Baustopp bei Möcking: Archäologen finden fünf Brunnen und historische Keramik

dzVilla Möcking

Dort, wo 21 zentrale Wohnungen entstehen, werden zurzeit historische Spuren gesichert. Diese sind spektakulär, wie die Archäologen versichern. Jetzt werden die Fundsachen aus der Kamener Innenstadt genauer untersucht.

Kamen

, 03.12.2019, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Archäologen, die auf dem Baufeld der Villa Möcking mit ihren Gummistiefeln durch tiefen Schlamm stapfen, vermelden Erfolg. Sie haben bei den Arbeiten, die sich mittlerweile über anderthalb Monaten erstrecken, allein fünf historische Brunnenanlagen gefunden.

Wo jetzt das große Loch in der zuvor stolzen Häuserreihe der Nordstraße klafft, stand früher das Möbelhaus Möcking, das seine Ladentüren im Frühjahr 2017 nach über 100-jähriger Geschichte geschlossen hat.

Ersetzt werden soll das einst repräsentative Haus durch ein Gebäude mit ähnlichem Charme, nur deutlich moderner. Historische Elemente aus dem alten Gebäude werden aber wiederzufinden sein - darunter wohl auch einige Funde, die die Archäologen nun ausgegraben haben.

Baustopp bei Möcking: Archäologen finden fünf Brunnen und historische Keramik

Eine Illustration, wie sich die neue Villa Möcking in die Nordstraße einfügen soll. Die Fassade nimmt historische Elemente auf, ohne dabei alt zu wirken. © beta

Älteste Siedlungsspuren aus dem 12. Jahrhundert

„Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus dem 12. Jahrhundert“, teilte ein Mitarbeiter der Fachfirma Eggenstein Exca aus Dortmund am Dienstag auf Anfrage mit. Das Unternehmen untersucht im Auftrag des Westfälischen Denkmalamtes in Münster den Boden. Fünf Mitarbeiter sind weiterhin damit befasst, die Befunde fachgerecht auszugraben und zu dokumentieren.

Sichergestellt wurden dabei zahlreiche Keramik-Funde, die vom 12. bis 17. Jahrhundert, der frühen Neuzeit, reichen. Gefunden wurden zudem sehenswerte und gut erhaltene Dinge aus alter Zeit – Brunnen, Mauerzüge, verfüllte Keller, Abfallgruben und Pfostengruben.

Einige Ausgrabungsfunde sind nun auf dem Weg nach Münster zur weiteren Untersuchung, um dann katalogisiert und archiviert zu werden. Für die Sicherung der Funde ist dort die Fachaufsicht der Abteilung „Mittelalter-Archäologie“ zuständig.

Baustopp bei Möcking: Archäologen finden fünf Brunnen und historische Keramik

Auf dem Baufeld der Villa Möcking sind Archäologen an der Arbeit, die die historischen Spuren sichern. Allein fünf Brunnenanlagen haben sie gefunden. Hier sind die neuen Bohrpfahlsicherungen für die neue Tiefgarage zu sehen. © Stefan Milk

Fundstücke werden in Münster untersucht

Vermutlich werden auch einige der mittelalterlichen Fundsachen zurück nach Kamen gehen, um dort im Haus der Stadtgeschichte an der Bahnhofstraße 21 ausgestellt zu werden.

Abschlussbericht und Gutachten sind noch nicht fertig gestellt. Vermutlich wird das Denkmalamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) nach Abschluss der sorgfältigen Untersuchung erst im kommenden Jahr über die Ergebnisse informieren.

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Insgesamt überprüfen die Mitarbeiter der Grabungsfirma 250 Befunde, die auf dem mehrere tausend Quadratmeter großen Innenstadt-Grundstück zunächst provisorisch mit Plastikdeckeln von Coffee-to-Go-Bechern markiert wurden.

250 Befunde: Das bedeutet aber nicht, dass es auch 250 Funde gibt: Eine Brunnenanlage besteht allein aus vier bis fünf Befunden, wie ein Stadt-Archäologe berichtet: Unter anderem aus Mauerwerk, Grube, Schacht und der Verfüllung. Alles kann davon nicht gesichert werden.

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Schippe für Schippe den Boden abgetragen.

Schippe für Schippe haben die Archäologen den Boden abgetragen. An ihren Gummistiefeln kleben dicke Klumpen des schlammigen Bodens. Bis in vier Meter Tiefe unter Straßenniveau haben sie sich in die Tiefe gebuddelt, um die Mauerreste freizulegen.

Der Bauherr, beta Eigenheim aus Bergkamen, verfolgte die Arbeiten trotz des verhängten Baustopps mit Spannung – Teile der Ausgrabungen könnten in dem Neubauprojekt mit 21 Wohnungen integriert werden. „All das kann genutzt werden, was den Archäologen nicht wertvoll genug erscheint, um es zu konservieren oder auszustellen“, sagte beta-Projektleiter Maximilian Kirchhoff.

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