Lucas Tolkemit vom Autohaus Kamen setzt ein Autokennzeichen in die dafür vorgesehene Halterung. © Stefan Milk
Corona-Pandemie

Autohändler bitten um Zulassungen zwischen den Feiertagen – aber der Kreis Unna blockt ab

Die Mehrwertsteuer-Senkung kurbelt die Nachfrage bei Autohändlern an. Doch ausgerechnet wenn die Regelung ausläuft, ist die Zulassungsstelle geschlossen. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

Wer im Corona-Jahr ein Auto beim Kreis Unna zulassen will, braucht Geduld und starke Nerven. Der Zugang zu den Kreishäusern in Unna und Lünen ist pandemiebedingt eingeschränkt, die Vorsprache in der Zulassungsstelle seit längerer Zeit nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

„Der Endverbraucher“, sagt Lucas Tolkemit vom Autohaus Kamen, „hat kaum noch eine Möglichkeit sein Fahrzeug selber zuzulassen. Die Wartezeiten sind sehr lang.“ Die Autohändler fahren indes täglich zur Zulassungsstelle, reichen Papiere für verkaufte Fahrzeuge ein und holen diese dann ein, zwei Tage später wieder ab.

Steuersenkung kurbelt Nachfrage nach hochpreisigen Gütern an

Die Mehrwertsteuer-Senkung um drei Prozent, die seit dem 1. Juli für ein halbes Jahr gilt, macht sich in der Autobranche durchaus positiv bemerkbar. Bei einer fünfstelligen Summe für ein neues Auto machen drei Prozent eben deutlich mehr aus als beim Einkauf im Supermarkt. „Das ist auf jeden Fall ein Kaufanreiz“, bestätigt Jörg Günther, Geschäftsführer vom Autohaus Jehrke in Bergkamen. Er hätte deshalb nichts dagegen, wenn der Gesetzgeber den gesenkten Mehrwertsteuersatz verlängern würde, statt ihn zum 31. Dezember auslaufen zu lassen.

Jörg Günther ist Geschäftsführer beim Autohaus Jehrke in Bergkamen.
Jörg Günther ist Geschäftsführer beim Autohaus Jehrke in Bergkamen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Denn genau das führt zu einem Problem, weil die Zulassungsstellen des Kreises Unna zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Beginn des neuen Jahres wie die gesamte Kreisverwaltung traditionell geschlossen sind. Gerade dann also, wenn wahrscheinlich noch viele Autos an Kunden übergeben werden müssen, die sich den Mehrwertsteuer-Vorteil sichern wollen.

Autohändler bitten um Zulassungsmöglichkeit zwischen den Feiertagen

Die Autohändler, so berichtete Landrat Mario Löhr dieser Tage im Kreistag, hätten deshalb darum gebeten, die Zulassungsstellen diesmal über den Jahreswechsel offen zu halten. Doch daraus wird wohl nichts, wie Löhr direkt hinzufügte. Es gehe dabei schließlich nicht nur um Mitarbeiter der Verkehrsbehörde, sondern es müssten weitere Personalkapazitäten vorgehalten werden, etwa für den Sicherheitsdienst und die EDV.

„Wir halten deshalb daran fest, das Straßenverkehrsamt zwischen den Feiertagen nicht zu öffnen“, sagte Löhr. Die Autohäuser würden frühzeitig informiert, damit sie die notwendigen Maßnahmen einleiten könnten, um jedem Kunden seinen Autowunsch noch in diesem Jahr erfüllen zu können.

Mitarbeiter der Kreisverwaltung sollen auch mal durchschnaufen

„Es geht auch um die Mitarbeiter, die wegen der Corona-Pandemie seit Monaten Überstunden ohne Ende machen und am Wochenende arbeiten“, ergänzte Löhr zur Begründung.

Für die Autohändler mag das Probleme mit sich bringen, wenngleich Jörg Günther betont, dass es Probleme bei der Zulassung nicht erst seit Corona gebe. Die Dienstleistungszeiten seien ohnehin eingeschränkt worden. „Den kurzen Freitag kennt man ja von den Behörden, aber mittwochs ist auch um 12 Uhr geschlossen“, so Günther.

„In anderen Ländern wurde gar nichts gemacht“

Lucas Tolkemit betont unterdessen, er wolle nicht immer nur fluchen auf den Staat. „In anderen Ländern wurde gar nichts gemacht“, sagt er mit Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und die zeitlich befristete Mehrwertsteuersenkung. Man müsse auch mal die Kirche im Dorf lassen.

Über den Autor
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Jahrgang 1982. Aufgewachsen im Münsterland. Nach dem Politik-Studium in Münster über Dortmund ins schöne Holzwickede. Verheiratet, Familienvater. Seit 2000 Journalist, seit 2010 beim Hellweger. Mag das Ruhrgebiet, Currywurst und gut gemachte Nachrichten – digital und gedruckt.
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Kevin Kohues
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