Die Nordring-Großbaustelle löst erste Anwohnerbeschwerden aus. Nach dem Umbau wird es an der B233-Ortsdurchfahrt weniger Parkplätze geben. Ein Nachbar hat nachgezählt und kritisiert die Pläne.

Kamen

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Martin Rieder, 55, steht vor einem großen Schild an der Nordring-Großbaustelle in Kamen-Mitte und schaut sich den darauf abgebildeten Plan an. Darauf ist zu erkennen, wie die Kamener B233-Ortsdurchfahrt künftig aussehen soll. Neu sind zum Beispiel Bäume, Radwege und die verschwenkte Fahrbahn für einen stadtverträglicheren Durchgangsverkehr. Die Bauarbeiten zur Kanalsanierung und anschließenden Neugestaltung haben Ende Mai begonnen, zunächst wird eine Behelfsfahrbahn angelegt.

Anwohner kritisiert: Parkplätze am Nordring fallen weg

Rieder wohnt in einem Mehrfamilienhaus an der Ecke Nordring/Nordstraße und erzählt, dass er die Neugestaltung der viel befahrenen Verkehrsachse grundsätzlich gut findet. Allerdings befürchtet er, dass Anlieger künftig schlechter einen Parkplatz in der Gegend finden. Denn auf dem Plan sind anscheinend weniger Parkplätze dargestellt als jetzt vorhanden.

Der VW-Fahrer hat nachgezählt und kommt auf 34 Autos, die derzeit auf dem Seitenstreifen des Nordrings parken können. Rieder hat alle Abstellmöglichkeiten berücksichtigt, die auf der Südseite zwischen den Einmündungen Kämerstraße und Nordstraße liegen. Außer in diesem Abschnitt gibt es keine weiteren Parkflächen mehr im Verlauf des Nordrings. Der 55-Jährige hat bei seiner Zählweise berücksichtigt, dass Autos derzeit platzsparend in Schrägaufstellung stehen können.

In Zukunft wird es auf der Südseite des Nordrings nur noch 18 Parkplätze auf dem Seitenstreifen geben, ohne Schrägaufstellung, wie aus dem Bauplan hervorgeht. „Das ist zu wenig“, meint Rieder. Die Anlieger seien auf die Parkplätze angewiesen, da es auf den Grundstücken der dortigen Mehrfamilienhäuser nicht genug gebe. „Auch ich parke meistens am Nordring“, sagt Rieder.

Bäume statt Parkplätze – das stört Anwohner am Nordring-Neubau in Kamen

Der östliche Bereich des 730 Meter langen Bauabschnitts auf den Nordring in Kamen: Die in Blau eingezeichneten Parkplätze auf der Südseite sind Anwohnern wie Martin Rieder zu wenig. © Borys Sarad

Bäume statt Parkplätze – den Anwohnern zuliebe

Eine Erklärung für den Wegfall der Parkplätze liegt im Planungsziel. Die städtischen Planer und ihre Kollegen beim Landesbetrieb Straßen NRW müssen die viel befahrene Hauptverkehrsachse für die Anwohner verträglicher machen, weil die Verkehrsbelastung erwiesenermaßen hoch ist. Deshalb haben sie unter anderem Bäume und Grünstreifen vorgesehen, denen Parkmöglichkeiten zum Opfer fallen. Bislang sieht der Nordring eher trist aus. Die Bäume dienen auch dazu, Häuser vom Verkehr zumindest optisch abzuschirmen. Elf Bäume sind auf der Südseite, wo Rieder wohnt, eingezeichnet, und neun Bäume auf der nördlichen Straßenseite. Wo Rieder häufig parkt, ist ein Grünstreifen vorgesehen.

Vize-Bürgermeister eingeschaltet

Was zum Wohl der Anwohner gedacht ist, findet bei ihnen keine uneingeschränkte Zustimmung. Der Parkplatz-Befürworter Rieder hat Vize-Bürgermeister Manfred Wiedemann (SPD) auf die Abweichung zwischen den heutigen Verhältnissen und dem Bauplan aufmerksam gemacht. Rieder regt an, dass Stadtverwaltung und Stadtrat die Parkplatz-Planung noch einmal überdenken.

Für Vize-Bürgermeister Wiedemann läuft die Anwohnerbeschwerde auf die Frage hinaus: „Was ist besser: Bäume oder Parkplätze?“ Da komme es wohl auf die Sichtweise an. Der SPD-Ratsherr hat Rieder versprochen, die Angelegenheit im Rathaus vorzutragen. Er könne aber nicht versprechen, dass die Planung noch nachträglich geändert werde.

B233 in Kamen

Nordring-Projekt

Die B233-Ortsdurchfahrt in Kamen (Nordring) bekommt auf einer Länge von 730 Metern erst eine neue Kanalisation, anschließend neue Geh- und Radwege, Fahrbahnen, Grünstreifen, Bushaltestellen und Fußgängerüberwege. Die Bauarbeiten erstrecken sich von der Kreuzung Stormstraße/Westring bis zur Kreuzung Bogenstraße/Nordring. Die Baustelle wurde am 27. Mai eingerichtet. Es wird mit eineinviertel Jahren Bauzeit und Kosten in Höhe von 7,1 Millionen Euro gerechnet. Mittwochs um 9.30 Uhr ist vor Ort Baustellen-Sprechstunde.

Nordring: Pläne schon 2012 vorgestellt

Wahrscheinlich ist der Zug für eine Änderung schon abgefahren. Denn vor sieben Jahren war der Entwurf der Nordring-Neugestaltung im Planungsausschuss des Stadtrats präsentiert worden. Das Protokoll der öffentlichen Sitzung belegt, dass Politiker die Pläne positiv beurteilten – auch vor dem Hintergrund des von der Stadt aufgelegten Lärmaktionsplans zur Abmilderung von Verkehrslärm an Hauptverkehrsstraßen. Auch die Parkplätze im Ostabschnitt waren ein Thema. Die parkenden Fahrzeuge würden gezählt und Parkplätze „nach dem Umbau in entsprechender Anzahl zur Verfügung gestellt“, hieß es in der Sitzung im Oktober 2012. Auf dem damals vorgestellten Entwurf waren 20 Parkplätze eingezeichnet, das sind zwei mehr als in der aktuellen Fassung.

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Unklar, ob Anwohner-Interessen abgefragt wurden

Unklar ist, ob die Stadtverwaltung und der Landesbetrieb Straßen NRW in der Planungsphase Anwohner-Interessen abfragten. Wenn nicht, wäre das wohl als politisches Versäumnis zu werten. Vize-Bürgermeister Manfred Wiedemann kann sich nicht an eine Bürgerversammlung erinnern, in der sich Bürger äußern konnten – ähnlich wie zum Beispiel bei der Neugestaltung der Märkischen Straße in Heeren-Werve, wo der Wegfall von Parkplätzen ein heiß diskutiertes Thema war.

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