Direkt ins Fernsehen auf der nicht perfekten Welle (mit Trailer)

Doku-Reihe „Chicks on boards“

Dörthe Eickelberg, TV-Moderatorin aus Kamen, hat eine Dokumentation über surfende Frauen, die ihr Hobby gegen gesellschaftliche Widerstände durchsetzen müssen. Start ist Montag auf „Arte“.

Kamen

, 29.11.2018, 15:19 Uhr / Lesedauer: 3 min
Direkt ins Fernsehen auf der nicht perfekten Welle (mit Trailer)

Unterwegs auf der perfekten Welle: Die Heeren-Werver Moderatorin und Regisseurin Dörthe Eickelberg am Rande des Filmdrehs für ihre Dokumentation „Chicks on boards“, die ab Montag kommender Woche in fünf Folgen auf dem Sender „Arte“ ausgestrahlt wird.

Sie hat für das Wissensmagazin „X:enius“ des Fernsehsenders „Arte“ über 700 Sendungen moderiert und dabei die ganze Welt bereist – „im Namen der Wissenschaft“, wie sie sagt: Als Dörthe Eickelberg, 43, Moderatorin und Regisseurin aus Heeren-Werve, bei einem dieser Filmdrehs das komplizierte Thema „Licht- und Schallwellen“ einfach und plastisch darzustellen hat, geht es aufs Wasser. Und sie zeigt mit einer echten Welle, wie es auch in der grauen Theorie der Physik abläuft: Ausgangspunkt für ihre Filmreihe „Chicks on boards“. Die Dokumentation läuft ab Montag, 3. Dezember, täglich in fünf Teilen auf dem deutsch-französischen Kultursender „Arte“.

Direkt ins Fernsehen auf der nicht perfekten Welle (mit Trailer)

Dörthe Eickelberg vor imposanter Kulisse mit dem Schriftzug zur Doku-Reihe.

Miezen auf Brettern

Chicks on boards. Das bedeutet so viel wie „Mädchen auf Brettern“ – oder in der Jugendsprache auch despektierlich „Miezen“. Klingt ulkig, übermütig, lebenslustig. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Eickelberg hat Frauen gefilmt, jung und alt, in deren Ländern es nicht selbstverständlich ist, dass auch sie aufs Wellenbrett steigen. „Egal ob Ghana, Sri Lanka oder Marokko. Wenn ich irgendwo surfte, merkte ich, dass nie einheimische Frauen dabei waren“, illustriert Eickelberg. Frauen auf dem Surfbrett? Ein gesellschaftlicher Affront verbunden mit möglichen Sanktionen.

Verbot und Ächtung

Chicks on boards. Ein Phänomen, das sie so sehr interessiert, dass sie daraus einen Film machen will. Und sie begibt sich auf die Suche nach jenen Frauen, die trotz aller Verbote und möglicher gesellschaftlicher Ächtung aufs Wasser gehen, um auch eine perfekte Welle zu finden, die durch die gesellschaftlichen Umstände aber eher nicht perfekt sein kann. Eickelberg findet solche Frauen in Indien, Südafrika, in Israel bzw. Gaza. Aber auch auf Hawaii und in England ergeben sich ungewöhnliche Geschichten.

Eickelberg nimmt sich Zeit für die Dokumentation, die nicht nur jetzt im Fernsehen, sondern auch auf Filmfestivals zwischen Berlin und Mexiko zu sehen ist. 2014 begegnet sie in Indien zwei 13-jährigen Mädchen, die Profi-Surferinnen werden wollen. Eickelberg verfolgt ihr Streben, auf dem Wasser ein Stück Freiheit zu gewinnen, und sie begleitet sie bis zu den ersten Meisterschaften, wo es die nächste spannende Begegnung gibt. Mit Surferinnen aus Israel, die ihre perfekte Welle vor Gaza gefunden haben. „Dorthin zu kommen und zu drehen, das war nicht einfach und ging nur mit Spezialgenehmigung“, erinnert sich Eickelberg.

