Bahnhof Kamen: Kürzere Wege durch Fußgängerbrücke

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Eine alte Idee lebt wieder auf: Der Bahnhof Kamen soll einen Südzugang bekommen. In Zusammenhang mit neuen Wohngebieten in Bahnhofsnähe wird eine Lösung geprüft, die nicht nur Reisende freuen dürfte.

Kamen

, 18.02.2020, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

300 Meter hin und 300 Meter zurück: So ungefähr läuft der Weg für Fußgänger, die aus Richtung Südwesten über die Borsigstraße zum Bahnhof Kamen gehen. Mancher Passant hat sich dort schon eine Abkürzung zu den Bahnsteigen gewünscht.

Da ist dieser lästige Umweg: Es geht zunächst die Gleise entlang nach Osten bis zur Bahn-Unterführung, dort hindurch auf die Nordseite und dann auf der anderen Seite wieder in westliche Richtung zurück zu den drei Bahnsteigzugängen des Bahnhofs Kamen. Alle drei Eingänge – zwei neben dem Empfangsgebäude, einer im Innern – liegen auf der Nordseite des Bahnhofs.

Zehn Jahre nach dem Durchstich

Der Kamener Süden fühlt sich schon lange vernachlässigt, was die Erreichbarkeit des Bahnhofs angeht. Zuletzt wurde vor über zehn Jahren ein eigener Südzugang zu den Bahnsteigen diskutiert. Die Idee war aber sowohl aus technischen als auch finanziellen Gründen nicht umsetzbar.

Für eine Million Euro konnte aber der damals nur 2,50 Meter breite Treppen-Fußgängertunnel östlich des Bahnhofs erweitert werden. Aus dem Nadelöhr wurde ein 4,30 Meter breiter Durchstich mit Zufahrtsrampen für Radler. Nun streben Stadtplaner den nächsten Komfortsprung an: den Bau einer Fußgängerbrücke westlich des Bahnhofs.

So sieht eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie in Holzwickede aus. Für Kamen ist eine Lösung ohne Aufzüge im Gespräch.

So sieht eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie in Holzwickede aus. Für Kamen ist eine Lösung ohne Aufzüge im Gespräch. © Udo Hennes

Drei Flächen für neue Wohnungen an der Bahnlinie

Landesinitiative

Bauland an der Schiene

  • Kamen beteiligt sich an der Landesinitiative „Bauland an der Schiene“. In der ersten Stufe wurden potenzielle Bauflächen im Umkreis von einem Kilometer um die Bahnhöfe Kamen und Methler ausfindig gemacht.
  • In der zweiten Stufe geht es jetzt an die Erstellung einer Rahmenplanung. Ziele sind unter anderem die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Reaktivierung von Brachflächen.

Fachbereichsleiter Matthias Breuer berichtete am Montagabend im Rathaus von Gesprächen mit der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft (BEG), in denen es um die Schaffung von Bauland entlang der Bahnlinie ging. Das Ergebnis: Für drei sogenannte Potenzialflächen, auf denen Wohnungen entstehen könnten, sollen Planungsbüros im Auftrag der Stadt jeweils einen städtebaulichen Rahmenplan entwickeln:

  • Knapp zwei Hektar groß ist der Bereich der ehemaligen Polizeikaserne auf der Südseite des Bahnhofs Kamen zwischen Dortmunder Allee und Borsigstraße. Dieser Bereich könnte zuerst entwickelt werden.
  • 9,7 Hektar bietet eine Freifläche nordwestlich des Bahnhofs Methler (zwischen Königstraße, Fritz-Haber-Straße, Kurze Straße und Bahnlinie)
  • 9,1 Hektar potenzielles Bauland liegt in Südkamen zwischen der geplanten Trasse der Südkamener Spange, der Südkamener Straße und der Dortmunder Allee

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Zwei der drei Flächen liegen in Kamen-Süd im Einzugsgebiet des Kamener Bahnhofs. Neues Bauland aber schafft aus Sicht der Stadt den Bedarf für zusätzliche Wegeverbindungen. Deshalb formulierten die Kamener Vertreter bei dem Bauland-Gipfel das Ziel, dass eine neue Gleisquerung westlich vom Bahnsteig geschaffen wird. Mit einer Brücke wäre der Bahnhof beidseitig erschlossen. Ein Standort für die Brücke wird zwar noch nicht genannt, aber eine Lage am Ende des Bahnsteigs würde einen Brückenschlag in Höhe des Raiffeisenmarkts voraussetzen. Auf Südkamener Seite befindet sich dort eine DB-Fläche.

Neue Gleisquerung wird begrüßt

Dass die Idee der Gleisquerung wiederauflebt, rief im Planungsausschuss ein positives Echo hervor. „Die Überlegungen sind zu begrüßen“, sagte Klaus Kasperidus (SPD). Karsten Diederich-Späh (CDU) erinnerte an jahrzehntealte Diskussionen, den Tunnel zwischen den Bahnsteigen des Bahnhofs nach Süden zu verlängern. Dies sei als technisch unmöglich bewertet worden.

Fachbereichsleiter Breuer bezeichnete die Verlängerung als „technisch sehr schwierig“. Wenn es aber nicht unter den Gleisen hindurch geht, dann bleibt nur eine Alternative: „Das wird ein Drüber werden“, sagte Breuer. Die Rahmenplanung werde zeigen, ob eine Fußgängerbrücke realisierbar sei.

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Die städtebaulichen Rahmenpläne für die drei Bauland-Potenzialflächen sollen schrittweise entstehen: zuerst für den Bereich Dortmunder Allee (3. Quartal 2020), dann für Methler (1. Quartal 2021) und Südkamen (2. Quartal 2021). Sobald die Rahmenpläne vorliegen, kann die Stadt darauf aufbauend weitere Planungen einleiten. Schnelle Ergebnisse sind dabei nicht zu erwarten. Wer aus dem Kamener Südwesten zum Bahnhof gehen will, muss also vorerst mit der bekannten Unterführung vorliebnehmen.

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