Der Neubau eines neuen Ganzjahresbads in Kamen als Ersatz für vorhandene Bäder wird immer wahrscheinlicher. Die Alternative, die Sanierung des Bestands, wäre laut neuen Zahlen teurer.

Kamen

, 27.02.2019, 17:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) und Gemeinschaftsstadtwerke-Chef Jochen Baudrexl präsentierten am Mittwoch eine neue Kostenschätzung über den Sanierungsbedarf in drei Kamener Schwimmbädern. Die Sanierung des Hallenbads Kamen-Mitte, des Freibads Kamen-Mitte und der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve würde zusammen rund 24,3 Millionen Euro netto kosten - und damit 2,8 Millionen Euro mehr als der Neubau einens Ganzjahresbads.

Empfehlung für die Neubau-Lösung

Sowohl Kappen als auch Baudrexl empfehlen damit den Neubau, dessen Pläne einschließlich Kostenschätzung von mindestens 21,5 Millionen Euro bereits seit November 2018 vorliegen. Sie stützen sich auf ein nun in aktualisierter Form vorliegendes Gutachten der Beratungsfirma Constrata, deren Mitarbeiterin Daniela Kersting den Sanierungsbedarf und die Kosten detailliert erläuterte. „Wir liegen bei den Kosten für die Sanierung zehn bis zwölf Prozent höher gegenüber der Neubau-Planung, aber der Nutzen ist nicht größer“, sagte die Architektin. Bereits zu Beginn der fast zweistündigen Präsentation bei einem Pressetermin sagte die Bürgermeisterin: „Die Entscheidung liegt beim Rat.“ Zu Finanzierungsmöglichkeiten beider Varianten und Auswirkungen auf den städtischen Haushalt gab es noch keine konkrete Aussagen.

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So sehen die Pläne für das Kamener Kombibad aus

Das Architekturbüro Geising & Böker hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für ein ganzjähriges nutzbares "Kombibad" in Kamen vorgelegt.
07.11.2018
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Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Vorgesehener Standort für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen ist das Gelände des heutigen Freibads Kamen.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Technische Daten des Neubaus: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW
Gegenüber einem früheren Grobentwurf des Gutachterbüros GMF ist Grundfläche der aktuellen Planung größer geworden. © Geising & Böker/GSW
Der Vergleich der bisherigen Grobplanung und des jetzt vorgelegten Entwurfs. Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker
Aktuelle Kostenschätzungen: Das Architekturbüro Geising & Böker aus Vechta hat im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen einen Entwurf für den Neubau eines ganzjährig nutzbaren "Kombibads" in Kamen vorgelegt.© Geising & Böker/GSW

Sanierung gegen Neubau

Was kostet welche Lösung?

  • Freibad Kamen-Mitte. Auf 9,1 Millionen Euro netto oder 10,8 Millionen Euro brutto wird der Sanierungsbedarf für das Freibad, Baujahr 1980/81, in einem Gutachten der Beratungsfirma Constrata im Auftrag der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) beziffert. Das Bad verfügt über ein 50-Meter-Sportbecken (1050 Quadratmeter), ein Mehrzweckbecken mit Rutsche und Sprunganlage (1150 Quadratmeter) und ein Kinderplanschbecken (270 Quadratmeter) - plus Technikgebäude (2000 Quadratmeter), 20.000 Quadratmeter Grundstück und 10.000 Quadratmeter Liegewiese).
  • Hallenbad Kamen-Mitte. Auf 11,3 Millionen Euro netto oder 13,4 Millionen Euro brutto wird die Sanierung des Hallenbads, Baujahr 1975, geschätzt. Das Bad verfügt über ein Sportbecken (33 Meter Länge, sechs Bahnen, 555 Quadratmeter), ein Nichtschwimmerbecken (12,5 Meter Länge, 208 Quadratmeter) sowie eine Bruttogrundrissfläche von 4150 Quadratmetern.
  • Kleinschwimmhalle Heeren-Werve: 3,9 Millionen Euro netto oder 4,6 Millionen Euro brutto würde eine Sanierung des Lehrschwimmbeckens an der Astrid-Lindgren-Schule kosten. Die Schwimmhalle, Baujahr 1967, verfügt über 975 Quadratmeter Bruttogrundrissfläche.
  • Kombibad-Neubau: Der Neubau eines Ganzjahresbads auf dem Gelände des heutigen Freibads Kamen-Mitte kostet laut einer im November 2018 vorgelegten Kostenschätzung des Architekturbüros Geising & Böker 21,5 Millionen Euro netto oder 25,6 Millionen Euro brutto. Rechnet man noch einen Sicherheitsaufschlag von zehn Prozent, zum Beispiel für Baukostensteigerungen bis zum Baustart, hinzu, ergibt sich ein Nettopreis von 23,6 Millionen Euro bzw. ein Bruttopreis von 28,1 Millionen Euro. Einen solchen Puffer von zehn Prozent empfiehlt das Gutachterbüro Constrata auch im Fall einer Sanierung der Bäder.

Gutachterin über Mehrkosten für Sanierung „erstaunt“

Die Zahlen sprechen für das Kombibad, in dem sich der Bedarf von Wassersportlern, Schulsport und öffentlicher Badnutzung abdecken lässt. „Nach meinem ersten Eindruck war ich selbst erstaunt, wie hoch die Kosten für die Sanierung sind. Dehalb habe ich kreuz und quer gerechnet und verglichen“, sagte die Gutachterin. Im Kombibad mit 4575 Quadratmetern Gebäudefläche lasse sich der der gleiche Nutzen unterbringen wie in den vorhandenen Bädern (ohne Hallenbad Methler, das im Eigentum des Fußball- und Leichtathletikverbands steht und deshalb aus Sanierungsplänen herausfällt). Die Erklärung für die Mehrkosten der Sanierung: 44 Prozent mehr Gebäudefläche als beim Kombibad, 55 Prozent mehr Wasserfläche im Freibad und 75 Prozent mehr Wasserfläche in Gebäuden müssten abgedeckt werden. „Das kostet erstmal mehr, auch wenn ich Ersparnisse bei der Sanierung habe, weil ich den Rohbau mitnutzen kann“, so Kersting.

