei Nächte. Klopp leitete an dem Morgen nach dem Spiel in Dortmund noch eine Trainingseinheit. Der etwa 40-köpfige Tross aus Spielern, Trainern, Betreuern und Medizinern hatte das Sporthotel komplett gebucht. Der BVB und Liverpool trennten sich 1:1 - im Rückspiel folgte das Jahrhundertspiel, das Liverpool mit 4:3 gewann.

Es gibt unzählige weitere Besuche deutscher und internationaler Mannschaften im SportCentrum, freilich nicht nur Fußballer - auch die deutschen Handballer mit Heiner Brand waren schon zu Gast, um den Geist von Kaiserau zu erleben.

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Wer kann sich an weitere Aufenthalte erinnern und hat dazu ein Foto von seiner Autogrammjagd? Beiträge, die für eine Veröffentlichung infrage kommen, bitte an die Email-Adresse redkamen@hellwegeranzeiger.de
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