Während für einen Schwimmbad-Neubau noch nicht einmal ein Baustart in Sicht ist, wird an anderer Stelle in Kamen intensiv gebaut. Wo das Ende von Großbaustellen in Sicht ist und was sonst noch 2020 wichtig wird, zeigt unsere Jahresvorschau.

Kamen

, 12.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kamener Politiker können zu Jahresanfang auf Gespräche bei Sekt, Orangensaft und Schnittchen verzichten. Denn die vielerorts üblichen politischen Neujahrsempfänge finden in der Sesekestadt schon seit Jahren nicht mehr statt. Bei solchen Pflichtterminen liefern Partei- oder Fraktionschefs eine Jahresbilanz ab und wagen einen Ausblick auf das politische Jahr. Falls es doch noch einen Anlass geben sollte, eine Neujahrsrede zu halten, dürften folgende vier Kamener Themen darin nicht fehlen.

Stillstand bei der Bäder-Planung

Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hat es bislang nicht geschafft, dem Stadtrat einen Finanzierung für den geplanten Neubau eines Ganzjahresbads in Kamen-Mitte vorzulegen. Das Kommunalparlament hat zwar einen Grundsatzbeschluss für den Neubau gefasst, diesen aber unter den Finanzierungsvorbehalt gestellt. Damit ist ein möglicher Baustart im Jahr 2021 unwahrscheinlicher geworden. Die Bürgermeisterin will Fördermöglichkeiten für das auf fast 30 Millionen Euro geschätzte Projekt prüfen – ebenso für den möglichen Erhalt der (seit den Herbstferien reparaturbedingt geschlossenen) Kleinschwimmhalle Heeren-Werve. Derweil plant Bergkamen ein Projekt ähnlicher Größenordnung – und Kamener Politiker umschiffen bislang die Frage, ob sich beide Städte so ein Projekt überhaupt leisten können. Falls Bürgermeisterin und Stadtrat es nicht bis zur politischen Sommerpause schaffen, die Neubaupläne voranzubringen, könnte es nach der Kommunalwahl spannend werden. Kritiker des Kombibads überlegen bereits, ob sich die Machtverhältnisse im Stadtrat durch die Wahl am 13. September so verschieben könnten, dass noch einmal neu gedacht werden muss.

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Neue Straßen, neue Plätze: Das Ende der Großbaustellen

Eine Stadt ohne Straßenbaustellen? Das ist zu schön, um wahr zu sein. Autofahrer, Radler und Fußgänger wünschen sich einen reibungslosen Verkehr, sehen aber auch die vielen Schlaglöcher und Mängel und den Investitionsbedarf. 2020 ist der Abschluss von drei bekannten Großprojekten geplant:

  • In Kamen-Mitte bekommt der Nordring seit Mai 2019 erst einen neuen Kanal, dann neue Fahrbahnen, Gehwege, Bushaltestellen, Fußgängerüberwege und Grünflächen. Die B233-Ortsdurchfahrt wird für rund 7,2 Millionen Euro auf einer Länge von 730 Metern angepasst. Um Ostern herum soll die Teilsperrung der Kreuzung Nordring/Westring/Stormstraße aufgehoben werden. Der Abschluss des Projekts ist für August 2020 geplant.
  • In Methler wird mit einer rund zweijährigen Unterbrechung seit 2016 am Kanal rund um die Margaretenkirche gebaut. Der Stadtentwässerungsbetrieb will das ursprünglich auf 1,3 Millionen Euro bezifferte Projekt nach neuen Informationen bis 31. März abschließen. Auf dem neu gestalteten Lutherplatz konnte bereits der Weihnachtsmarkt stattfinden.
  • In Heeren-Werve soll bis Mitte August 2020 der Umbau des Ortskerns abgeschlossen sein. Die Neugestaltung der Märkischen Straße zwischen Mittelstraße und Westfälischer Straße wird auf 1,7 Millionen Euro beziffert.

Geldtöpfe für Bürgerprojekte

Wer seine Nachbarschaft verschönern will oder Geld für ein Vereinsprojekt braucht, kann dafür neuerdings öffentliche Zuschüsse von der Stadt bekommen („Bürgerhaushalt“). Dazu gibt es erstmals sogenannte Stadtteilbudgets mit einem Volumen von einem Euro pro Einwohner. Bürger können Geld aus den Töpfen beantragen. Wünsche können bei Bürgerversammlungen vorgetragen werden, am 20. Januar im Johannes-Buxtorf-Haus in Südkamen, am 21. Januar im Rathaus in Kamen-Mitte, am 28. Januar im Lutherzentrum in Heeren-Werve und am 29. Januar im Bürgerhaus Methler. Näheres zum Antragsverfahren hat die Stadtverwaltung noch nicht bekannt.

Kommunalwahl mit Spannung

Der Stadtrat mit 40 Sitzen wird am 13. September 2020 für die nächsten fünf Jahre gewählt. Zudem sind die Kamener zur Wahl des Kreistags und des Landrats aufgerufen. Die turnusgemäße Bürgermeisterwahl wurde 2018 wegen des vorzeitigen Abschieds von Hermann Hupe (SPD) vorgezogen. Die Ratswahl wird unter den Vorzeichen einer mutmaßlich zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung spannend. Nur einige Fragen dazu: Gelingt es den Parteien, trotz grassierender Politikverdrossenheit attraktiv für die Wähler zu sein und glaubwürdige Kandidaten aufzustellen? Kann die SPD einen tiefen Fall in ihrer langjährigen Hochburg verhindern oder dämpfen? Wird es einen Höhenflug der Grünen geben? Wie viele Sitze holt die AfD, die erstmals antreten will? Können die Freien Wähler durch Ex-Bürgermeisterkandidatin Tanja Brückel als neuer Frontfrau punkten? Wie schlagen sich die CDU und FDP, die auf Landesebene gemeinsam regieren?

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