Die neue Initiative für Kamens Radverkehr heißt „Kamenal pedal“. Die ADFC-Ortsgruppe will die Bedingungen so verbessern, dass die Innenstadt durch weniger Autoverkehr lebenswerter wird.

Kamen

, 04.10.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bahnhofstraße zwischen Rathaus und Maibrücke für Autofahrer, die nur durchfahren wollen, sperren. Aus der Ängelholmer Straße zwischen Ostring und Jahnstadion eine Fahrradstraße machen. Den Sesekeweg, der die Ostenallee kreuzt, auffälliger markieren, um Autofahrer auf querende Radfahrer aufmerksam zu machen. Und Fahrräder in der Fußgängerzone stellenweise zulassen.

Die ADFC-Ortsgruppe Kamen hat eine umfangreiche Liste an Verbesserungsvorschlägen vorgelegt, um das Radfahren in der Stadt attraktiver zu machen.

Unter der Überschrift „Kamenal pedal - mehr nahmobil leben“ hat sie jetzt eine Bürgeranregung an die Stadt Kamen gesandt. „Immer weniger Menschen akzeptieren, dass über Jahrzehnte hinweg der motorisierte Verkehr die Stadt- und Verkehrsplanung dominiert hat“, so die Initiatoren Dieter Brinkmann, Dirk Eppmann und Heinrich Kissing, der Vorsitzender der Ortsgruppe ist.

Autos raus, Räder rein: Umdenken mit der neuen Initiative „Kamenal pedal“

Ein Sinnbild dafür, wie gedankenlos mit der Infrastruktur für Radfahrer umgegangen wird. Ein Altkleider-Container der UKBS, der vor dem DRK-Kindergarten „Monopoli“ die Fahrradabstellanlage blockiert. © Janecke

Politik greift Bürgeranregung des ADFC auf

Eine Bürgeranregung, die im jüngsten Planungs- und Straßenverkehrsausschuss wohlwollend von der Lokalpolitik aufgenommen wurde, ohne bereits über Einzelmaßnahmen zu befinden. Die Lokalpolitiker signalisieren dort, für die ADFC-Ziele Finanzmittel bereitzustellen und prüfen zu lassen, ob zusätzliche personelle Kapazitäten in der Stadtverwaltung organisiert werden können. Die ADFC-Ortsgruppe fordert zusätzliche 200.000 Euro für Infrastrukturmaßnahmen, die kleinteilige Verbesserungen unabhängig von Fördertöpfen des Landes oder Bundes ermöglichen. Zudem will sie weitere 500.000 Euro, um vor Ort die Nahmobilität im Kampf gegen den Klimawandel zu fördern.

Autos raus, Räder rein: Umdenken mit der neuen Initiative „Kamenal pedal“

Farbe bekennen für den Radverkehr. Die Markierungen der Radwege sind im Bereich der Ängelhomer Brücke jetzt erneuert worden. Der ADFC fordert für diesen Bereich zusätzliche Hinweise auf den Sesekeweg, der dort kreuzt. © Borys Sarad

Rütteln an kostenlosen Innenstadt-Parkplätzen

In ihrem Positionspapier formulierte Kamens Radfahrverein neben zahlreichen Einzelvorschlägen auch grundsätzliche Aussagen zur Zukunft der Mobilität:

  • Die Prominenz des Autos im Stadtbild, so heißt es, „entspricht immer weniger dem Verständnis von nahmobiler Lebensqualität“. Die Aufrechterhaltung der maximalen kostenlosen Parkplätze in der Kamener Innenstadt dürfe daher nicht mehr die Leitlinie der Stadtplanung sein - Maßstab werden müsse die nahmobile attraktive Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt.
  • Das Durcheinander der Verkehrsregelungen (Fahrrad frei und nicht frei) in der zentralen Innenstadt, so der ADFC, bringe keine Ordnung in den Verkehr. Im Hinblick darauf sollte eine Öffnung für Fahrräder in den Bereichen der Fußgängerzone angestrebt werden. Fahrräder frei - gegebenenfalls Schrittgeschwindigkeit, aber auch bitte absteigen beim Wochenmarkt. „Ziel ist es“, so der ADFC, „die rücksichtsvolle Nutzung des gemeinsamen Verkehrsraumes für den Fuß- und Fahrradverkehr“.
  • Mit der steigenden Zahl von E-Fahrrädern und demnächst E-Scootern, so der ADFC, müsse aufgrund der dadurch bedingten höheren Fahrgeschwindigkeiten der Rad- und Autoverkehr neu organisiert werden. „Die Neuaufteilung der Verkehrsräume darf kein Tabu sein.“

Autos raus, Räder rein: Umdenken mit der neuen Initiative „Kamenal pedal“

Wohin mit dem Fahrrad? Wer über die Bachmann-Kreuzung geradeaus fahren will, muss sich als Radfahrer rechts einordnen und dann auf den Bürgersteig fahren, wo er einen holprigen Radweg erreicht. © Borys Sarad

Ängelholmer Straße als Kamens fünfte Fahrradstraße

Der Beschluss im Planungs- und Straßenverkehrsausschuss ist bei der ADFC-Ortsgruppe gut aufgenommen worden. „Ja, wir sind zufrieden mit der Beschlussfassung“, so Vorsitzender Heinrich Kissing. Dass jetzt mehr Geld für den Fuß- und Radverkehr investiert werden soll, sei zunächst ein wichtiges Signal, auch wenn über die Einzelvorschläge noch nicht beraten wurde. Einer der neueren Überlegungen des ADFC sei, aus der Ängelholmer Straße Kamens fünfte Fahrradstraße zu machen. Zwischen dem Städtischen Gymnasium und dem Jahnstadion gebe es starke Schülerverkehre.

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Kamenal pedal: Ein kraftvolle Anstrengung

Der Begriff „Kamenal pedal“, unter dem die neue Initiative agiert, setzt sich zusammen aus dem Stadtnamen Kamen und dem „al“ aus kommunal. „Darunter verstehen wir die kraftvolle Anstrengung (...), eine lebenswerte Stadtstruktur zu entwickeln, in der die Straßen wieder als Bewegungs-, Lebens- und Erlebnisräume betrachtet werden und nicht als rein technisch-funktionale Verkehrsflächen“, so Kissing, Eppmann und Brinkmann in dem Anschreiben, das an Bürgermeisterin Elke Kappen adressiert ist.

Radler haben kleine und größere Probleme im Blick

Wer mit dem Rad in Kamen unterwegs ist, muss sich in vielen Bereichen gegen Lastwagen und Autos behaupten und immer wieder Fahrzeugen ausweichen, die auf Radwegen parken - wie an der Westenmauer. Auch die Mitglieder des ADFC notieren regelmäßig ihre Beobachtungen, wenn es irgendwo Probleme gibt. Kleinere, wie auf dem Mühlentorweg Richtung Bahnhofstraße, wo ein Schilderpfosten das Sichtfeld einschränkt. Oder größere, wie mit dem RS1, dem Radschnellweg, von dem nach Jahren der Planung erst wenige Kilometer gebaut wurden. „Ein Bürokratiemonster“, sagt dazu Heinrich Kissing, der mit Blick auf die E-Mobilität befürchtet, dass manche Planung umsonst war: „Ich habe die Sorge, dass uns die technische Entwicklung überholt.“

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