Als Kamener Jugendliche gegen Dieter Thomas Heck demonstrierten

dz50 Jahre Konzertaula

Am 15. Oktober wird die Kamener Konzertaula 50 Jahre alt. Jochen Preising, ein Zeitzeuge mit engsten Beziehungen vor allem zu ihrer frühen Geschichte, erinnert sich.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 14.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kamener Konzertaula war und bleibt ein Ort, der Menschen einfach magisch anzieht. Ein starkes Stück Kamen und ein Aushängeschild des Kreises: Nach einem halben Jahrhundert glanzvoller Geschichte findet Jochen Preising: „Es ist Zeit, einmal danke zu sagen. Dankeschön für eine solche Kultureinrichtung!“

Der inzwischen 72-Jährige gehörte 1969 zum Club der kreativen Köpfe, deren Engagement und Einfallsreichtum den Erfolg der Aula in den Anfangsjahren mit begründete. Wie anders ließe sich erklären, dass eine Show mit dem Titel „der getanzte Verwaltungsbericht“ tatsächlich an die 1000 Jugendliche aus dem ganzen Kreis anlockte? Klar, die „Dakotas“ aus Herne, die „Red Roosters“ aus Unna und „Electric Mud“ aus Kamen – das waren schon mehr als angesagte Bands damals. Dazu Gunter Gabriel als DJ und drei attraktive Tänzerinnen aus Amsterdam, die mit Charme und Technik den Veranstaltungsnamen in Szene setzten: Die Mischung elektrisierte wirklich und ließ die Nachbarn staunen, was in Kamen alles möglich war.

Große europäische Bands

Und möglich blieb: Damals wirklich große europäische Bands wie „Exception“, „Focus“ oder „Bots“ („Was wollen wir trinken?“) entdeckten die Konzertaula als Location mit avantgardistischer Architektur, überragender Akustik und begeisterungsfähigem Publikum. Vielleicht punktete aber auch das Team um Kamens findigen Kulturamtsleiter Günter Brill, Helmut Spyra vom Medienzentrum des Kreises (damals „Kreisbildstelle“) und eben Jochen Preising, der die renommierten Künstler mit seinem alten VW Käfer vom Bahnhof in die Stadt brachte.

Protest gegen ZDF-Hitparade

„Es waren schon bewegte Zeiten“, schildert der inzwischen in Fröndenberg lebende Preising. „Woodstock, die Mondlandung, Willy Brandts Forderung nach mehr Demokratie“, Erklärungen für die Aufbruchstimmung, die besonders stark eben auch in Kamen zu spüren gewesen sei. Konkret äußerte sich das zum Beispiel, als junge Leute sich über eine in Kamen aufgenommene Folge der „ZDF-Hitparade“ aufregten. „Wir haben uns vor den Eingang gesetzt und gegen Dieter Thomas Heck protestiert“, erinnert sich Preising. Als Konkurrenzveranstaltung habe man noch in der Glückaufschule einen Stones-Film gezeigt.

Auch Konzertvormiete hat Jubiläum

Dass die folgenden 50 Jahre dem Anfangsglanz der Konzertaula nicht viel anhaben konnten, verdankte sich dem Zusammenspiel vieler Akteure. Die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen und ihre Chefs gehörten und gehören dazu; dass das Orchester in der Aula einen ihrer Heimatorte hat, war einfach ein Segen für das Kulturangebot im Kreis Unna. „Deshalb sollten wir auch daran denken, dass auch die Konzertvormiete jetzt 50 Jahre alt wird, der wir in Kamen und den Nachbarstädten immer noch so großartige Veranstaltungen zu verdanken haben“, betont Preising.

„So oder so“

Wer noch ein wenig tiefer in die aufregende Geschichte der heimischen Kulturszene und ihrer Protagonisten, der sollte sich vielleicht schon einmal den Titel des neuen Buchs von Jochen Preising merken: Es heißt „so oder so“, erscheint im November im „Förderturm“-Verlag und es enthält 60 Lieder, 40 Gedichte und einige Geschichten aus den aufregenden frühen Jahren der Kamener Konzertaula und von ihren Fans.

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