Ab sofort Baustopp bei Möcking! Archäologische Funde aus dem 12. Jahrhundert

dzVilla Möcking

Plötzlich ruhen die Bauarbeiten auf der Mega-Baustelle in der City. Auf dem Baufeld für die neue Villa Möcking haben Archäologen etwa 800 Jahre alte Siedlungsspuren gefunden. Jetzt graben sie.

Kamen

, 16.10.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Baustopp für die Villa Möcking! Auf dem Baufeld, das zwischen Nordstraße und Kampstraße liegt, sind Bauarbeiter auf historische Mauerreste gestoßen. Als sie die Fachleute des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hinzuziehen, wird deutlich, dass die Funde etwa 800 Jahre alt sein könnten. Die archäologischen Spuren deuten auf Siedlungsstrukturen aus dem 12. Jahrhundert hin. Eine Fachfirma ist zurzeit dabei, den Boden abzutragen. In vorsichtiger Handarbeit - Schaufel für Schaufel.

Ab sofort Baustopp bei Möcking! Archäologische Funde aus dem 12. Jahrhundert

Die Markierungen bestehen aus Kaffeebecher-Deckeln aus Plastik, die den Eindruck erwecken, sie seien vielleicht nur achtlos weggeworfen worden. Die weißen Deckel markieren aber vielmehr die Punkte, für die sich die Experten interessieren. © Marcel Drawe

Fundstellen mit Kaffeebecher-Deckeln markiert

Die Arbeiten des sechsköpfigen Spezialteams stehen dabei erst am Anfang. Auf dem Baufeld ist zu sehen, wie die Fachleute jene Stellen markieren, an denen sie historische Funde vermuten. Das sind nicht wenig. Etwa 30 Markierungen haben sie auf dem Untergrund verteilt, der nach den jüngsten Regenfällen ziemlich matschig ist, aber das Graben erleichtert, weil der Boden nicht steinhart ist. Kurios: Die Markierungen bestehen aus Kaffeebecher-Deckeln aus Plastik, die den Eindruck erwecken, sie seien vielleicht nur achtlos weggeworfen worden. Doch das ist definitiv nicht der Fall.

Ab sofort Baustopp bei Möcking! Archäologische Funde aus dem 12. Jahrhundert

Die Stahlkörbe, mit denen die Stahlbetonpfähle für die neue Villa Möcking gesetzt wurden. Das Haus soll eine Tiefgarage erhalten. Bei der Ausschachtung stiegen Bauarbeiter auf historische Spuren. © Stefan Milk

Ausgrabung wird noch mehrere Wochen dauern

Anfang voriger Woche hatten die Bauarbeiter ihre Beobachtungen dem Bauträger, der Baugesellschaft „beta-Eigenheim“ aus Bergkamen, gemeldet, die sofort den Landschaftsverband einschaltete. Alles Historische, was sich in dieser Grabungstiefe befindet, gehört rechtlich dem Land Nordrhein-Westfalen. Für die Sicherung der Funde ist nun die Fachaufsicht der Abteilung „Mittelalter-Archäologie“ in Münster zuständig. Gerechnet wird damit, dass die Ausgrabungen noch einige Wochen dauern. Vermutlich können genauere Ergebnisse erst im November vorgestellt werden, heißt es am Mittwoch am Rande der Baustelle. Entsprechend verschieben wird sich vermutlich der Bauauftakt für das moderne Wohnprojekt in der Innenstadt.

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Grundstücksmauern, Brunnen und Pfostengruben

Bei den Funden handelt es sich um Grundstücksmauern, Pfostengruben und Brunnen, wie man sie im Mittelalter im Hinterhofbereich hatte. Münzen oder Metallfibeln, wie sie im Westicker Feld gefunden wurden, konnten bisher nicht entdeckt werden. Unüblich seien solche Funde nicht, hieß es gestern. Wer in Altstadtbereichen tiefer ausschachte, müsse mit solchen Ereignissen rechnen.

Auf dem Baufeld wurden zuletzt 300 Bohrpfähle gesetzt, die die tragenden Stützen der neuen „Villa Möcking“ bilden. Das zweiteilige Gebäude soll später aus 21 Wohnungen und zwei Ladenlokalen bestehen.

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