Alter Trabi wird für Petra Zapatero zum Meisterstück

dz30 Jahre Mauerfall

Das Kultauto aus DDR-Zeiten stand einsam und verstaubt in einer Scheune - bis Petra Zapatero den Trabi sah. Sofort hatte sie eine Vision. Heute ist der Trabant ihr Meisterstück.

Kamen

, 26.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kamener Künstlerin Petra Zapatero darf jetzt den Meistertitel tragen. Ihr Meisterstück: ein echter Blickfang. Bei schönem Wetter steht er vor der Ladentür an der Westenmauer, bei schlechtem Wetter darf er in der Garage bleiben. Aktuell ist der kunstvoll bemalte Trabi allerdings in Fröndenberg in einer Ausstellung zu sehen. Und auch dort zieht das Ausstellungsstück alle Augen auf sich.

Albert Einstein auf der Motorhaube

Auf dem Kofferraum leuchtet ein Turnschuh, auf dem Dach eine Malpalette mit Pinsel - das Markenzeichen von Petra Zapatero. Die Fahrzeugseiten sind von scheinbaren Farbverläufen geprägt, doch tatsächlich sind dort Elemente zu sehen, die sich die Diplom-Malerin/Grafikerin und seit neuestem Meisterin hat schützen lassen: ihre Imaginären Welten.

Alter Trabi wird für Petra Zapatero zum Meisterstück

Auf der Motorhaus des DDR-Fahrzeugs prangt das Portrait von Albert Einstein. Ein Mann, den Petra Zapatero sehr bewundert. © privat

Doch das allein ist es nicht, was dem DDR-Fahrzeug 30 Jahre, nachdem es vom Band rollte, zu seinem Namen verhalf: Die Motorhaube ziert ein großformatiges Porträt von Albert Einstein. „Das zu malen war schwieriger, als ich es mir vorgestellt habe“, gibt die Künstlerin zu. Die Farbe reagierte nämlich völlig anders als erwartet mit dem Untergrund. „Immer, wenn ich wischen wollte, war sie schon trocken. Das ging rasend schnell“, erklärt Petra Zapatero. Und da es im wahrsten Sinne des Wortes ihr Meisterstück werden sollte und die Künstlerin ihr in jahrelangem Studium sowie in Meisterkursen erworbenes Wissen und Können unter Beweis stellen wollte, malte sie ausschließlich freihändig mit dem Pinsel. „Es gab keine Schablone, keine Projizierung. Das ist nicht mein Stil“, sagt die frisch gebackene Meisterin. Kurzerhand baute sie die Motorhaube wieder aus, stellte sie im Atelier auf zwei Staffeleien und machte sich ans Werk.

Alter Trabi wird für Petra Zapatero zum Meisterstück

Die Seiten des Trabi zieren Imaginäre Welten. Ein Motiv, dass sich die Kamener Künstlerin bereits schützen ließ. © privat

Der Trabi-Kauf war ein Zufall

Kultauto aus DDR-Zeiten

Der Trabant

  • Trabi ist die liebevolle Abkürzung für Trabant, die seit 1958 in Serie gebaute Pkw-Reihe des volkseigenen Betriebs (VEB) Automobilwerk Zwickau, später VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau.
  • Der Frontantriebler mit quer eingebautem Motor galt als moderner Kleinwagen und war – wie auf westdeutscher Seite der VW Käfer – schnell weit verbreitet.
  • Der letzte Trabant rollte 1990 vom Band – im Vergleich zum Prototyp nur unwesentlich motifiziert, weshalb er die Erstarrung der DDR-Wirtschaft widerspiegelte.
  • Dennoch wurde der Trabant P 601 in den Jahren 1989/1990 zu einem Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands. Er wurde zu einem Kultfahrzeug mit umfangreichem Freundeskreis.
  • Den Zweitakter zu bewegen erfordert jedoch ein wenig Geschick - und bequem ist eine Fahrt mit ihm keinesfalls. Er ist laut und hat einen hohen Treibstoffverbrauch.

Dass der Trabant ihr Meisterstück werden sollte, ist einem Zufall zu verdanken. Beim Besuch einer alten Lagerhalle kam ihr das Fahrzeug unter die Augen. „Einsam und verstaubt“, erinnert sich Petra Zapatero. Sofort hatte sie „eine Vision“, und wollte sie umsetzen. Mit der Hilfe ihres Mannes und Fachwerkstätten machte sie das Fahrzeug, dass zehn Jahre lang nicht bewegt worden war, innerhalb eines Jahres wieder flott. Der Optik half sie selbst auf die Sprünge. Die Grundierung hatte sie zwar noch machen lassen, aber dann nahm sie das Fahrzeug unter Pinsel und Farbe. Über ein halbes Jahr verteilt malte sie immer wieder daran, bis am Ende alles fertig war.

Kunstprojekt, Meisterstück und Aushängeschild

„Ich mache immer wieder gerne Kunstprojekte“, verrät die Künstlerin - und dieses war etwas so Besonderes, dass sie es zum Inhalt ihrer Meisterprüfung machen wollte. Während andere ihre Meisterstücke allerdings in die Vitrine stellen und hüten wie ihren Augapfel, geht Petra Zapatero andere Wege. Bevor man ihr Stück in der Regel sieht, hört man es, denn der Zweitakter ist tatsächlich im Straßenverkehr unterwegs. „Ich wollte ihm sein Leben zurückgeben und wieder der Straße zuführen“, sagt Petra Zapatero. Angst, dass es einen Unfall geben könnte, hat sie nicht. „Es kann immer was passieren. Aber das Auto hat es verdient, auf der Straße zu fahren. Und es macht Spaß, damit zu fahren.“ Und dank abgeschlossenem Projekt und bestandener Meisterprüfung hat sie nun auch noch einen ganz besonderen Werbeträger für ihr Atelier. „Drei Fliegen mit einer Klappe“, sagt sie lachend.

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