Alte Kneipen aus Holzwickede und Bergkamen leben weiter. In Methlers neuem Mittelpunkt

dzVereinsheim-Eröffnung zur Pflaumenkirmes

Methler hat einen neuen Mittelpunkt. Der RV Wanderlust hat sein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Nach wochenlangen Arbeiten ist das Vereinsheim fertig. Dort lebt alte Kneipengeschichte weiter.

Kamen

, 10.09.2019, 15:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn die elektrische Schiebetür der alten Bäckereifiliale „Heuel“ aufgleitet, ist man schon mittendrin in der guten Stube des RV Wanderlust.

Atmosphärisch, familiär, anheimelnd schön. Der Verein hat damit sein ehrgeiziges Vorhaben in die Tat umgesetzt. Ein altes Ladenlokal, leer stehend, als neuen Dorfmittelpunkt herzurichten.

Viele Tage harter Arbeit waren dazu notwendig. „Jetzt ist es geschafft. Und ich kann nur Danke dafür sagen, dass sich so viele für unser Dorf eingesetzt haben“, sagt der Vorsitzende Manfred Chytralla und hebt ein Glas Sekt.

Alte Kneipen aus Holzwickede und Bergkamen leben weiter. In Methlers neuem Mittelpunkt

Mitglieder des RV Wanderlust kredenzen zur Pflaumenkirmes entsprechenden Likör. Dazu müssen die Pflaumen zuvor angestochen werden, damit sie auch richtig gehaltvoll sind. © Privat

Die rustikale Theke aus dem Holzwickeder Dorfkrug

An dem Morgen sind fast alle der ehrenamtlichen Helfer vor Ort, um sich das Resultat der wochenlangen Sanierungsarbeiten anzusehen.

Erst vor einigen Tagen ist die große Theke aus dem Dorfkrug Holzwickede an die Otto-Prein-Straße transportiert worden. Neun Kräfte mussten anfassen, um das gute Stück zu heben.

Jetzt bildet das rustikale Möbelstück, in dem eine Glasvitrine eingebaut ist, optisch den Mittelpunkt. Die Keramikleuchten, ebenfalls aus einer Gaststätte, werden bis zur Pflaumenkirmes noch über der Theke befestigt. „Das hat auch alles mit Nachhaltigkeit zu tun“, sagt Chytralla schmunzelnd und lenkt den Blick auf den Knobeltisch aus der Gaststätte Betticher und die kupferne Wanduhr, die aus der Bergkamener Gaststätte „Haus Heil“ stammt. Darüber schweben die fünfblättrigen Ventilatoren, ebenfalls aus dem Dorfkrug. Hier findet sich Kneipenkultur wieder in einem neuen Zusammenhang.

Alte Kneipen aus Holzwickede und Bergkamen leben weiter. In Methlers neuem Mittelpunkt

Keramikleuchten, die zuvor im Holzwickeder Dorfkrug hingen, zieren jetzt das neue Vereinsheim des RV Wanderlust. Sie werden an einem Holzbalken, der über der alten Dorfkrug-Theke aufgehängt wird, platziert. © Stefan Milk

Auch Kritiker sind jetzt Feuer und Flamme für das Projekt

Als Chytralla das Projekt vor einigen Monaten vorstellte, fanden das einige Mitglieder nicht so prickelnd. Bei der Abstimmung in der Mitgliederversammlung gab es auch Widerstand.

Einige Kritiker, so Chytralla jetzt, seien mittlerweile Feuer und Flamme für das Projekt: „Darunter welche, die sich jetzt besonders stark eingebracht haben.“ Und es sind Aktive dabei, die vorher noch gar nicht Mitglied im Verein waren und nur über das Engagement für die Dorfmitte in die Gemeinschaft gefunden haben.

Etwa 25 neue Mitglieder zählte Chytralla zuletzt. Der ehrenamtliche Einsatz schweißt das Dorf zusammen.

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Das neue Vereinsheim des RV Wanderlust

„Man sieht ja, wie sich das Dorf verändert hat“

Dazu gehören Marion und Martin Jacobi, die jetzt dem Verein beigetreten sind. „Man sieht ja, wie sich das Dorf verändert hat und ein Treffpunkt nach dem anderen weggefallen ist“, schildert Martin Jacobi seine Motivation, kräftig mitanzupacken. „Jeder möchte doch im Umfeld die Möglichkeit haben, Kontakte zu haben und zu pflegen. Dieser Treffpunkt kommt der Allgemeinheit zugute.“

Die Jacobis haben sogar in mehrfacher Hinsicht einen Bezug zu dem neuen Vereinsheim. Nicht nur, weil sie jetzt ganz in der Nähe wohnen, sondern auch, weil sie zuvor auch in Holzwickede lebten - „nur ein paar hundert Meter weit weg vom Dorfkrug“, wie Jacobi sagt. „Deswegen ist uns die Einrichtung sehr vertraut.“

Alte Kneipen aus Holzwickede und Bergkamen leben weiter. In Methlers neuem Mittelpunkt

Die Küche steht. Jetzt muss nur noch eingeräumt werden, was an Inventar aus Dorfkrug, Haus Heil und der Gaststätte Betticher gerettet wurde. © Stefan Milk

Pflaumenkuchen und Pflaumenlikör zur Pflaumenkirmes

Am Freitag öffnet das neue Vereinsheim nun zum ersten Mal. Wenn die Pflaumenkirmes um 15 Uhr beginnt, dann können die Besucher auch das neue RV-Heim besichtigen. Und dabei den Pflaumenkuchen probieren, der von der Methleraner Bäckerei Sadlowski geliefert wird. Auch gegenüber im Restaurant „Bei Tino“ wird es Kuchen geben. „Wir wollen uns aber keine Konkurrenz liefern, sondern im Miteinander die Dorfmitte beleben“, so Chytralla. Es gibt im Übrigen nicht nur Pflaumenkuchen, sondern auch Pflaumenlikör. Landwirt Holger Locke hat dazu die Pflaumen beigesteuert. Die Mitglieder produzierten in Gemeinschaftsarbeit das gehaltvolle Getränke, indem sie die Pflaumen zuvor anstachen, bevor sie mit Alkohol getränkt wurden.

Bürgermeisterin würdigt das Engagement

Bürgermeisterin Elke Kappen bedankte sich nunmehr für die Stadt Kamen, die das Projekt von Anfang an mit kleinen Hilfen unterstützt hat. „In Zeiten, in denen auch viel gemeckert wird, ist ein solches Engagement begeisternd“, sagte sie bei dem Besuch, bei dem sie ein Frühstück spendierte. „Denn wo kann man sich hier noch treffen im Angesicht des Kneipensterbens?“

Nun, das dürfte jetzt klar sein. Im neuen Vereinsheim des RV Wanderlust. Ab Freitag vier Tage lang geöffnet. Dann dreht sich nicht nur die Pflaumenkirmes, sondern auch alles um den neuen Dorfmittelpunkt!

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