Dichter Nebel behinderte den Verkehr in der Silvesternacht, es kam zu Unfällen auf Autobahnen mit insgesamt 26 Verletzten. Die A2 zwischen Kamen und Dortmund war stundenlang bis zum späten Neujahrsmorgen gesperrt.

Kamen, Bergkamen, Dortmund

, 01.01.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dichter Nebel hat in der Nacht zu Neujahr den Verkehr im Kreis Unna und im östlichen Ruhrgebiet behindert. Die Autobahn 2 zwischen Kamen/Bergkamen und Dortmund wurde nach mehreren Unfällen voll gesperrt, weitere Unfälle ereigneten sich unter anderem auf der A1 und auf der B236. Insgesamt 26 Menschen wurden laut einer vorläufigen Bilanz verletzt, als Autos bei schlechter Sicht ineinander fuhren. „Es herrschten teilweise Sichtweiten von unter zehn Metern“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei Kamen beim Polizeipräsidium Dortmund.

Massencrash mit 15 Fahrzeugen

Die ersten Unfälle ereigneten sich gegen 1.46 Uhr auf der A2 in Höhe Dortmund-Lanstrop – sowohl in Fahrtrichtung Oberhausen als auch in Fahrtrichtung Hannover. In Richtung Oberhausen stießen „bei extrem schlechter Sicht“ drei Fahrzeuge zusammen, so der Polizeisprecher. Dabei seien „mehrere Menschen“ leicht verletzt worden. Auf der Gegenfahrbahn in Richtung Hannover fuhren nach Informationen der Autobahnpolizei 15 Fahrzeuge ineinander – und dabei wurden laut ersten Meldungen 20 Menschen verletzt. Neun Autos seien nur noch Totalschaden.

Nebel-Chaos auf der Autobahn: 26 Verletzte bei Massenkarambolage und Unfällen

Unfallstelle auf der A2: Die Sichtweite lag nach Polizeiangaben bei unter zehn Metern. © vn24.nrw

A2 rund neun Stunden gesperrt

Die Vollsperrung der A2 dauerte am Neujahrsmorgen an und wurde erst gegen 11.20 Uhr nach über neun Stunden aufgehoben. In den Verkehrshinweisen wurde zeitweise ein jeweils vier Kilometer langer Stau gemeldet. Beide Richtungsfahrbahnen waren zwischen der Anschlussstelle Kamen/Bergkamen und dem Kreuz Dortmund-Nordost gesperrt. Die Sperrung bleibe wegen des Nebels zunächst bestehen, um weitere Unfälle zu verhindern, erklärte der Polizeisprecher.

Beifahrer lebensgefährlich verletzt

Nicht nur auf der A2, sondern auch auf der A1 und B236 krachte es in der Nacht. Auf der A1 bei Hamm-Bockum/Werne wurden nach Angaben der Autobahnpolizei drei Menschen verletzt, als um 2.19 Uhr in Nebelbänken drei Fahrzeuge zusammenstießen. Auf der B236 zwischen Derne und Lünen kollidierten gegen 2.39 Uhr zwei Autos. Drei Menschen wurden leicht verletzt. In Dortmund-Brackel fuhr ein Taxi-Fahrer um 5.41 Uhr auf den Opel eines Unnaers auf, der seinen Wagen bei extrem schlechter Sicht stoppte. Der Beifahrer aus dem Opel wurde dabei lebensgefährlich, der Fahrer leicht verletzt.

Nebel-Chaos auf der Autobahn: 26 Verletzte bei Massenkarambolage und Unfällen

Der Nebel hat sich auch am Neujahrsmorgen noch nicht verzogen - hier Aufnahmen der voll gesperrten A2 um 10.20 Uhr auf einer Webcam des Landesbetriebs Straßen NRW. © Straßen NRW

Zwei Fahrer unter Alkoholeinfluss

Die Polizei gab die Gesamtzahl der Verletzten bei allen Unfällen in einer ersten Übersicht am Neujahrsmorgen mit insgesamt 26 an. Weitere Details wurden nicht genannt, die Ermittlungen dauern an. Zwei Fahrer, die in Unfälle auf der A2 und auf der B236 verwickelt waren, sollen unter Alkoholeinfluss gefahren sein.

Polizei bei Silvestereinsätzen durch Nebel behindert

Auch auf den untergeordneten Straßen im Kreis Unna ging es wegen des Nebels nur langsam voran. Nennenswerte Unfälle seien nicht zu verzeichnen gewesen, sagte eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde Unna am Neujahrsmorgen. Ein vollständige Bilanz der Einsätze liege noch nicht vor.

Der Nebel behinderte die Polizei bei Fahrten zu silvestertypischen Einsätzen, „zum Beispiel Scharmützel zwischen Betrunkenen“, sagte die Unnaer Polizeisprecherin. „Die Kollegen mussten etwas länger zu den Einsätzen fahren. Es war etwas drubbeliger bei uns.“

Autofahrer schildern Nebelchaos

Autofahrer schilderten das Nebelchaos in den sozialen Netzwerken. „Rünthe ist die Hölle. In Bergkamen ist nix. Und von Weddinghofen nach Methler rüber, wieder ganz schlimm. Passt auf euch auf“, schrieb eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer Nutzer postete wörtlich bei Facebook: „Bergkamen Oberaden könnt ihr komplett vergessen, einer der vor uns gefahren ist fuhr direkt auf einen Bordstein auf da er den zu spät zugesehen hat.“ Und eine Frau erklärte: „Dieses Gefühl beim Autofahren wenn du einfach gar nichts mehr siehst. Man bekam schon Panik ehrlich gesagt.“

Dirk Philipp aus Methler fuhr kurz vor 3 Uhr in Kamen auf die A2 auf und geriet in den Stau. Dann brach er seine Weiterfahrt ab und fuhr zurück nach Hause. Eigentlich hatte er seine Kinder abholen wollen, doch mittlerweile hatten Freunde sie nach Hause gebracht. Im Stau konnte Philipp nach eigenen Angaben 21 Rettungswagen und drei Abschleppwagen vorbeifahren sehen – gespenstisch wirkende Szenen mit Blaulicht im Nebel nach dem Massencrash. Polizei, Feuerwehren aus Bergkamen, Lünen und Kamen, Rettungsdienste sowie die Straßenmeistereien waren stundenlang im Einsatz. Die Rettungskräfte wurden nicht nur durch die schlechte Sicht behindert, sondern auch durch die teilweise fehlende Rettungsgasse, so die Autobahnpolizei.

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