Urlaub im Altmühltal. Abwechslungsreiche Touren führen zu spannenden Ausflugszielen – wie zur Weltenburger Enge. Das Romantik-Hotel „Zum Klosterbräu“ liegt davon etwa eine Stunde Autofahrt entfernt. Dort gibt es erste Absagen von Urlaubern aus Risikogebieten. © Archiv
Coronavirus

Aus dem Risikogebiet ins Hotel? Eine Fachfrau aus Bayern erklärt, wie das geht

Der Kreis Unna ist nun auch offiziell vom RKI zum Risikogebiet erklärt worden. Damit ist Urlaub an Bedingungen geknüpft. Welche, das weiß eine Fachfrau aus einem Hotel in Bayern.

Seit Sonntagmorgen ist es offiziell: Mit einem Inzidenzwert von 54,2 ist der Kreis Unna vom RKI als Risikogebiet eingestuft. Vielen Familien schlägt das voll ins Kontor. Die meisten Bundesländer haben die Regeln für Urlauber aus Risikogebieten deutlich verschärft – nach Quarantäne jetzt auch örtlich ein Beherbergungsverbot. Das bedeutet große Unsicherheit. Können wir jetzt noch verreisen oder nicht?

Inzidenzwert

50 ist die entscheidende Zahl

  • Maßgeblich für die Einstufung einer Stadt oder eines Landkreises ist der Inzidenzwert, die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen. Ab dem Wert 50 ist die Region offiziell als Risikogebiet eingestuft.
  • Für diese Bewertung werden die Daten des Robert-Koch-Instituts herangezogen, die wir laufend auf hellwegeranzeiger.de aktualisieren. Demnach war der Kreis Unna bis Samstagabend kein Risikogebiet: Der Wert wurde am Samstagabend (10. Oktober) vom RKI noch mit knapp über 40 angegeben.
  • Tatsächlich lag die Zahl schon zu diesem Zeitpunkt höher, wie das Gesundheitsamt des Kreises ausgerechnet und am Freitag schon bekannt gegeben hatte. Eine errechnete Inzidenz von mehr als 50 hatte den Kreis veranlasst strengere Regeln zur Pandemie-Eindämmung zu erlassen.
  • Die Datenübermittlung an das RKI ist verzögert, daher der Unterschied zwischen den Zahlen. Am Sonntagmorgen hatte dann auch das RKI die aktuellen Zahlen vorliegen – und prompt wies auch die Statistik des RKI den Kreis Unna mit einem Inzidenz-Wert über 50 aus: 54,2 Corona-Fälle hatte der Kreis Unna demnach in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Malerisches Hotel im bayerischen Altmühltal

Das weiß Michaela Reutlinger vom Romantik-Hotel „Klosterbräu“. Die erfahrene Kraft aus dem Hotelfach steht am Samstagmorgen an der Rezeption und empfängt die ersten Gäste. Idyllisch liegt das 33-Betten-Hotel, das sich auf Wellness spezialisiert hat, im bayerischen Altmühltal – im malerisch-ursprünglichen Naturpark unweit der Renaissance-Stadt Neuburg an der Donau und etwa 535 Kilometer vom Kreis Unna entfernt.

In der zehnten Generation empfängt in dem Klosterdorf Bergen Familie Böhm die Gäste. Die Corona-Pandemie scheint in dem Idyll weit weg zu sein, auch wenn hier freilich alle AHA+L-Regeln jederzeit beherzigt werden: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften. „Zurzeit haben wir keine Gäste aus Risikogebieten, aber grundsätzlich möglich ist das“, teilt Reutlinger mit.

„Die meisten Gäste stornieren lieber und bleiben zuhause“

Voraussetzung ist, dass die Gäste einen Corona-Schnelltest mitbringen, der nicht älter als 48 Stunden ist, und ihn im Hotel vorlegen. Bisher habe das aber noch niemand getan, weil die Lage erst in den vergangenen Tagen wieder dynamischer geworden ist. „Die meisten Gäste stornieren lieber und bleiben zuhause“, berichtet Reutlinger.

Aus dem Kreis Unna hat zurzeit niemand ein Zimmer reserviert. Einige Absagen hätten sie jetzt aus dem Raum Berlin, das als Corona-Hotspot gilt, erreicht. Da der Schnelltest relativ teuer sei, wie sie von Gästen gehört habe, würden viele von der Reise absehen.

Wer keine Symptome hat, muss bisher den Test tatsächlich selbst zahlen; was demnach auch für Reisewillige gilt, die den negativen Corona-Test nachweisen müssen. Pro Person sind das rund 120 Euro für die Laboranalyse und rund 20 Euro für den Abstrich beim Arzt. Falls der denn Kapazitäten hat, dieses zu tun. Das Land hat jetzt zudem angekündigt, in den Herbstferien kostenlose Testmöglichkeiten für Reisende aus NRW-Risikogebieten zu ermöglichen. Ein entsprechender Erlass ist an die Kommunen versandt worden.

Nach dem Lockdown gut auf die Pandemie eingestellt

Im Romantik-Hotel hat man sich nach dem überstandenen Lockdown gut auf die Situation eingestellt. Das Hotel mit etwa 50 Mitarbeitern sei nicht so stark betroffen wie beispielsweise Stadthotels, wo die ausländischen Touristen ausbleiben. „Wir kommen als Landhotel gut klar, profitieren davon, dass die Menschen die Weite und die Ruhe suchen. Deswegen können wir nicht jammern“, so Reutlinger. Es gebe im Altmühltal viele Möglichkeiten zu ausdauernden Spaziergängen. „Die Gäste, das ist spürbar, haben ein gutes Gefühl.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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