Andrang auf Lärm-Sprechstunde: Anwohner fordern Tempo 30 auf L821

dzVerkehr

Großer Auflauf bei der Lärm-Sprechstunde im Rathaus: 20 Anwohner verschiedener Straßen fordern, dass die Behörden etwas gegen den Verkehr unternehmen. Karl Heinz Schaefer erzählt, was er für die Hochstraße fordert.

Kamen

, 07.02.2020, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karl Heinz Schaefer, 57, wohnt an einer viel befahrenen Kreuzung in Kamen-Süd. Hinter seiner Wohnung rauscht der Verkehr auf der Hochstraße. Jetzt sitzt der Anwohner auf einem Polstersessel im Kamener Rathaus und wartet darauf, dass sich eine dunkle Holztür öffnet. „Bürgersprechstunde Lärmaktionsplan“ steht auf einem Zettel neben der Tür von Besprechungsraum 1.

Lärmschutzwände für die Hochstraße

„Ich will auch im Sinne meiner Nachbarn mehr Lärmschutz für die Hochstraße fordern“, sagt Schaefer, gefragt nach dem Grund seines Besuchs. Vorhandene Wände reichen seiner Meinung nicht aus. Außerdem will er anregen, dass die Unnaer Straße zwischen Kreuzung Dortmunder Allee in Richtung Bahnhof „mehr beruhigt“ wird. Als Radler fände er es außerdem gut, wenn die Rampe zur Fahrrad- und Fußgängerbrücke Unnaer Straße für Radler optimiert würde. „Da ist eine Spitzkehre auf dem Weg zum Zollpost“, sagt Schaefer.

Andrang auf Lärm-Sprechstunde: Anwohner fordern Tempo 30 auf L821

Anwohner der Lindenallee erscheinen in Gruppenstärke (hier nur einige der Mitglieder), um bei der Lärm-Sprechstunde Forderungen nach Tempo 30 Nachdruck zu verleihen. Der Lärmaktionsplan sieht Tempo 30 unter anderem für Lindenallee, Robert-Koch-Straße und Wasserkurler Straße vor. © Carsten Fischer

Lärmaktionsplan

Bürgerbeteiligung bis 20. Februar

  • Die sogenannte Bürgerbeteiligung zum Lärmaktionsplan läuft noch bis 20. Februar.
  • Wer Anregungen zu geplanten Maßnahmen gegen Verkehrslärm hat oder sich beschweren will, kann dazu während der Öffnungszeiten ins Rathaus gehen oder das Portal www.stadtplanung-kamen.de (Weitere Planungen/Sonstige Planungen und Beteiligungen/Lärmaktionsplan) nutzen. Der aktuelle Entwurf des Lärmaktionsplans ist online abrufbar.

Der Mann von der Kreuzung Unnaer Straße/Dortmunder Allee/Heerener Straße ist nicht der einzige Bürger, der aus Unzufriedenheit mit der Verkehrssituation vor seiner Haustür ins Rathaus gekommen ist. Eine Gruppe von 16 Anwohnern der Lindenallee ist bereits hinter der Tür verschwunden. Im Laufe der zwei Stunden am Donnerstagabend erscheinen auch noch Anlieger der Wasserkurler Straße, der Werver Mark und des Nordrings. Alle folgen dem Aufruf, zu schildern, wo und wie sie von Verkehrslärm betroffen sind. Zudem sind die Bürger eingeladen, zum aktuellen Entwurf des Lärmaktionsplans Stellung zu beziehen – einem Katalog von Maßnahmen wie zum Beispiel Tempolimits, LKW-Fahrverbote und Straßen-Neugestaltungen.

Tempo 30 für die Lindenallee

Die Tür öffnet sich, und die Gruppe von der Lindenallee gibt Schaefer die Klinke in die Hand. Remo Müller ergreift auf dem Flur für die Gruppe das Wort. „Unser Anliegen wurde willig aufgenommen“, sagt der 62-Jährige. Die Anwohner fordern unter anderem Tempo 30 für die Lindenallee – eine Maßnahme, die im Aktionsplan zwar vorgesehen ist, aber wie viele andere Punkte von der Stadt nur umgesetzt werden darf, wenn die Landesbehörden dies für die Landstraße 821 (auch Robert-Koch-Straße und Wasserkurler Straße) zulassen.

Andrang auf Lärm-Sprechstunde: Anwohner fordern Tempo 30 auf L821

Wilhelm Heitmann, 83, fordert mehr Verkehrssicherheit auf der Lindenallee. Er kann einen ganzen Ordner mit Zeitungsausschnitten und seinen Eingaben ans Rathaus vorweisen. © Carsten Fischer

Jede Bürgeranregung wird hinter der braunen Tür notiert, damit sie später unter „Stellungnahmen“ im Lärmaktionsplan aufgelistet werden kann. Die Verwaltungsmitarbeiter Matthias Breuer, Karsten Harrach und Sandra Weichert sowie die Gutachterin und Aktionsplan-Mitverfasserin Sophia Soetermanns führen die Gespräche mit den Bürgern. Dennis Schafran, 32, schildert, als er draußen ist, dass er der Lindenallee gerast werde. „Sie können gern mal versuchen, von meinem Grundstück auszuparken“, sagt er.

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Dass Anwohner in Gruppenstärke erscheinen und der Andrang zu Beginn der Sprechstunde zeigen, dass der Ärger über ungelöste Verkehrsprobleme verbreitet ist und Betroffene eint. Ob dies Eindruck auf die übergeordneten Behörden macht und den Bürgerforderungen Rückenwind verleiht, ist aber unklar. Das Papier des Lärmaktionsplans, der 2011 zum ersten Mal aufgestellt wurde und nun in der dritten Runde aktualisiert wird, ist geduldig. „Ich finde es gut, wenn sich die Anlieger abstimmen“, sagt der oberste Kamener Stadtplaner Uwe Liedtke, dem es obliegt, mit den Landesbehörden zu verhandeln.

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Tempo 30 ist nicht nur für die Lindenallee, sondern auch für die Wasserkurler Straße vorgesehen. Das freut Rolf Beckmann, 77, der die Sprechstunde besucht. Er macht sich keine Illusionen, dass dies schnell umgesetzt wird. über den Lärmaktionsplan. „Das werde ich nicht mehr erleben. Die Südkamener Spange hat 40 Jahre gedauert“, sagt er.

Andrang auf Lärm-Sprechstunde: Anwohner fordern Tempo 30 auf L821

Verkehrslärmsprechstunde mit (von links) Sophia Soetermanns, Sandra Weichert, Hans-Dieter Heidenreich und Karsten Harrach. Heidenreich fordert als Südkamener SPD-Ratsherr schon lange eine Sanierung und Neugestaltung der Dortmunder Allee. © Stefan Milk

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