Angst vor Umweltfrevel im neuen Baugebiet: Was passiert mit dem idyllischen Tümpel?

dzWohnen in Kamen

Die alte Hofstelle Schulze-Bergcamen ist schon dem Erdboden gleichgemacht, wird jetzt auch noch der idyllische Tümpel zugeschüttet? Die Sorge mancher Bürger kann die Stadt entkräften.

Kamen

, 05.08.2020, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alarmstimmung in Südkamen. Nachdem der alte Bauernhof Schulze-Bergcamen dem Erdboden gleichgemacht wurde, fragt man sich in Südkamen, was mit dem idyllischen Tümpel und dem alten Baumbestand drumherum passiert. „Diese müssten dafür also gerodet bzw. verfüllt werden. Uns ist nun zu Ohren gekommen, dass der Auftrag dafür schon in allernächster Zeit ausgeführt werden soll und es besteht die Angst, einfach vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, denn gerodete große Bäume können nicht wieder aufgestellt werden!“, schreibt eine besorgte Bürgerin an unsere Redaktion.

10.000 Quadratmeter groß ist das Areal am Rande Südkamens. Obwohl die Bahnlinie und die Südkamener Spange, die sich im Bau befindet, nicht allzu weit entfernt sind, ist das neue Baufeld mit naturnaher und innenstadtnaher Lage wohl eine Toplage für künftiges Wohnen in Kamen.

10.000 Quadratmeter groß ist das Areal am Rande Südkamens. Obwohl die Bahnlinie und die Südkamener Spange, die sich im Bau befindet, nicht allzu weit entfernt sind, ist das neue Baufeld mit naturnaher und innenstadtnaher Lage wohl eine Toplage für künftiges Wohnen in Kamen. © Stefan Milk

Fledermäuse und Spechte, zudem Kröten und Molche

Auf dem besagten Teilstück, so heißt es, gebe es Fledermäuse und Spechte – und auf dem kleinen Gewässer fühlten sich Enten, Kröten, Frösche und Molche zuhause. Die Sorge sei, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG) als neue Eigentümerin „möglichst jeden Quadratmeter auszuschöpfen“ werde, weil es sich um ein sehr begehrtes Baugebiet handele und Interessenten regelrecht Schlange stünden. „Es ist aber doch trotz alledem so, dass solche Maßnahmen einer Genehmigung erfordern!? Müssen sich nicht die Stadt oder große Gesellschaften auch an die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben halten?“, fragt sich die Bürgerin.

Die an der Grundstücksgrenze verlaufende Südkamener Straße, die dort jetzt noch Westicker Straße und Dortmunder Allee verbindet, wird zur Sackgasse umfunktioniert, wenn die Südkamener Spange fertig ist..

Die an der Grundstücksgrenze verlaufende Südkamener Straße, die dort jetzt noch Westicker Straße und Dortmunder Allee verbindet, wird zur Sackgasse umfunktioniert, wenn die Südkamener Spange fertig ist.. © Stefan Milk

Der Tümpel soll nicht zugeschüttet werden

Das müssen sie in der Tat und werden es auch, wie Kamens Erster Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke unserer Redaktion auf Anfrage erläutert. Dabei nimmt er auch gleich die Sorge, dass der Tümpel auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal zugeschüttet werden könnte. „Sowohl der Teich als auch der kleine Wald sollen erhalten bleiben. Das wird Bestandteil des Entwicklungskonzepts für dieses Baugebiet werden“, teilte er mit. In den Tümpel könnte man dann auch das Niederschlagswasser der neuen Gebäude führen, ganz im Sinne ökologischer Überlegungen, Regenwasser vom Abwasser der Kanalisation zu entbinden. Bekanntlich gibt es das Konzept auch in Heeren-Werve unter dem Titel „Future Citys“.

Der nicht unter Denkmalschutz stehende Gutshof Schulze-Bergcamen mit seiner imposanten Fachwerkfassade wurde abgerissen. Der Gebäudekomplex stand seit etwa zehn Jahren leer. Der Verfall hatte bereits eingesetzt.

Der nicht unter Denkmalschutz stehende Gutshof Schulze-Bergcamen mit seiner imposanten Fachwerkfassade wurde abgerissen. Der Gebäudekomplex stand seit etwa zehn Jahren leer. Der Verfall hatte bereits eingesetzt. © Stefan Milk

Aufstellung eines neuen Bebauungsplans steht bevor

Damit die WFG die Fläche der ehemaligen Hofstelle entwickeln kann, ist die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans notwendig, der Ende dieses Jahres, Anfang kommenden Jahres nach fachlicher Beratung im Planungsausschuss auf den Weg gebracht wird. Nicht nur die Politik kann sich dann einbringen, später gibt es auch die bekannten Beteiligungsverfahren, bei denen Bürger Kritik und Anregungen formulieren können. „Zudem gibt es die umfassende Beteiligung beispielsweise des Kreises Unna und auch der Versorgungsträger“, wie Liedtke berichtet. Die Wohnbebauung, so der Plan, sehe keine Häuser mit hohen Geschossgrößen vor, sondern soll sich harmonisch ins Ortsbild einfügen.

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Es dauert noch Jahre, bevor dort jemand einziehen kann

Die Abrissbagger des Abbruchunternehmens Linkamp aus Anröchte hatten Ende Mai damit begonnen, an der historischen Fassade des Bauernhofs Schulze-Bergcamen zu knabbern. Der Gebäudekomplex stand seit etwa zehn Jahren leer. Der Verfall hatte bereits eingesetzt. Ob Einfamilienhäuser oder Mehrfamilienhäuser gebaut werden, steht noch nicht fest. Denn das Gelände wird von der WFG lediglich marktreif gemacht und dann wieder veräußert. An einen Investor, der dann im Rahmen der Bebaungsplan-Vorgaben seine Vorstellungen verwirklichen darf.

Bevor dort erste Bürger einziehen können, werden noch einige Jahre vergehen. Allein die Aufstellung des Bebauungsplans wird bis zu zwei Jahre dauern. Fledermäuse und Frösche haben also noch etwas Ruhe.

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