Als Familie Rosenfeld aus Kamen vertrieben wurde

November-Pogrome

Die November-Pogrome vor 80 Jahren richteten sich auch gegen Kamener. „Stolpersteine“ am Marktplatz sind heute Zeichen für den damaligen Terror gegen die Familien Rosenfeld und Wolff.

Kamen

09.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Als Familie Rosenfeld aus Kamen vertrieben wurde

Else Wolff starb 2006 im Alter von 103 Jahren in Kalifornien.

Der 80. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 ist heute bei einer Gedenkfeier ab 16 Uhr am Mahnmal am Sesekedamm und anschließend im Haus der Stadtgeschichte der Anlass, an die judenfeindlichen Aggressionen des NS-Regimes in Kamen zu erinnern.

Es begann mit der Polenaktion Ende Oktober. 17.000 im Deutschen Reich lebende, aus Polen eingewanderte Juden wurden gewaltsam und für die Betroffenen völlig überraschend an die polnische Grenze abgeschoben.

„Stolpersteine“ am Marktplatz sind heute Zeichen für den damaligen Terror gegen die Familien Rosenfeld und Wolff. Guste Rosenfeld, 1893 bei Zakopane geboren, musste mit den Kindern Heinz Bernd (16) und Edith (12) fluchtartig ihre Wohnung am Goldbach und das Geschäft am Markt verlassen und sich in tagelanger Irrfahrt an die Grenze und weiter nach Krakau verfrachten lassen. Der Vater Fabian Rosenfeld war seit Jahren in einer Heilanstalt untergebracht und wurde 1940 im Rahmen der „Euthanasie“ ermordet, wie der Kamener Historiker Klaus Goehrke berichtet. Guste Rosenfeld und ihre Kinder kamen 1941 in das Ghetto Krakau, 1942 in das KZ Plaszow dort und schließlich im Mai 1944 nach Auschwitz. Die Mutter wurde vergast, die Kinder überlebten als jugendliche Zwangsarbeiter, von Auschwitz nach Liberec (Reichenberg) in Tschechien verlegt, wo sie am 9. Mai befreit wurden. Die Abschiebungsaktion war bekanntlich für Herschel Grynszpan, dessen Eltern betroffen waren, der Anlass, am 7. November in Paris auf den deutschen Botschaftsmitarbeiter Ernst vom Rath zu schießen; dessen Tod am 9. November war wiederum der Anlass für das folgende Pogrom. Es ist hinlänglich aufgeklärt, was in dieser Nacht in Kamen geschah. Besonders betroffen war Familie Wolff. Sie ist zwar nur mit einem „Stolperstein“ vor ihrem Haus am Markt vertreten, aber traurige Tatsache ist, dass alle Geschwister von Fritz Wolff dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, nur eben verschleppt aus anderen Orten.

Das Geschehen ist in einem Theaterstück von Klaus Goehrke dargestellt. Es heißt „Herausgerissen. 1938 – Else Wolff und die Zeit des braunen Terrors“. Dort wird der Leidensweg der Familie Wolff von 1933 bis zu ihrer Flucht 1939 augenfällig nachgezeichnet, ohne dass die historische Realität überhöht ist. Zugrunde liegen die Auskünfte von Else Wolff, die 2006 im hohen Alter von 103 Jahren in Kalifornien starb.

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