Bahnstrecke Dortmund-Hamm: Rätselraten um Grund für die Sperrung

dzEinsatz in Kamen

Sorgte wirklich eine brennende Gartenlaube für die zeitweilige Sperrung der Bahnstrecke Dortmund-Hamm am Mittwochabend? Das erscheint zweifelhaft. Denn es gab keinen Feuerwehreinsatz.

Kamen/Kreis Unna

, 13.08.2020, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klar und bestätigt ist: Am Mittwochabend zwischen 18.30 Uhr und 19.10 Uhr herrschte Stillstand auf der Bahnstrecke zwischen Dortmund und Hamm, sie war gesperrt.

Doch die Ursache für die Sperrung herauszufinden, gestaltet sich alles andere als leicht. Die Antworten verschiedener Behörden sorgen in ihrer Widersprüchlichkeit vielmehr für Verwirrung.

Erste Vermutung: Betrunkene Randalierer im Bahnhof

Der Reihe nach: Als unsere Redaktion am Mittwochabend Kenntnis über den Hinweis eines Zugreisenden Kenntnis von der Sperrung erlangt, lautet die erste Information, dass im Bahnhof Kamen Betrunkene randalieren würden.

Doch das stimmt nicht, wie aus der gegenüber liegenden Polizeiwache zu hören ist. „Das wüssten wir, wenn es dort einen Einsatz gegeben hätte“, heißt es aus der Wache.

Bahn verweist an Polizei, Polizei verweist an Bundespolizei

Ein Anruf bei der Bahn führt zu fortgeschrittener Tageszeit nach Berlin, wo der Konzern eine sogenannte „24/7-Pressestelle“ für Journalisten vorhält, die rund um die Uhr erreichbar ist. Immerhin: Der Kollege in Berlin bestätigt die Streckensperrung zur genannten Zeit, verweist aber bezüglich der Ursache an die Polizei.

Ein erneuter Anruf bei der Kamener Polizei bringt immerhin die Gewissheit, dass es einen Polizei-Einsatz gab. Allerdings nicht im Bahnhof, sondern am Bahnübergang Südkamener Straße. Ein Vermerk im Einsatzprotokoll deutet darauf hin, dass ein Gegenstand auf den Gleisen gelegen haben könnte, doch für den Schienenverkehr sei die Bundespolizei zuständig – und diesbezügliche Presseanfragen seien bitte auch an diese zu richten.

Brennende Gartenlaube? Ja, aber nicht in Kamen

Einige Telefonate später ist der zuständige Kollege aus der Pressestelle in St. Augustin am Bereitschaftshandy. Und bringt kurz darauf bei der Direktion in Dortmund in Erfahrung, dass eine brennende Gartenlaube ursächlich für den Einsatz gewesen sein soll.

Als unsere Redaktion am Donnerstagmorgen bei der Kamener Feuerwehr Einzelheiten zu dem Einsatz erfragen will, wartet die nächste Überraschung – weil es trotz des vermeintlichen Brandes gar keinen Feuerwehr-Einsatz gegeben hat. „Wir hatten am Mittwoch nur einen Einsatz im Bereich der Ostenmauer“, sagt Feuerwehr-Sprecher Volker Rost.

Wahrscheinlich hat sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt

Ein weiterer Anruf bei der Bundespolizei bringt dann die Gewissheit: Es brannte zwar zur fraglichen Zeit – aber nicht in Kamen oder in der unmittelbaren Nähe, sondern im Dortmunder Westen. Auch einen Einsatz der Bundespolizei am Bahnübergang Südkamener Straße kann ein Sprecher der Direktion Dortmund nicht bestätigen. Die Bahn lässt eine weitere Anfrage am Donnerstag zunächst unbeantwortet.

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Am wahrscheinlichsten erscheint nun folgendes Szenario, das der diensthabende Beamte aus der Kamener Polizeiwache schon am Mittwochabend auf Basis eines dünnen Vermerks im Einsatzprotokoll entwarf: Jemand hat sich einen schlechten Scherz erlaubt und einen Gegenstand auf den Gleisen deponiert.

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