„Verkehrsregeln sollte man immer beachten, egal ob man sein Kind wegbringt oder nicht.“ Diese Aussage eines Schülers zielt auf die sogenannten Elterntaxis, die morgens für Gefahren sorgen.

von K. Pietrangeli und J. Dresemann

Kamen

, 26.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Busse, die nicht vernünftig an der Haltestelle halten können, und Motorradparkplätze, die von Autos genutzt werden. Auf dem Abbiegestreifen zum Schulparkplatz hat sich wieder eine lange Autoschlange gebildet, während nebenan hektisch hin und her rangiert wird. Auch die Behindertenparkplätze werden angesteuert, um Kinder schnell ein- und aussteigen zu lassen.

Das Gewusel ist groß, wenn der Unterricht an den Schulen beginnt oder beendet ist.

Jetzt haben Stadtverwaltung und örtliche Polizei beschlossen, gegen Verkehrsregeln missachtende Eltern vorzugehen. Vor allem die Schulkinder, die in Kamen zur Schule gehen, sind bei dem ganzen Durcheinander gefährdet. Deswegen wird die Polizei ab Februar präsenter vor örtlichen Schulen sein. Das soll in Form von strengeren Verkehrskontrollen und Bußgeldern in Höhe von 15 Euro geschehen.

„Am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule“: Das sagen die Kamener zum Thema Elterntaxi

Sogenannte Elterntaxis, die vor der Fridtjof-Nansen-Realschule im Halteverbot oder auf weiß eingezeichneten Markierungen parken. © Kiana Pietrangeli

Skeptische Blicke auf die Verkehrs-Rangelei

Viele Eltern blicken ebenfalls skeptisch auf die wilde Verkehrs-Rangelei.

Für die Kamenerin Stefanie Kowald, zweifache Mutter, ist es Ritual, ihre Tochter morgens zu Fuß zur Kamener Diesterweg Grundschule zu bringen. Dabei trifft sie nach eigenen Angaben auch auf einige Eltern, die die Verkehrsregeln nicht befolgen.

Sie berichtet von Elterntaxis, die bei Rot über die Ampel fahren und schimpfen. Eine weitere Dame, die namentlich nicht genannt werden will, fordert: ,,Die Kinder sollen am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen“. Sie wohnt in der Nähe des Städtischen Gymnasiums und findet es unnötig, dass das Nachbarskind zur Schule gefahren wird, obwohl es so nah an der Schule wohnt.

„Am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule“: Das sagen die Kamener zum Thema Elterntaxi

Auch Behindertenparkplätze, hier am Parkplatz vor der Diesterwegschule und dem Gymnasium, werden zeitweise von einigen Eltern unerlaubt genutzt. © Kiana Pietrangeli

Verschärfte Präsenz vor den Schulen begrüßt

Bei der Umfrage unserer Redaktion ergaben sich verschiedene Gründe, warum Kinder von ihren Eltern zur Schule gefahren werden.

Jennifer Zumholte, die in Bergkamen wohnt, sieht keine andere Möglichkeit, als ihr Kind mit dem Auto zu bringen, da der Weg zur Schule zu weit ist.

Auch für Simone Possovard ist es praktischer, ihre Kinder zu fahren, weil sie anschließend direkt zur Arbeit muss. Sie beachte allerdings die Verkehrsregeln und hält die verschärfte Präsenz von Polizei und städtischen Außendienstkräften für durchaus sinnvoll.

Uwe und Christel Klose halten die Verkehrskontrollen für notwendig: „Allerdings sind wir der Meinung, dass nur eine wirklich regelmäßige Kontrolle etwas an der Problematik ändern wird.“

„Am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule“: Das sagen die Kamener zum Thema Elterntaxi

Zugeparkte Motorradparkplätze an der Gutenbergstraße. Der große Parkplatz vor der Gesamtschule und der Realschule wird von Eltern, Lehrern und Schülern angesteuert. © Kiana Pietrangeli

,,Man sollte solchen Leuten den Führerschein abnehmen“

Andreas Rasel, Vater von zwei Kindern, die ebenfalls die Diesterweg-Grundschule besuchen, wirft einen kritischen Blick auf die Situation. Er berichtet über Eltern, die im Halteverbot parken, Vorfahrten schneiden und selbst Behindertenparkplätze zuparken. Kinder, wie auch deren Eltern, seien häufiger fast angefahren worden – für ihn eine Gefährdung der Kinder, weshalb auch, so sagt er, ,,noch härter durchgegriffen“ werden soll: „Das Bußgeld ist viel zu wenig. 15 oder 30 Euro sind immer noch zu wenig. Am besten 70 Euro.“ Seine Aussage ,,Man sollte solchen Leuten den Führerschein abnehmen“ findet auch bei anderen Eltern Zustimmung. Er hält eine Verschärfung der Polizeikontrollen ebenso für sinnvoll und nötig.

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Aus der Perspektive der Lehrer und Schüler

An manchen Schulen nehmen die Lehrer bereits die Kontrollen selbst in die Hand.

Dies berichtete ein Lehrer an der Gutenbergstraße, der die Situation frühmorgens als chaotisch beschreibt. Auch einige Schüler äußerten sich. „Ich habe noch nie beobachtet, dass Elterntaxis über Rot fahren“, sagt Niklas, der die siebte Klasse besucht, vor dem Städtischen Gymnasium. Und dennoch: Ihn verunsichert der oftmals zugeparkte Parkplatz, da er nicht weiß, wann ein Auto anfahren wird. Er sagt: „Verkehrsregeln sollte man immer beachten, egal ob man sein Kind wegbringt oder nicht“.

An der Gesamtschule berichtet ein Sechstklässler, der ungenannt bleiben will, dass einige Autofahrer die Bushaltestellen zuparken und die Busse dann dort nicht halten können. Selbst auf Schüler, die den Zebrastreifen überqueren wollen, wird öfters keine Rücksicht genommen.

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Es geht auch anders

An der Südschule sind laut Aussagen von Dr. Quinna genügend Parkmöglichkeiten, um die Rangeleien zu verhindern. Er ist der Auffassung, dass es dort gut gelöst ist. Es ist ihm dennoch bewusst, dass dieses Problem einige andere Schulen betrifft und er wünscht sich, dass sich auch andere Städte in Zukunft darum kümmern.

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