Die Bundespolizei hat am Abend eine Rohrbombe in einem Fahrkartenautomaten am Bahnhof Methler kontrolliert gesprengt. Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm und die L821 sind nach stundenlanger Sperrung wieder frei.

von Michael Neumann, Carsten Fischer

Kamen, Dortmund

, 30.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein verbeulter Fahrkartenautomat am Bahnhof Methler in Kamen hat am Mittwoch einen Polizei- und Feuerwehreinsatz ausgelöst und den Verkehr auf Straße und Schiene stundenlang lahmgelegt. Die Bahnstrecke Dortmund-Hamm und die Brücke der Landstraße 821 über die Gleise wurden gesperrt. Es bestand der Verdacht, dass jemand versucht hatte, den Automaten zu sprengen, und dass noch explosive Stoffe zurückgeblieben waren.

Jetzt lesen

Kontrollierte Sprengung durch Polizei

Untersuchungen von Sprengstoff-Spezialisten ergaben, dass eine Rohrbombe in dem Automaten explodiert war. Eine zweite Rohrbombe war nicht detoniert. Der kleine Sprengkörper wurde von Entschärfern der Bundespolizei kontrolliert gesprengt. „Vor wenigen Minuten ist die zweite Rohrbombe kontrolliert gezündet worden“, sagte ein Sprecher der Kreispolizei in Unna gegen 18.30 Uhr. Solche Sprengkörper würden eingesetzt von Tätern, die es auf den Inhalt der Geldkassetten von Automaten abgesehen haben.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Polizei entschärft Rohrbombe am Bahnhof Methler

Ein missglückter Sprengversuch von Automatenbombern am Bahnhof Methler hat am Mittwoch (30.9.) einen großen Polizei und Feuerwehreinsatz ausgelöst. Die Bahnstrecke und die L821 waren stundenlang gesperrt.
30.09.2020
/
Ein Einsatzfahrzeug der Polizei versperrt die Brücke der Wasserkurler Straße (L821), die in Höhe des Bahnhofs Methler über die Gleise führt.© Michael Neumann
Automatenbombern war ein Sprengversuch missglückt, der Automat wurde zerbeult. Der Schaden löste eine Störung aus. Die Polizei ging dem Verdacht nach, dass sich noch explosive Stoffe in dem Automaten befinden.© Michael Neumann
Techniker der Bahn riefen die Polizei. Das führte dazu, dass Spezialisten für Bombenentschärfung angefordert wurden. © Michael Neumann
Blick auf den von der Polizei geöffneten Automaten. Zuvor hatten die Spezialisten eine nicht detonierte Rohrbombe unschädlich gemacht.© Michael Neumann
Außer der Bundespolizei Dortmund war auch die Kreispolizei Unna und die Feuerwehr Unna vor Ort.© Michael Neumann
Mit äußerster Vorsicht gingt das Räumkommando vor.© Michael Neumann
Neben dem Automaten wurde ein Gerüst aufgebaut.© Michael Neumann
Die Deutsche Bahn meldete zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen.© Michael Neumann
Die Polizei ermittelt wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion gegen die unbekannten Automatenbomber.© Michael Neumann
Einsatzfahrzeuge der Kamener Feuerwehr.© Michael Neumann
Ein Bombenentschärfer in voller Montur am Tatort.© Michael Neumann
Der Umkreis des Fahrkartenautomaten wurde abgeriegelt.© Michael Neumann
Schon am 28. September soll der Automat eine Störung gemeldet haben, der ein Bahntechniker am Mittwoch (30.9.) auf den Grund ging.© Michael Neumann
Die Spezialisten der Bundespolizei für Bombenentschärfung sind sonst am Flughafen Düsseldorf tätig.© Michael Neumann
Einsatzkräfte am Haltepunkt Methler. Nichts ging mehr für Reisende.© Michael Neumann
Links ein Spezialgerät, mit dem der Automat geöffnet wurde.© Michael Neumann

Einsatz beginnt gegen 14 Uhr

Der Polizei- und Feuerwehreinsatz hatte gegen 14 Uhr begonnen. Die Beamten sperrten den Bereich des Automaten auf dem Bahnsteig in Fahrtrichtung Hamm ab und forderten Spezialisten für die Entschärfung von Sprengstoff an, die das Gerät auf mögliche explosive Stoffe untersuchen sollten. Eine Gefahr für den Zugverkehr bestand nach erster Einschätzung nicht, sodass der Bahnverkehr zunächst weiterlief.

