Die Tomatenpflanzen sind Anna-Sophie Deifuß besonders ans Herz gewachsen. Sie brauchen neben viel Pflege nämlich auch viel Liebe. Und gepflückt wird nur, was wirklich reif ist - „sonst schmecken sie nicht“. © Stephanie Tatenhorst
Hofladen-Serie

Bei Deifuß in Altenmethler gibt es Gemüse direkt aus dem Gewächshaus

Eigentlich ist das Gelände von Volker Deifuß auf einem alten Bauernhof in Altenmethler ein Gartenbaubetrieb. Doch wenn dort das Sommerloch kommt, schlägt die Stunde der Gemüse-Leidenschaft.

Im Gartenbaubetrieb von Volker Deifuß in Altenmethler würden sich die Kunden die sprichwörtliche Klinke in die Hand geben, wenn es denn eine gäbe: Doch auf dem alten Bauernhof kommen die Kunden direkt zu den Gewächshäusern. „Wir verkaufen, wo wir gerade sind und wo es geht“, sagt Annegret Deifuß lachend. Dabei steht in einem der Gewächshäuser durchaus eine Theke mit Kasse.

Frisches Gemüse vom Gartenbaubetrieb: Familie Deifuß nutzt das Sommerloch nach dem Pflanzenverkauf, um dann die Früchte der Arbeit zu ernten und zu vermarkten. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Im Frühjahr wimmelt es hier von selbstgezogenen Pflanzen – von Blumen über Kräuter bis zu Gemüsesorten. Im Herbst geht es um Chrysanthemen, Stiefmütterchen, Silberblättchen und auch Grabgestecke, denn der Betrieb arbeitet eng mit Friedhofsgärtnern zusammen.

Im Sommerloch wird Gemüse gezogen

Doch von Mai/Juni bis September/Oktober wäre es ruhig. Dann stagniert die Verkaufsssaison für Pflanzen. Dieses Sommerloch nutzt Annegret Deifuß dann für eine Leidenschaft, die inzwischen auch Tochter Anna-Sophie entdeckt: Denn wenn Pflanzenzucht und -verkauf in die Sommerpause geht, widmen sich die beiden Frauen dem Gemüseanbau und -verkauf – und natürlich stammt die Ernte von den selbst gezogenen Pflanzen.

Erst war es die Leidenschaft von Annegret Deifuß, die den Betrieb vor rund 30 Jahren mit ihrem Mann gründete. Nun wächst Tochter Anna-Sophie immer stärker hinein und probiert sich aus. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Im zeitigen Frühjahr geht es mit der Aussaat los, dann werden die Pflänzchen pikiert und groß gepäppelt. „Wir verkaufen dann erst die Pflanzen, dann die Früchte“, erklärt Anna-Sophie Deifuß. Die 33-jährige hat nach dem Fachabitur in Ernährung und Hauswirtschaft erst in der Gastronomie gelernt und gearbeitet – doch vor drei Jahren entschied sie sich, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. „Erst war ich im Verkauf, nun werd ich immer mehr zur Gärtnerin. Und ich genieße das“, gesteht sie lachend.

Die Leidenschaft von Mutter und Tochter für das eigene Tun ist fast mit Händen zu greifen, und so wundert es nicht, dass die Tomatenpflanzen an die zwei Meter hoch sind und voller Früchte hängen, die Paprika im Gewächshaus daneben in allen Farben und Formen leuchten und an den Gurkenpflanzen lange Schlangengurken zu sehen sind.

Dieses Jahr spielte das Wetter nicht mit

Dabei sind die beiden Fachfrauen mit der diesjährigen Saison eher unzufrieden. Das Wetter passte nicht so richtig. Es war lange zu kalt, und dann zu nass. „Wir haben nur saisonales Gemüse“, sagt Annegret Deifuß. „Eben das, was nach aktuellem Wetter gerade wächst.“ Dennoch: Die Ernteausbeute von Tomaten, Aubergine, Gurken, Zucchini ist so groß, dass die Familie Deifuß mit einem Markthändler zusammenarbeitet, ein paar Gastronomiebetriebe beliefert und andere Hofläden der Umgebung versorgt.

Gurken auf der einen, Chilli-Pflanzen auf der anderen Seite: Die verschiedenen Sorten machen den Anbau so spannend. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

„Das geht nicht anders. Diese Mengen könnten wir sonst nicht verkaufen“, sagt Annegret Deifuß. Entsorgen kommt nicht in Frage. In der heißen Corona-Phase packten die Frauen daher auch einfach mal Gemüsekisten mit allem, was reif war – und inzwischen gehören die fest zum Sortiment. Die Resonanz auf das Überraschungspaket ist gut. „Selbst wer Möhren nicht mag, macht dann etwas damit, weil sie nunmal da sind. Und das ist dann auch ein guter Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung“, sagt Anna-Sophie Deifuß.

Kindheitserinnerungen

Im Hobby-Bereich, wie es die beiden Frauen nennen, werden auch noch Kartoffeln und Kürbisse angebaut, oder Physallis. Die sind allerdings eher Privatvergnügen. „Wir mögen die alle sehr, aber im Verkauf liefen die nicht so gut“, sagt Annegret Deifuß. Anders sieht es bei den 15 verschiedenen Chillisorten aus, um die sich Schwester respektive Tante mit Herzblut kümmert. „Das ist ihr Hobby“, sagt Annegret Deifuß lachend. Sie und ihre Tochter haben eher ein Herz für die Tomaten. „Das sind fast schon meine Babys“, sagt Anna-Sophie lachend. „Ich weiß genau, welche mehr Wasser braucht und kenne die alle mit Namen.“ Bei 25 Sorten.

Kürbisse gehören ohne Frage zum Herbst dazu, aber auch Chrysanthemen. Langsam aber sicher geht es vom Gemüseanbau wieder über in die Aufzucht der Herbstbepflanzung. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

In Sachen Ernte geht Annegret Deifuß jedoch beim Kartoffelausmachen das Herz auf. „Da kommen dann Kindheitserinnerungen hoch, wenn ich den Duft in der Nase habe“, verrät sie.

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