Wellen vor Südafrika

Auf dem Wasser vor Durban, Südafrika, ist sie unterwegs mit Suthu, der ersten schwarzafrikanischen Frau auf einem Wellenbrett, „auch eine schöne Liebesgeschichte“, wie Eickelberg sagt. Und nicht nur in südöstlichen Kulturkreisen, so stellt Eickelberg fest, gibt es Frauen gegenüber Vorurteile und Gegenstimmung. Wie auf Hawaii, wo die Frauen erst jetzt die letzte Surfdomäne der Männer erobert haben – das sogenannte Big-Wave-Surfen, wo unter halsbrecherischen Bedingungen meterhohe Monsterwellen abgerittten werden. Nun auch mit...? Klar, chicks on boards!

Direkt ins Fernsehen auf der nicht perfekten Welle (mit Trailer)

Dörthe Eickelberg ist seit 2008 für „Arte“ in ganz Europa unterwegs. Ihr Ziel, so äußert sie: „Forscher und Forschungen, von Quanten bis Elefanten.“ Der Motor, der sie antreibt: die Lust am Reisen und am Umgang mit Menschen.

Gwyn ist der Rockstar

Dazu zählt auch Gwyn, die vor Cornwall surft und jeden Tag mit ihrem kleinen, roten Auto zur Küste fährt und sich in den Neoprenanzug pellt. Gwyn, so Eickelberg, sei 72 Jahre alt und die älteste Surferin Europas. Das Besondere? „Ältere Frauen tauchen bei diesem Sport in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf.“ Gwyn bricht so sehr mit den Konventionen, dass sie sich bei allen bisherigen Vorführungen des Films als „Rockstar“ entpuppt habe. „Das Publikum liebt sie“, sagt Eickelberg schmunzelnd.

Direkt ins Fernsehen auf der nicht perfekten Welle (mit Trailer)

Dörthe Eickelberg unterwegs mit Suthu, der einzigen schwarzafrikanischen Frau auf einem Surfbrett vor Durban (oben) und beim Filmdreh mit ihren Kollegen.

Nicht nur das Surfen

Und so geht es der Heeren-Werverin, die früher zur Brüder-Grimm-Schule und zum Geschwister-Scholl-Gymnasium in Unna gegangen ist, bei der Doku nicht nur ums Surfen, sondern auch – ohne feministische Pointierung – darum, wie eingeschränkt der Alltag von Frauen auch heutzutage noch sein kann – durch gesellschaftliche Ächtung in anderen Kulturkreisen oder durch unzerbrechliche Alltagskonventionen mitten unter uns.

Für Eickelberg eine Arbeit, die nicht nur Arbeit bedeutet, sondern auch der Gewinn vieler neuer Freundschaften. Und der Zugewinn eines neuen Hobbys, als sie, siehe oben, einst für X:enius erstmals aufs Brett gestiegen ist. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, berichtet die 43-Jährige. Und so erwischt sie mit dem neuen Hobby die perfekte Welle auch für sich. „Seitdem versuche ich, falls möglich, in jeder Drehpause surfen zu gehen!“ Als chick on board!

  • „Chicks on boards“, Ausstrahlung auf „Arte“ vom 3. bis 7. Dezember, geplant jeweils ab 17.10 Uhr. Weil der Sender dynamische Zeiten hat, kann es auch ein paar Minuten früher oder später werden.
  • Empfehlung: Alle Folgen werden zeitgleich mit der Ausstrahlung für einige Wochen in der Mediathek auf „arte+7“ abrufbar sein.
  • Festivals von Los Angeles bis Paris, eine Auswahl: HIIDA-Winner „Best Foreign Doc“ und „Best Women Film“, März 2019, Los Angeles; nominiert „Best Doc“ beim Sayulita Festival, Februar 2019, Mexiko; nominiert für „Best Doc“ beim Chéries-Chéris Festival, November 2018, Paris; gezeigt beim „Achtung Berlin New Berlin Film Award“, April 2018, Berlin; ausgewählt fürs SWR Dokufestival, Juni 2018, Stuttgart; ausgewählt fürs Zimbabwe Women Film Festival, August 2018, Harare; ausgewählt fürs Feminista Film Festival, September 2018, London.
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