Die Nordring-Großbaustelle gehört seit Mai zum Kamener Stadtbild, inzwischen ist die Vollsperrung der Bergkamener Straße hinzugekommen. Anwohner erzählen, wie sie mit dem Baustellen-Stress umgehen.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 13.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Straßenfräse bahnt sich langsam, aber unaufhaltsam ihren Weg entlang der Bergkamener Straße. Ein Hupen signalisiert dem voranfahrendem Lkw, der den abgebrochenen Asphalt aufnimmt, dass er sich wieder um einige Meter vorwärts bewegen kann.

Eigentlich sollte die Sperrung der Bergkamener Straße (K9) an der Einmündung Waterkamp/ Dreieck bereits am Mittwoch, 9. Oktober, vollzogen werden. Doch die Ankündigung der Stadt Kamen erwies sich als irreführend: Laut den Anwohnern verschob sich der Termin um einen Tag, so dass das Straßenstück erst am Donnerstag gesperrt wurde.

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Marcel Bierkämper wohnt mit seiner Familie an der Straße „Dreieck“. Er und sein vierjähriger Sohn Finn Lasse schauen dem Treiben der Bauarbeiter zu, die mittlerweile unter der Autobahnbrücke angekommen sind. „Für meinen Sohn ist das natürlich faszinierend“, erklärt Bierkämper. „Für uns bedeuten diese Arbeiten allerdings deutlich mehr Stress.“

Während der Zugang zur Bergkamener Straße über die Stormstraße bereits am Nordring gesperrt ist, können die Anwohner zumindest über die Straßen Im Dahl und einen westlichen Ausläufer der Bergkamener Straße die Wohngegend verlassen. Der Ausgang vom Dreieck, eigentlich eine Einbahnstraße, ist gesperrt, deswegen ist der Eingang temporär auch der Ausgang. „Mit der Wiedereröffnung des Dahls ist das schon mal eine kleine Entlastung“, so Bierkämper. „Aber es bleibt chaotisch.“

Baustellen-Stress rund um den Nordring (B233) in Kamen

Die Absperrung auf der Bergkamener Straße Ecke Waterkamp/ Dreieck soll noch bis zum 31. Oktober bestehen. © Niklas Mallitzky

Als vor einigen Wochen zunächst die Stormstraße (die in die Bergkamener Straße übergeht; beide K9) gesperrt wurde, war der Zugang zur Straße Waterkamp noch offen. In dieser Zeit sei es besonders schlimm gewesen. „Da fuhren dann auch Linienbusse durch“, erinnert sich Bierkämper. Zu den Stoßzeiten habe es dort dann lange Schlangen gegeben, auch von einem Auffahrunfall spricht er. Jeder, der über die Bergkamener Straße nach Weddinghofen fahren wollte, habe ebenfalls diesen Weg genutzt, für den relativ schmalen Waterkamp eine echte Belastungsprobe.

Auch Nicole Bauer ist genervt von der Bauarbeiten. „Man weiß nie, welche Straße am nächsten Tag geöffnet ist, und wo man nicht mehr durchkommt“, sagt sie.

Besonders morgens, wenn viele Leute auf dem Weg zur Arbeit sind, sei es schlimm. Denn zum einen ist da die für viele Autofahrer unübersichtliche Lage auf dem Nordring. Dazu kommt dann die Situation in der Bergkamener Straße, die bei einigen Verkehrsteilnehmern nur noch mehr Verwirrung stiftet. Da werde die Fahrt zum Kindergarten zu einer allmorgendlichen Odyssee. Eine Sackgassen-Schild, dass im Dreieck auf den gesperrten Ausgang auf die Bergkamener Straße hinweist, gebe es nicht. „Einige Leute fahren also in die Straße hinein in der Hoffnung, so die Baustelle umfahren zu können, was auch das Dreieck verstopft“, sagt Bauer. Einen Flyer, der auf die anstehenden Bauarbeiten hinweist, hätten sie nicht bekommen. In der Straße Kugelbrink sei angeblich so ein Flyer verteilt worden.

Tatsächlich berichtet ein Paar im Rentenalter, das am Kugelbrink wohnt, einen solchen Flyer erhalten zu haben. Sie seien darauf hingewiesen worden, ihre Fahrzeuge für die Dauer der neuen Vollsperrung in einer anderen Straße unterzubringen. Denn der Kugelbrink ist eine Sackgasse, deren Zugang momentan gesperrt ist.

Baustellen-Stress rund um den Nordring (B233) in Kamen

Die Kreuzung Westring/Nordring/Stormstraße ist verengt, ein Abbiegen auf die Stormstraße (l.) baustellenbedingt verboten. © Boyrs Sarad

Ahmet Aktas wohnt mit seiner Frau Nagihan und den Kindern direkt an der Bergkamener Straße, zwischen dem Eingang Dreieck und Waterkamp. In der vergangenen Woche wurde genau diese Abschnitt gesperrt. Eigentlich sollte die Sperrung drei Tage anhalten. „Tatsächlich hat es dann aber fünf Tage gedauert“, behauptet Aktas. So konnte die Familie die eigene Einfahrt nicht mehr mit den Fahrzeugen erreichen und musste weiter außerhalb parken. „Wir haben drei Kinder und entsprechend große Einkäufe. Da ist so eine Situation schon sehr belastend.“ Für Nagihan Aktas sei auch das ständige Hupen der Fräse eine nervliche Belastung gewesen, besonders da die Arbeiten bereits um sechs Uhr am Morgen begannen. Nun hofft sie, dass nach Ende der Bauarbeiten zumindest ein Zebrastreifen auf die Straße aufgetragen werde. „Hier fahren viele Leute mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch. Vielleicht könnte man das mit einem Zebrastreifen etwas ausbremsen.“

Baustellen-Stress rund um den Nordring (B233) in Kamen

Wer auf dem Kamener Ring in Richtung Nordring fährt, muss sich vor der Baustelle halbrechts einordnen (hier die Kreuzung Westring/Auf dem Spiek/Kämertorstraße). © Boyrs Sarad

Üzeyir Alagöz belasten die Arbeiten in besonderer Weise. Seitdem zuerst die Stormstaße und nun die Bergkamener Straße gesperrt wurden, hat der Inhaber des „Adana Kebabhaus“ mit einem massiven Rückgang an Kunden zu kämpfen. „Früher waren es um 15 Uhr dutzende Kunden“, erinnert er sich. „Heute waren bisher drei Gäste da.“ Auch in den Abendstunden sei die Lage nicht wirklich besser: „Viele Leute wissen einfach nicht, wie sie noch mit dem Fahrzeug zu mir durchdringen können. Und bevor sie weit außerhalb parken müssen, fahren sie einfach woanders hin.“ Die Situation, die schon seit einigen Monaten den Durchgangsverkehr an der Stormstraße und Bergkamener Straße einschränkt, bringt Alagöz in große Bedrängnis. So könne er mittlerweile kaum noch für die Miete aufkommen. „Ich überlege mittlerweile ernsthaft, den Laden zu schließen. Lange kann ich nicht mehr so weitermachen“, sagt er.

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