Sprengstoff-Experten der Bundespolizei vor Ort

Nach dem Eintreffen der Entschärfer wurde der Autoverkehr auf der in Bahnhofsnähe verlaufenden Straßenbrücke Wasserkurler Straße (L821) gegen 15.50 Uhr gestoppt. Etwas später, gegen 16.20 Uhr, war auch der Zugverkehr für die mögliche Entschärfung vorsorglich eingestellt. Bei der Untersuchung setzten die Spezialisten der Bundespolizei, die sonst am Düsseldorfer Flughafen tätig sind, auch einen Roboter ein. Nach Angaben unseres Reporters vor Ort wurden gegen 17.50 Uhr Sandsäcke und andere Schutzvorrichtungen aufgebaut. Der Einsatz zog sich in die Länge, weil Vorsicht geboten war. Den Moment der Explosion der zweiten Rohrbombe schilderte unser Reporter so: „Es hat kurz ,buff‘ gemacht, das war‘s schon.“ Zunächst wurde gegen 19 Uhr die Straßenbrücke wieder freigegeben. Gegen 19.25 Uhr durften auch die Züge auf der Bahnstrecke in Richtung Dortmund wieder rollen, während die Gegenrichtung noch gesperrt blieb.

Bahn-Mitarbeiter meldet verdächtige Spuren

Entdeckt wurde die verdächtige Beule an dem Automaten von einem Techniker. „Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn hat uns verdächtige Spuren an einem Fahrkartenautomaten gemeldet“, sagte Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei in Dortmund. Die Frontplatte des Automaten sei nach außen gebeult, was erfahrungsgemäß darauf hindeute, dass dort zum Beispiel Gas eingeleitet worden sei oder sich noch darin befinden könnte.

Feuerwehr und Polizei waren am Bahnhof Methler stundenlang im Einsatz.

Feuerwehr und Polizei waren am Bahnhof Methler stundenlang im Einsatz. © Michael Neumann

Störung am Automaten seit 28. September

Der Bahn-Mitarbeiter ging offenbar einer Störung auf den Grund, die schon am Montag, 28. September, registriert wurde. „Wir gehen davon aus, dass am Automat manipuliert worden ist“, sagte der Bundespolizeisprecher. „Und da seitdem nichts passiert ist, gehen wir davon aus, dass keine Gefahr besteht“, begründete er, warum der Zugverkehr nicht sofort eingestellt wurde.

Züge verspäten sich oder fallen aus

Die Streckensperrung löste massive Störungen im Nah- und Fernverkehr aus. Einige Fernzüge konnten den Dortmunder Hauptbahnhof nicht ansteuern. Mehrere Züge der Linien RE1, RE3 und RE6 verspäteten sich oder fielen aus. Für den Zug der Linie RE6, der um 15.53 Uhr am Bahnhof Kamen halten sollte, wurden beispielsweise 15 Minuten Verspätung angezeigt. Der Zug der Linie RE3 mit Abfahrt um 16.16 Uhr nach Hamm wurde gestrichen.

Geöffneter Fahrkartenautomat: Die Polizei entdecke eine Rohrbombe, die nicht detoniert war.

Geöffneter Fahrkartenautomat: Die Polizei entdecke eine Rohrbombe, die nicht detoniert war. © Michael Neumann

Anwohner berichtet von verdächtigem Geräusch

Die Polizei befragte mögliche Zeugen. So soll ein Anwohner des Haltepunkts am frühen Morgen es mutmaßlichen Tattags gegen 5 Uhr ein verdächtiges Geräusch auf der Aufzeichnung seiner Überwachungskamera festgestellt haben. Dies erhärtete den Verdacht, dass Unbekannte versucht haben, an das Geld aus dem Automaten zu kommen.

Jetzt lesen

Bahnsteig in Fahrtrichtung Hamm betroffen

Die Einsatzstelle liegt auf dem südlichen Bahnsteig, an dem Züge halten, die aus Richtung Dortmund kommen und in Richtung Kamen und Hamm weiterfahren. Neben der Bundespolizei Dortmund und der Kreispolizei Unna waren auch die Freiwillige Feuerwehr Kamen sowie der Rettungsdienst im Einsatz. Die Spurensicherung durch die Kriminalpolizei dauerte bis in den Abend. Ermittelt wird wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Mit Gewinnspiel
Daniel Niehues wollte eigentlich ein Buch über Blutegel schreiben – dann flog eine Hummel vorbei
Hellweger Anzeiger Corona-Update am Wochenende
Verschärfter Corona-Alarm an Schulen und Kitas: Etwa 100 Kinder und Jugendliche neu in Quarantäne
Hellweger Anzeiger Deutsche Bahn
Bahnstrecke Dortmund-Hamm bis Montag gesperrt: Alle Einzelheiten für Reisende auf einen Blick
Hellweger Anzeiger Weihnachten in Kamen
Geschenke für Kinder aus armen Familien: Wunschzettel jetzt bei Toys und Schreibwaren Schulte
Meistgelesen