Die Villa Lach und Krach in Heeren-Werve war die erste Bewegungskita im Kreis. Ihr sollen weitere Kitas der Arbeiterwohlfahrt folgen. Eine neue Kooperation verspricht noch viel mehr.

Kamen, Kreis Unna

, 09.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Die Kinder sind total fit, was technische Geräte angeht, können aber stellenweise nicht einmal rückwärts laufen“, sagt Martina Hacheney. Die Leiterin der Awo-Kita „Villa Lach und Krach“ in Heeren-Werve weiß, dass es immer wichtiger wird, Kinder in ihrer Bewegung und Motorik zu schulen und zu fördern.

Als sie noch ein Kind gewesen sei, sei man nach der Schule oder dem Kindergarten selbstverständlich draußen spielen gegangen. Heute drohe hingegen vor allem zu Hause „Bewegungsarmut“. Grund dafür seien Geräte wie Laptops, Tablets oder Fernseher, mit denen viele Kinder sich heutzutage lieber beschäftigen als draußen ein Baumhaus zu bauen.

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Gesund ist das freilich nicht. Krankheiten wie Übergewicht können daraus resultieren, vor allem, wenn eine ungesunde Ernährung die Kinder zusätzlich „belastet“.

Hacheney und ihre Mitarbeiter tun deshalb ihr Möglichstes, um die Kinder in Bewegung zu bringen – sei es in den drei Außenbereichen, in der stets zugänglichen eigenen Turnhalle, in der städtischen Turnhalle gegenüber oder bei einem Spaziergang durch den Heerener Wald. In den einzelnen Funktionsräumen stehen nur so viele Stühle und Tische wie nötig, damit die Kinder sich mehr bewegen und auch die Treppen zwischen den drei Ebenen stehen logischerweise auf dem täglichen Bewegungsprogramm.

Villa Lach und Krach in Kamen war erste Bewegungskita im Kreis Unna

Dass in der Villa Bewegung und Gesundheit eine so hohe Priorität haben, ist kein Zufall, denn sie ist eine sogenannte Bewegungskita. Und zwar nicht irgendeine. Die Villa Lach und Krach war die allererste Bewegungskita im Kreis Unna.

„Ende 2001 haben wir damit angefangen, Bewegung zu fördern“, erinnert sich Hacheney. Die Erzieher hätten ihre Adventswochenenden geopfert, um an Bewegungsfortbildungen teilzunehmen.

Die Awo RLE und der KSB Unna kooperieren. Gemeinsam will man in den kommenden fünf Jahren mindestens drei weitere Einrichtungen zu Bewegungskitas machen. Die erste Kita dieser Art ist die Villa Lach und Krach in Heeren-Werve.

Die Awo RLE und der KSB Unna kooperieren. Gemeinsam will man in den kommenden fünf Jahren mindestens drei weitere Einrichtungen zu Bewegungskitas machen. Die erste Kita dieser Art ist die Villa Lach und Krach in Heeren-Werve. © Claudia Pott

Im Februar 2002 folgte dann die Zertifizierung zum ersten Bewegungskindergarten im Kreis durch den KreisSportBund Unna (KSB). Von da an bildeten sich die Erzieher stets weiter, nahmen an Arbeitskreisen teil, absolvieren jährlich Fortbildungen. „Wir wollen uns den Status erhalten, auf den wir stolz sind“, sagt Hacheney.

Mittlerweile gibt es sechs Awo-Bewegungskitas im Beritt der Awo Ruhr-Lippe-Ems (RLE), zu der neben dem Kreis Unna auch der Kreis Warendorf und Hamm gehören. Unterstützt wurde die Awo von dem KSB Unna, der nicht nur Fortbildungen anbietet, sondern sich auch die Zertifizierung der Kitas kümmert und regelmäßig Kontrollen vornimmt.

Awo RLE und KSB Unna unterschreiben Kooperationsvereinbarung

Diese Zusammenarbeit soll nun ausgeweitet werden – zu einer Kooperation, die unter anderem das Ziel hat, innerhalb der nächsten fünf Jahren mindestens drei weitere Kitas zu Bewegungskitas hochzustufen. Vertreter des KSB und der Awo RLE kamen am Mittwoch zusammen, um das zu unterschreiben, was schon länger gereift ist.

Der KSB arbeite mittlerweile seit 18 Jahren sporadisch mit der Awo zusammen und kann jetzt, wo die Awo sich im Bereich Bewegung erweitern möchte, seine Kompetenzen einbringen, sagte der Vorsitzender des KSB, Klaus Stindt bei dem Treffen. Und nicht nur die Kinder sollen durch die Zusammenarbeit bewegt werden, sondern auch Senioren, für die es besondere Kurse und etwa Rollator-Training geben soll.

Rainer Goepfert und Hartmut Ganzke von der Awo RLE und Matthias Hartmann sowie Klaus Stindt vom KSB Unna (v.l.) unterschrieben am Mittwoch die Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Einrichtungen. Gemeinsam will man sich ergänzen und Kompetenzen wie Pflege und Bildung mit Gesundheit und Bewegung in Form verschiedener Angebote verknüpfen.

Rainer Goepfert und Hartmut Ganzke von der Awo RLE und Matthias Hartmann sowie Klaus Stindt vom KSB Unna (v.l.) unterschrieben am Mittwoch die Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Einrichtungen. Gemeinsam will man sich ergänzen und Kompetenzen wie Pflege und Bildung mit Gesundheit und Bewegung in Form verschiedener Angebote verknüpfen. © Claudia Pott

Neben den jungen und alten Besuchern der Einrichtungen kommt die Zusammenarbeit auch den Mitarbeitern – also Erziehern und Pflegekräften – zugute. Vor allem letztere plagen nicht selten Rückenschmerzen, wie Matthias Hartmann, Geschäftsführer des KSB weiß. Auch wenn viele es theoretisch wüssten, sei es wichtig, gewisse Übungen und Erklärungen zu wiederholen, damit die Gesundheit nicht unter der Arbeit leidet.

Sportliche Mittagspausen für mehr Motivation bei Pflegekräften und Erziehern

Und nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch ihre Motivation hat die Awo im Blick. Sie soll durch Sport- und Gesundheitsangebote gesteigert werden. „Wir wollen ein guter Arbeitgeber mit motivierten Mitarbeitern sein“, sagt Rainer Goepfert, Geschäftsführer der Awo RLE. Angedacht sind zum Beispiel bewegte Mittagspausen und Sportangebote nach Feierabend.

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Was motivierte Mitarbeiter sind, lässt sich denn auch gut am Beispiel Hacheney und ihren Kollegen in der Villa Lach und Krach zeigen. Denn das Engagement und die Arbeit der Mitarbeiter ist schließlich das, was solche Projekte erst realisierbar macht, wie Hartmut Ganzke, Vorsitzender der Awo RLE, betont.

Die Erzieher setzen das um, was man sich auf oberen Ebenen überlegt. Wie erfolgreich das im Falle der Heerener Kita gelingt, können am besten die Kinder beweisen und das taten sie am Mittwoch auch. Sie führten einen Piratentanz auf, bei dem sie mehrmals tief in die Knie gingen und sich dann hoch in die Luft streckten. Doch statt zu schwitzen, grinsten die Kinder fröhlich in die Runde. Der Spaß kommt in einer Bewegungskita also offenkundig auch nicht zu kurz.

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