Anwohner verfolgte LKW, um Mautvermeidung nachzuweisen

dzKampf gegen Schwerlastverkehr

Ein Anwohner aus Heeren-Werve ging dem Verdacht nach, dass viele LKW-Fahrer gezielt die Autobahn meiden und über Stadtstraßen abkürzen – zum Ärger verkehrslärmgeplager Anwohner. Drei Beispiele hat er dokumentiert.

Kamen, Unna

, 30.09.2019, 16:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Realer Irrsinn“ ist das Papier betitelt, das Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) am Donnerstag im Stadtrat von dem selbst ernannten Heerener Umweltaktivisten Peter Streich überreicht wurde. Der Anwohner der Landstraße Werver Mark hatte das von ihm verfasste Dokument als „Beweis“ für die Belastung der L665 durch den Schwerlastverkehr angekündigt. Mit „Irrsinn“ sind die Auswirkungen der Logistikansiedlungen auf den Verkehr und die Lebensqualität von Anwohner der betroffenen Straßen gemeint.

Was auf den insgesamt 29 Seiten steht, war zunächst offen geblieben. Nun hat die Redaktion das Dokument ausgewertet – und es zeigt, mit welcher Hartnäckigkeit Streich vorgeht, um sein Ziel einer Feinstaub-Messstelle in Heeren-Werve sowie verkehrslenkende Maßnahmen gegen den LKW-Verkehr zu erreichen. Zu seiner Strategie zählen nicht nur ausführliche Wortmeldungen in Einwohnerfragestunden von Rats- und Ausschusssitzungen.

Ans Heck von LKW geheftet und sie kilometerweit verfolgt

Streich hat sich offenbar selbst ans Heck einzelner Lastwagen geheftet und ihre Fahrt durch den Kreis Unna verfolgt. Die Fahrt hat er dabei gefilmt oder fotografiert und die Stationen und Zeitabläufe dokumentiert. Beispiel 1 zeigt die Stationen eines Sattelzugs, der am 2. Juli 2019 von der A2 in Bönen kommend über Heeren-Werve, Kamen-Süd, Unna-Afferde nach Dortmund-Wickede gefahren sein soll. Beispiel 2 dokumentiert die Fahrt eines Sattelzugs, der am 4. September 2019 über Bönen, Heeren-Werve, Unna/Alte Heide, Königsborn, Unna-Zentrum, Unna-Massen, B1 nach Holzwickede ins Gewerbegebiet Natorper Straße fährt. Beispiel 3 erfasst einen LKW, der am 21. August 2019 von einem Gewerbegebiet in Bönen eine ähnliche Route nahm, jedoch ab B1 weiter in östliche Richtung in den Indupark Unna.

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Verkehrslenkende Maßnahmen gefordert

Streich hat anhand der Beispiele ausgerechnet, wie viele Kilometer die LKW jeweils durch Vermeidung der Autobahn gespart haben sollen: im ersten Beispiel vier Kilometer, im zweiten Beispiel zwei Kilometer und sechs Kilometer gegenüber der Autobahnfahrt übers Kamener Kreuz (A2/A1/A44). Der Routenverfolger behauptet, dass die Beispiele keine Einzelfälle seien. „Das geschieht täglich“, sagt er. Daraus leitet er seine Forderung ab, dass verkehrslenkende Maßnahmen erforderlich sind. Zugleich betont er, dass die Routenwahl der LKW nicht illegal sei. Laut seinem Papier fahren „mehr als 30 Prozent der LKW bewusst oder angewiesen“ über Gemeinde- und Landstraßen, um die Autobahnen zu umgehen. Einen Beleg dafür findet sich in seinem Dokument aber nicht.

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