Kostensteigerung um 35 Prozent in fünf Jahren

Die Expertin rechnete durch, welcher Aufwand nötig ist, um die Bäder für die nächsten 30 bis 40 Jahre fit zu machen. Es gehe nicht nur um eine „frische Lackierung“ wie bei einem alten Auto, sagte GSW-Chef Baudrexl. Gutachten-Verfasserin Kersting griff auf ein bereits 2014 erstelltes Altgutachten zurück und aktualisierte es - nicht ohne vorher alle Bäder zu besichtigen. Im Fall des Freibads Kamen-Mitte, das als Standort für das Kombibad vorgesehen ist, konnte sie zusätzlich auf weitreichende Erkenntnisse aus der vorliegenden Neubau-Planung zurückgreifen. Das Ergebnis: Die Sanierungskosten fallen insgesamt 35 Prozent höher aus als 2014 geschätzt. Das liegt nicht nur an Baupreissteigerungen, sondern auch an damals noch nicht festgestellten Mängeln, beispielsweise Schäden an Freibecken und Fliesen im Freibad. In den nun ermittelten Sanierungskosten sind keinerlei Anbauten an die vorhandenen Gebäude eingepreist, lediglich funktionale Optimierungen, zum Beispiel der Bau barrierefreier Zugänge oder raumakustische Verbesserungen.

Sanierung der Kamener Bäder wäre rund 2,8 Millionen Euro teurer als Kombibad-Neubau

Präsentierten das Gutachten zu den Sanierungskosten Kamener Bäder: Elke Kappen (Bürgermeisterin), Jochen Baudrexl (GSW-Geschäftsführer) und Daniela Kersting (Constrata). © Stefan Milk

Planung und Sanierung würden 35 Monate dauern

Sollte sich der Stadtrat trotz Mehrkosten gegenüber dem Neubau für eine Sanierung entscheiden, würde diese Lösung nach Aussage der Gutachterin mehr Zeit kosten als der Kombibad-Neubau, weil die Sanierungsplanung erst erstellt werden müsste. Die Expertin geht von einen Zeitraum von etwa 35 Monaten für Planung und Sanierung aus, abhängig von Projektgröße und Konzeption. In diesem Zeitraum fällt das Schwimmen zwangsläufig aus. Von einem Kombibad-Neubau hingegen ist bekannt, dass ein Baustart mit dem Abriss der Freibad-Gebäude schon 2019 greifbar wäre; der Betrieb der vorhandenen Hallenbäder bliebe unberührt. Gegen die Sanierungslösung führt die Gutachterin auch höhere Risiken an. Zwar drohen einem Neubau genauso Kostensteigerungen, ein Kostenpuffer von mindestens zehn Prozent ist ratsam, doch im Bestand drohen noch weitere Überraschungen, zum Beispiel wenn Anlagen zwar noch akzeptabel aussehen, sich bei näherem Hinsehen aber doch ein Abgrund auftut.

Finanzierung bleibt ein schwieriges Thema

Die Entscheidung, ob es zum Neubau oder zur Sanierung kommt, liegt nun beim Stadtrat. Dazu fehlt aber noch eine Finanzierungsvorschlag. Bürgermeisterin Elke Kappen konnte nicht sagen, wann sie diesen dem Stadtrat vorlegen kann. GSW-Chef Baudrexl machte deutlich, dass die Finanzierung „schwierig“ sei. Sowohl die die Kamener Neubau-Pläne als auch ein separates Bergkamener Neubau-Projekt müssen unter einen Hut gebracht werden. Dazu sind die verschiedenen Interessen der drei GSW-Eignerkommunen und die Auswirkungen auf das kommunale Unternehmen zu berücksichtigen. „Wenn die GSW zwei Bäder baut, dann reden wir über ein Volumen von 40 bis 50 Millionen Euro“, sagte Baudrexl.

Sanierung der Kamener Bäder wäre rund 2,8 Millionen Euro teurer als Kombibad-Neubau

Daniela Kersting über den Zustand des Hallenbads Kamen: „Oben sieht es gut aus, aber im Keller gibt es massivste Schäden.“ © Stefan Milk

Bürgermeisterin spricht sich für Kombibad aus

Bürgermeisterin Kappen ging nach eigenen Worten davon aus, dass „die Sanierung deutlich günstiger wird“ als die Kombibad-Lösung. Ihre Antwort auf die Frage, ob sie nun das Kombibad empfehlen würde, lässt sich als ein verklausuliertes Ja interpretieren: „Wenn die Kosten für die Stadt deutlich niedriger gewesen wären, wäre die Entscheidung für die Sanierung anders gewesen.“ Kappen kündigte an, auf die Bürgerinitiative zuzugehen, die sich für die Erhaltung der Kleinschwimmhalle Heeren-Werve einsetzt, und mit ihr über die beiden Optionen zu sprechen. „Wir würden gern mit den Heerenern ins Gespräch kommen: Lassen Sie uns das genau angucken.“

Die Initiative wird in diesen Tagen Post bekommen: Der GSW-Chef hat das komplette Sanierungsgutachten eingetütet, damit sich die Initiative ein eigenes Bild von den knapp 40 Seiten machen kann. Angefragte weitere Unterlagen bekommt sie aber nicht, weil sie nicht relevant seien.

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