Wann geht es los mit dem Neubau oder der Sanierung der Bäder? Freizeitschwimmer und Wassersportler warten nach Jahren der Debatten auf eine Entscheidung. Die steht nun kurz bevor.

Kamen, Bergkamen

, 14.05.2019, 15:33 Uhr / Lesedauer: 4 min

Anbaden ab dem Jahr 2022: Sowohl in Kamen als auch in Bergkamen können die Schwimmer vermutlich frühestens in drei bis vier Jahren in die Becken der neuen oder sanierten Freizeitbäder springen. Damit es nicht noch später wird und die Baukosten ins Unermessliche steigen, steht die Politik unter Druck. Sie muss jetzt zu Potte kommen und sich entscheiden.

Politische Entscheidungen stehen kurz bevor

Die Ratsbeschlüsse, so heißt es aus beiden Städten, könnten in Bergkamen im Juli, in Kamen im Juli oder September fallen, wie die Bürgermeister Roland Schäfer, Bergkamen, und Elke Kappen, Kamen, prognostizieren. In Bergkamen ist es klar: Ein neues Bad soll kommen. In Kamen ist es zumindest wahrscheinlich, dass es ebenso so kommt: Die SPD als Mehrheitsfraktion, noch unentschlossen, hat eine Fraktionssitzung zu dem Thema am 27. Mai angesetzt. „Wir wollen dann zu einer Entscheidung kommen“, so Fraktionschef Daniel Heidler auf Anfrage der Redaktion. Bei der Ratssitzung am Donnerstag, 4. Juli, könnte dann auch die Entscheidung im Stadtrat folgen. Nicht alle Fraktionen sind für ein neues Bad. Bürgermeisterin Elke Kappen hält auch den September (26. September) noch für ausreichend, mahnt aber: „Wir müssen zügig zu einer Lösung kommen.“

„In der ganzen Zeit, in der weiter diskutiert wird, geht die Kostenkurve nach oben“, so die Gutachterin Daniela Kersting bei der Einwohnerversammlung am Montagabend.

„In der ganzen Zeit, in der weiter diskutiert wird, geht die Kostenkurve nach oben“, so die Gutachterin Daniela Kersting bei der Einwohnerversammlung am Montagabend. © Borys Sarad

Druck durch exorbitante Preissteigerungen

Der Druck entsteht besonders durch die exorbitanten Preissteigerungen im Bausektor. Seit 2013 sind die Baupreise um 35 Prozent gestiegen, zuzeit kalkulieren Architekten mit jährlichen Steigerungen von 10 bis 15 Prozent. „In der ganzen Zeit, in der weiter diskutiert wird, geht die Kostenkurve nach oben“, so die Gutachterin Daniela Kersting bei der Einwohnerversammlung am Montagabend in der Stadthalle Kamen. Sie hat den Sanierungsbedarf der Kamener Bäder ermittelt, der mit circa 29 Mio. Euro beziffert wird – 24,3 Millionen Euro plus empfohlenen Risikopuffer von 5 Mio. Euro. Die Kosten des Neubaus, die mit etwa 26 Millionen Euro geschätzt werden, könnten am Ende ebenso hoch sein, wenn man die Preissteigerungen auf dem Bau berücksichtigt. Architekt Heinrich Brinkhus, der den Entwurf fürs Kombibad entwickelt hat, sagt: „Die Zeit arbeitet gegen uns. Die Preise sind auch sehr weit oben, weil es wenig Firmen gibt, die diese Spezialarbeiten ausführen können.“ Und auf vielen Großbaustellen würden Fachfirmen statt mit 15 nur mit vier Kräften arbeiten, weil Fachleute fehlten.

Der Blick auf den Außenbereich des Kombibades, für das ein Beschluss im Juli gefällt werden könnte. Zentrales Element bildet das 50-Meter-Sportbecken.

Der Blick auf den Außenbereich des Kombibades, für das ein Beschluss im Juli gefällt werden könnte. Zentrales Element bildet das 50-Meter-Sportbecken.

