Vergiftet unterm schiefen Turm? Finnischer Krimiautor inszeniert einen Mord in Kamen

dzAntti Tuomainen

Antti Tuomainen ist zu Besuch in Kamen. Bis auf eine Stadtführung steht für ihn wenig auf dem Programm. Tatsächlich ist der Autor aus Finnland auf der Suche nach etwas anderem.

Kamen

, 11.12.2019, 16:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Jaako ist 37, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er keine Grippe hat, sondern sterben wird, und zwar sehr bald: Jemand hat ihn über längere Zeit hinweg vergiftet.“ So beginnt die Zusammenfassung des Buches „Die letzten Meter bis zum Friedhof“. In dem Krimi von Antti Tuomainen geht es um einen Geschäftsmann, der nicht nur vergiftet wurde, sondern auch betrogen wird und eine Firma für die Zeit nach seinem Tod vorzubereiten hat. Es ist ein Buch, das lustig und zugleich tragisch ist, lebensklug und nachdenklich – so beschreibt es zumindest der Verlag.

Der finnische Autor wird nun auch in Kamen einen Mord inszenieren. Ob dabei auch Gift im Spiel sein wird oder es doch brutaler zugeht, wird sich noch zeigen. Sicher ist jedenfalls: Einen Mord wird es geben. Mindestens. Denn das ist die Vorgabe für den nächsten Krimi-Sammelband „Mord am Hellweg“. Tuomainen wird eine Kurzgeschichte dafür schreiben. Der in Helsinki lebende Autor steuert eine Geschichte bei, die in Kamen spielt.

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Um den Ort des Geschehens besser kennenzulernen, besucht der Autor die Sesekestadt. „Er weiß alles“, sagt er nach der Stadtführung mit Gästeführer Klaus Holzer. Die Straßennamen oder Details zu den Sehenswürdigkeiten hat der Finne sich aber nicht gemerkt. Auch mitgeschrieben hat er nicht. Der Grund dafür ist weder Faulheit noch mangelndes Interesse: Denn für Tuomainen ist vor allem der Eindruck und die Stimmung an einem Ort entscheidend. Nützlich sei für seine Geschichte auch das, was man nicht sieht.

Antti Tuomainen probiert in Kurzgeschichten gerne aus

Mindestens ein Mord sollte für den Finnen kein Problem sein. Tuomainen ist ein erfahrener Krimiautor und wurde unter anderem mit dem finnischen Krimipreis ausgezeichnet. Kurzgeschichten schreibe er gerne. Sie geben ihm die Möglichkeit, zu experimentieren. Eine Herausforderung sei es, ohne viele Erklärungen auszukommen, denn die Seitenzahl ist begrenzt. Viele Gedanken über Probleme, die während des Schreibens aufkommen könnten, mache er sich vorher aber nicht. Tomainen jemand, der erstmal losschreibt.

Eine Person und ein Problem – mehr wird nicht verraten

Er hat auch schon mit der Kamener Geschichte angefangen – also noch bevor er seinen Besuch beendet hat. Viel verrät Tuomainen nicht. Die Kurzgeschichte werde von einer Person handeln, die ein Problem hat. Und auch das was er über Kamen sagt, lässt alle Möglichkeiten offen. Die Stadt sei „charming“ und ihm gefalle der Weihnachtsmarkt. Beeindruckt habe ihn vor allem der schiefe Turm der evangelischen Pauluskirche.

Vergiftet unterm schiefen Turm? Finnischer Krimiautor inszeniert einen Mord in Kamen

Antti Tuomainen (2.v.r.) wird eine Kurzgeschichte schreiben, die in Kamen spielt. Katrin Jubitz, Heiner Remmert und Andrea Sternal (v.l.) sind schon gespannt. © Claudia Pott

Ob in der Nähe des Turms oder nachts in einer dunklen Gasse jemand ermordet wird, erfahren Krimifans im September. Die Anthologie wird pünktlich zum Start des „Mord am Hellweg“-Festivals am 19. September 2020 veröffentlicht. Tuomainen wird seine Geschichte dann in Kamen vorlesen – wo genau ist noch offen.

Finnischer Autor bleibt bis Donnerstag in Kamen

Dass ein internationaler Autor für den Sammelband schreibt, ist nicht üblich. In den vergangenen Jahren haben die Organisatoren Abstand davon genommen. Doch zum 10. Jubiläum des Festivals wolle man den Band mit internationalen Autoren aufwerten, sagt Heiner Remmert vom Literaturbüro des Kreises Unna.

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Antti Tuomainen geht die Sache jedenfalls gelassen an. Nach seiner Führung durch die Innenstadt hat er nicht viel geplant. Und am Donnerstag geht es zurück nach Helsinki. Wahrscheinlich mit einer fast fertigen Geschichte im Gepäck.

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