Ausgrabungen an der Villa Möcking: Architekt verrät, was für Neubau genutzt werden kann

dzBaustopp Nordstraße

Hochspannung unter den Archäologen, was unter der Villa Möcking liegt. Schippe für Schippe tragen sie den Boden ab. Der Architekt verrät, welche Funde für den Neubau verwendet werden können.

Kamen

, 18.10.2019, 11:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die archäologische Untersuchung auf dem Möcking-Baufeld könnte bis Ende November andauern. Der Bauherr, beta-Eigenheim aus Bergkamen, verfolgt die Arbeiten trotz des vom Landschaftverband Westfalen-Lippe verhängten Baustopps mit Spannung – Teile der Ausgrabungen könnten in dem Neubauprojekt integriert werden, jenem Neubau an der Nordstraße 4-6, wo mit dem Abriss des ehemaligen Möbelhauses Möcking der Raum für 21 Wohnungen geschaffen wurde.

„All das kann genutzt werden, was den Archäologen nicht wertvoll genug erscheint, um es zu konservieren oder auszustellen“, so beta-Projektleiter Maximilian Kirchhoff.

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Brunnen, Mauerzüge, verfüllte Keller und Pfostengruben

Bisher gefunden wurden bei den derzeit laufenden Ausgrabungen sehenswerte und gut erhaltene Dinge aus alter Zeit – Brunnen, Mauerzüge, verfüllte Keller, Abfallgruben und Pfostengruben. Alles wird genau dokumentiert. Später soll nach wissenschaftlichen Kriterien entschieden werden, was ausgebaut wird, um es für die Nachwelt zu bewahren.

Dazu wird wohl auf jeden Fall die historische Brunnenanlage zählen, die aus dem 12. Jahrhundert stammen könnte. Große Natursteine wie Anröchter Dolomit, die keinen Ausstellungswert haben, könnten aber dem Bauherrn zufallen, der damit Akzente in dem Neubau setzen will. Zum Beispiel durch Trockenmauern oder effektvoll gesetzte Steine in der rückwärtigen Außenanlage.

Ausgrabungen an der Villa Möcking: Architekt verrät, was für Neubau genutzt werden kann

Klare Linien, cremefarbener Ton und städtebaulich gut in die vorhandene Fassadengestaltung eingebunden: Die Villa Möcking soll einen modernen Akzent mit historischem Charme setzen. Nach den Ausgrabungen werden die Bauarbeiten mit etwas Verzug fortgesetzt. © beta

Funde sind nicht zufällig erfolgt

Die Funde sind nicht zufällig erfolgt. Die archäologische Untersuchung war zuvor bewusst vom Bauamt festgesetzt worden. „So etwas gehört bei jedem Bauprojekt im innerstädtischen Raum dazu“, so Kirchhoff.

Bevor der Bauträger sein Projekt weiter verfolgen kann, haben jetzt die Archäologen unter Regie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) das Sagen – vermutlich bis Ende November. Jetzt müsse man klären, so Kirchhoff, ob man parallel an anderen Stellen des Baufeldes weiter arbeiten könne.

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Vereinbart worden sei mit den Wissenschaftlern, dass nur so tief in den Baugrund eingegriffen wird, wie es auch für den Neubau geplant war. „Dadurch schützt man das weitere Erdreich – falls in 100 Jahren dort wieder gebaut wird, können dann Archäologen auch noch tiefer gehen.“

Fachfirma Eggenstein Exca aus Dortmund beauftragt

Mit dem Arbeiten beauftragt wurde nach einer einwöchigen Voruntersuchung die Fachfirma Eggenstein Exca aus Dortmund. Diese förderte jetzt Zeugnisse längst vergangener Tage ans Tageslicht. „Wir haben Brunnen, Mauerzüge, verfüllte Keller, Abfall- und Pfostengruben gefunden“, so der Archäologe Thies Evers. Fünf Mitarbeiter sind aktuell damit befasst, die Befunde fachgerecht auszugraben und zu dokumentieren.

An der Nordstraße

Das Neubauprojekt Villa Möcking

  • Die Neubebauung wird sich in zwei Gebäudeteile gliedern, die durch eine Tiefgarage miteinander verbunden sind.
  • Das Hauptgebäude zur Nordstraße wird über 19 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten verfügen, das rückseitig liegende Stadthaus erhält zwei Wohnungen. Bei den Wohneinheiten wird es sich um 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen handeln.
  • Maximilian Kirchhoff rechnet mit einer Bauzeit von rund 24 Monaten nach Beginn der Hochbauarbeiten bis zur Realisierung des gesamten Projektes.

Der Archäologe geht davon aus, dass sich weitere Belege für die Besiedlung im Mittelalter finden lassen. Mitte des 13. Jahrhunderts erhielt Kamen vom Landesherrn die Stadtrechte. Die günstige Lage Kamens an den wichtigen Nord-Süd-Handelswegen und die landesherrliche Förderung verliehen der Stadt, die zur Hanse zählte, eine herausragende Bedeutung.

Archäologen gespannt auf die Auswertung

„Das Projekt an der Nordstraße bietet erstmalig die Gelegenheit, in der Kamener Innenstadt Befunde zu sichern“, so Evers. Er sei selbst gespannt darauf, ob sich im bislang unbebauten Boden noch Belege für eine ältere Besiedlung finden lassen. Die Kosten für die archäologischen Untersuchungen – voraussichtlich ein mittlerer fünfstelliger Betrag – müssen von der beta getragen werden.

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„Jetzt heißt es erst einmal abwarten, sobald wir grünes Licht für die weitere Bebauung haben, starten die Hochbauarbeiten“, so Kirchhoff. Dass es jetzt zu Verzögerungen kommen, sei nicht zu ändern. „Aber wir sind ja auch für Kunst und Kultur. Es ist spannend, das jetzt zu begleiten. Und letztlich wird es auch für uns eine Bereicherung.“

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