Arvato-Jobmotor in Kamen dreht zügig hoch – und 310 Mitarbeiter sind schon eingestellt

dzNeues Logistikzentrum

Wer im Internet T-Shirts oder Pyjamas bestellt, bringt Mitarbeiter bei Arvato in Kamen auf Trab. Ein neues Onlineshop-Warenlager mit jetzt schon 310 Beschäftigten fährt den Betrieb hoch.

Kamen

, 16.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einer grau-roten Lagerhalle an der Henry-Everling-Straße 3 steht ein Drehkreuz noch funktionslos auf einer ungepflasterten Stelle. Bauarbeiter und Handwerker suchen sich hier teilweise noch auf Trampelpfaden einen Weg zum Eingang. Doch mitten im scheinbaren Baustellen-Durcheinander auf dem neu bebauten ehemaligen Kettler-Gelände hat der Logistikdienstleister Arvato SCM Solutions seit Oktober schrittweise den Betrieb seines Lagers aufgenommen.

Christian Balzer (45) ist operativer Geschäftsführer einer Einheit von fünf Logistikzentren in Kamen, Dortmund, Dorsten, Ennigerloh und Großzöberitz-Heideloh (Sachsen-Anhalt). Der Wirtschaftsingenieur und langjährige Manager hat sich bereit erklärt, einige Fragen über den neuen Jobmotor am Wirtschaftsstandort Kamen zu beantworten. Arvato hat vier von fünf Teilen der Halle angemietet, die der Investor P3 in Rekordzeit von einem halben Jahr auf dem ehemaligen Kettler-Gelände hochgezogen hat.

Der unauffällige Riese

Balzer arbeitet für einen unauffälligen Riesen, der zwar an vielen Stellen entlang der Bestell- und Lieferkette von Online-Shops seine Finger im Spiel hat, aber trotzdem relativ unbekannt ist. „Wenn es darum geht, 20 Millionen Teile an Endkunden zu schicken, dann sind wir dabei“, erklärt der Manager. „Warum kennt uns keiner? Weil wir der Dienstleister hinter dem Kunden sind.“

Das neue Logistikzentrum wurde von Arvato für den Online-Shop einer namhaften Marke aus der Modebranche eingerichtet. Die Spezialisten nennen ihre Leistung, die über einen klassischen Lagerbetrieb hinausgeht, auch „E-Commerce-Fulfillment“. Auf einer Nutzfläche so groß wie fünf Fußballfelder, rund 37.000 Quadratmeter, werden Kleidungsstücke angeliefert und eingelagert. Alles, was ohne Kleiderständer auskommt und deshalb als Liegeware bezeichnet wird, durchläuft anschließend die verschiedenen Stationen bis zum Warenausgang.

Arvato-Jobmotor in Kamen dreht zügig hoch – und 310 Mitarbeiter sind schon eingestellt

So groß wie fünf Fußballfelder: Arvato-Logistikzentrum an der Henry-Everling-Straße 3. © Marcel Drawe

Spezialist für E-Commerce

Das Logistikzentrum

Das neue Logistikzentrum an der Henry-Everling-Straße 3 firmiert unter dem Namen Arvato SCM Kamen GmbH. Geschäftsführer sind Frank Günter Schirrmeister und Nils Klose.
Das Logistikzentrum verfügt über 37.000 Quadratmeter Nutzfläche, davon 3000 Quadratmeter Büros und Sozialräume. Arvato verfügt über 36 Tore, 14 LKW-Parkplätze und 28 Stellplätze für LKW-Wechselbrücken.
Die Leistungen des Logistikzentrums umfassen E-Commerce-Fulfillment, Logistik- und Retourenmanagement sowie Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand/Verteilung, Retourenbearbeitung inklusive Aufbereitung.
Die Ausstattung umfasst ein Kartonlager, eine dreistöckige Kommissionieranlage, Fördertechnik, Retouren-Schnelldreher-Bereich und Sorter im Warenausgang.

Der Riese Arvato ist nicht nur unauffällig, sondern scheu und wortkarg, wenn es sein Auftraggeber so will. Einen Zutritt zur Lagerhalle, die zu den modernsten im weltweiten Netz von Arvato gehört, darf Balzer nicht gewähren. Durch eine offene Tür ist aber im Vorübergehen wenigstens der Blick auf ein endlos wirkendes, aber leeres Förderband zu erhaschen. Der Auftraggeber von Arvato legt Wert darauf, dass sein Name nicht genannt wird.

So funktioniert der Betrieb des neuen Logistikzentrums

„Die Ware kommt per LKW an, meist aus Übersee, und wird anhand der Papiere überprüft“, erklärt Balzer den Betriebsablauf. „Dann erfolgt die Vereinnahmung auf Basis der Kartons. Nach der Einlagerung ist die Ware dann bestellbar. Kommt ein Auftrag, erfolgt die Kommissionierung im Versandkarton. Wir bieten auch Sonderdienstleistungen an. Schließlich wird die Ware an den Carrier übergeben, der stellt sie an den Kunden zu.“ Die „Carrier“ sind Paketdienste wie DHL und Hermes, die die Bestellungen bei Arvato in Kamen abholen und über ihr eigenes Netz ausliefern.

Arvato-Jobmotor in Kamen dreht zügig hoch – und 310 Mitarbeiter sind schon eingestellt

Blick in die Sozialräume des neuen Logistikzentrums: Arvato will bis zu 1300 Menschen in Spitzenzeiten beschäftigen. © Marcel Drawe

Arvato will in seiner E-Commerce-Verteilstation bis zu 1300 Arbeitsplätze in Spitzenzeiten schaffen. Bis Ende März 2019 soll der Standort eine Mitarbeitergröße von mehr als 1000 erreichen, das ist zügiger als bisher bekannt. Gesucht wird noch Personal für die Bereiche Wareneingang, Kommissionierung, Warenausgang und Retouren sowie für Haus- und Betriebstechnik und Führungspositionen im Lager. Gezahlt wird nach Haustarif.

Wer auf die Idee kommen sollte, bei Arvato anzuklopfen, um sich direkt vor Ort einzukleiden, wird von Christian Balzer enttäuscht. Der Chief Operations Officer für den Bereich Consumer Products bei Arvato SCM Solutions sagt: „Wir haben keinen Fabrikverkauf.“

  • Kamen ist der 14. Standort von Arvato SCM Solutions in Nordrhein-Westfalen, wo das Unternehmen nach eigenen Angaben 4700 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt arbeiten an 70 Standorten in 20 Ländern mehr als 14.000 Mitarbeiter. 2017 erwirtschaftete der Spezialist für Logistik und E-Commerce einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro.
  • Das Unternehmen ist in sechs Geschäftsbereiche gegliedert und konzentriert sich nach eigener Darstellung auf endkundenorientierte Branchen wie Automotive/Banken/Versicherungen, Konsumgüter/Fashion/Beauty, Healthcare, Hightech/Entertainment und Publisher/Telekommunikation. 2017 erwirtschafte Arvato SCM Solutions einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro.
  • Das Unternehmen ist Teil von Arvato, einer hundertprozentigen Tochter des Gütersloher Bertelsmann-Konzerns. Arvato beschäftigt über 70.000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern.
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