Altro Mondo rühmt sich mit Vorzeigeobjekt, aber das ist eine Bauruine

dzMutmaßlicher Problemvermieter

Die Wohnungsfirma Altro Mondo wehrt sich gegen den Eindruck, ein Problemvermieter zu sein. Als Beleg dienen Vorher-Nachher-Fotos mutmaßlich revitalisierter Standorte. In Kamen entpuppt sich ein Vorzeigeobjekt aber als Bauruine.

Kamen

, 04.10.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wohnungsunternehmen Altro Mondo steht massiv in der Kritik, und das nicht erst, seit Kontrollen in zehn Städten zahlreiche Mängel an Immobilien offenbart haben. Nun reagiert der mutmaßliche Problemvermieter mit einer PR-Offensive auf die von Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) initierten Kontrollen und kündigt Maßnahmen an.

Nachdem Altro Mondo bislang oft eine Kölner Anwaltskanzlei für sich hatte sprechen lassen, trat am Freitag eine Kölner PR-Agentur in Erscheinung. In einer von der Agentur verschickten Pressemitteilung beteuert Altro Mondo, dass ein großer Teil seiner Wohngebäude in gutem bis sehr guten Zustand sei und man in den vergangenen Jahren 110 Millionen Euro investiert habe. Weitere 30 Millionen Euro seien bis Jahresende eingeplant.

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Beigefügt ist als Beleg ein über 60-seitiges Dokument mit dem Titel „Erfolgreich abgeschlossene Revitalisierungen“. Es enthält eine Liste, Lagepläne und Abbildungen von Immobilien in den zehn Städten. Den Fotos ist zu entnehmen, wie einzelne Standorte vor der Übernahme und nach der „Revitalisierung“ durch Altro Mondo aussahen. Die Botschaft: Altro Mondo hat die abgebildeten Standorte flottgemacht und ist kein rücksichtsloser Immobilienspekulant.

Kamen sind fünf Seiten in dem Dokument gewidmet. Zu sehen sind Außenaufnahmen von bekanntermaßen renovierten Wohnblocks aus dem Bereich Auf dem Spiek, Karl-Arnold-Straße und Blumenstraße. Dazu sind Wohnungen und Treppenhäuser im Vorher-Nachher-Zustand abgebildet.

Unerledigter Sanierungsfall

Das Dokument wirft im Detail Fragen auf: Denn zu der Erzählung von der erfolgreichen „Revitalisierung“ passt eine Abbildung nicht. Im „Vorher“-Zustand ist das unbewohnte und teilweise zugemauerte Mehrfamilienhaus Blumenstraße 5 zu sehen. Diesem Foto ist eine mit „Nachher“ bezeichnete Ansicht weiterer Gebäude an der Blumenstraße gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung könnte den Eindruck erwecken, dass die Ruine Nr. 5 bereits erfolgreich revitalisiert wurde. Tatsächlich ist das vermeintliche Musterbeispiel ein unerledigter Sanierungsfall, über den Altro Mondo bislang nichts Neues vermelden konnte.

Mieter bekommen Fragebögen

Und so geht es jetzt nach den Kontrollen weiter: Altro Mondo will „alle Mieter der betroffenen Wohngebäude“ anschreiben und sie bitten, mit einem beiliegenden Fragebogen festgestellte Mängel zu melden. Diese werden, sofern durch Altro Mondo zu verantworten, „anschließend schnellstmöglich behoben“. Inzwischen haben Altro Mondo offenbar auch die Ergebnisse der Kontrollen erreicht. Man werde die von den Ordnungsbehörden festgestellten Mängel sorgfältig prüfen und, so weit die Beschwerden berechtigt seien, so „schnell wie möglich“ abstellen, heißt es.

Der bereits angekündigte zusätzliche Standort in NRW soll Düsseldorf sein. Dort wird eine Immobilienverwaltung angesiedelt, in der rund 30 Mitarbeiter für eine verbesserte Betreuung der Wohnhäuser und Mieter sorgen sollen. Einen angestrebten Gesprächstermin mit Bauministerin Scharrenbach hat Altro Mondo bislang nicht bekommen.

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