Entscheidung in Bergkamen im Juli

Auch Bergkamens Bürgermeister sieht Zeitdruck wegen der Baukosten. Er will deshalb noch vor den Sommerferien eine Entscheidung, wie das neue Bergkamener Bad ausgestattet sein soll. Bis zur Ratssitzung am 11. Juli soll die Stadtverwaltung einen Vorschlag erarbeiten. Bei einem Termin am Donnerstag, 23. Mai, um 18 Uhr im Fakt Campus können sich Vereine und Bürger noch einmal zu ihren Wünschen äußern. Die werden aber wohl nicht alle erfüllt werden können, wie Schäfer sagte. „Wir müssen ein Konzept finden, bei dem die Investitionskosten und späteren Betriebskosten für uns finanzierbar bleiben“, sagte er. Es geht unter anderen darum, wie viele Bahnen das Sportbecken im Bad bekommen soll, ob und wo ein Sprungturm gebaut wird und wohl auch, ob das Bad ein „Cabriodach“ bekommt und sich bei guten Wetter in ein Fast-Freibad verwandeln lässt.

Sobald der Stadtrat die Ausstattung des neuen Bades beschlossen hat, sollen die GSW einen Architekten beauftragen, der diesen Beschluss in einen Entwurf umsetzt. Die Zeit, die er dazu benötigt, soll der Stadtrat nutzen, um über ein geeignetes Betreibermodell für das Bad zu diskutieren und es am Ende zu beschließen. Die Kommunalpolitik will, dass das neue Bad nicht mehr nur von den GSW „verwaltet“ wird, wie einige Kommunalpolitiker kritisierten. Möglich wäre, dass die Stadtwerke eine eigene Betreibergesellschaft mit Fachleuten gründen oder das Bad an einen professionellen Betreiber verpachten.

Bereits vor einigen Monaten hatte Schäfer gesagt, dass er sich einen Baustart im kommenden Jahr vorstellt.

Großzügig und lichtdurchflutet: Der Eltern-Kind-Bereich unter grünem Blätter-Himmel.

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Baustart in Kamen nach der Freibadsaison 2021

Die Kamener Bürger, so spürte man bei der Einwohnerversammlung am Montag, wollen nun wissen, wie es weiter geht. „Wir müssen weiterkommen. Auch wegen des Sanierungsbedarfs der alten Bäder. Das ist ja verschenktes Geld, was wir dort noch investieren“, sagt Bürgermeisterin Kappen, die zusammen mit Brinkhus einen festen Zeitplan vor Augen hat, der allerdings ein Jahr später endet als der in Bergkamen: Ein Ratsbeschluss im Juli oder September. Falls wie erwartet die Entscheidung pro Kombibad ausfällt, danach die weitere Detailplanung über zwei bis drei Monate. „Wir haben den Vorteil, dass wir bereits einen ziemlich genauen Vorentwurf haben“, so Brinkhus. Während der weiteren Planung und der folgenden Genehmigungsphase (zwei bis drei Wochen) könnte es im kommenden Jahr in die Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten gehen: Nach dem Ende der Freibadsaison 2021 ist dann der Baustart vorgesehen: Abbruch- und Gründungsarbeiten, dann der Neubau. „Wir rechnen mit 20 bis 24 Monaten, wenn alles gut läuft“, so Brinkhus. Nach Fertigstellung muss das Wasser des neuen Bades noch über zwei Wochen beprobt werden, zusätzlich ist ein Probebetrieb von vier bis sechs Wochen empfohlen. „Deswegen“, mahnt er: „Lassen Sie uns möglichst früh mit dem Bau beginnen!“ Man spürt, auch er würde gern schon nächstes Jahr loslegen.

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Noch ein Risiko im Zeitplan

Was den Zeitplan noch verzögern könnte: Die Entscheidung muss noch bei den Gemeinschaftsstadtwerken Kamen-Bönen-Bergkamen in der Gesellschafterversammlung durchgewunken werden. Dort könnte es noch Diskussionsbedarf geben über die Verteilung der finanziellen Lasten, die sich die Städte Kamen, Bergkamen und Bönen untereinander teilen. Dabei geht es im Kern darum, ob die Partner der Meinung sind, dass die Planungen der anderen zu luxuriös geraten sind. Wer gönnt dem anderen eine neue Wasserrutsche, wer wem die Sprungtürme? „Die Spannung liegt im Geld“, sagt GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl. Dennoch hofft er, dass die Städte jetzt Nägel mit Köpfen machen. „Wir planen jetzt seit mehreren Jahren und haben viele Vorleistungen erbracht. Jetzt sollte man langsam wissen, was man will.“

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