200 Jahre Schützenverein Kamen: Ein Jubiläum, das am Sonntag groß gefeiert wird. Schütze Wolfgang Freese sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass die wechselvolle Geschichte dokumentiert wird.

Kamen

, 22.01.2020, 13:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

200 Jahre Schützenverein Kamen. Ein Ereignis, das am Sonntag, 26. Januar, mit einem Festakt, zu dem sich Heimatministerin Ina Scharrenbach angekündigt hat, gebührend gefeiert wird.

Der Festakt, bei dem das Festabzeichen und das Jubiläumsschild mit dem Schriftzug „200 Jahre Schützenverein Kamen“ vorgestellt werden, beginnt um 11 Uhr in der Schützenheide. Schützenkönigin Ina Mendyk wird dabei den Jubiläumsvogel für das Vogelschießen am 25. Juli taufen. Denn das Schützenfest im Sommer, verteilt auf mehrere Termine, ist zentraler Bestandteil der 200-Jahr-Feierlichkeiten.

Als der Bürgermeister Schützenkönig wurde: Kamens Schützen feiern 200. Geburtstag

Ein besonderer Fund 1986 im Stadtarchiv, als ein Protokollbuch aus dem Gründungsjahr gefunden wird. In Augenschein nehmen es (v.l.) Gerd Muermann, Stadtarchivar Jürgen Kistner, Wolfgang Freese, Gustav Ebbinghaus und Heinrich Bachmannn. © Privat

Der Blick auf die wechselvolle Geschichte

Am Sonntag erfolgt nun zunächst der Festakt. Dabei richtet sich der Blick auf die wechselvolle Geschichte, die der Chronist Wolfgang Freese, seit 1976 Mitglied im Schützenverein und seit 19 Jahren Pressewart, mit aufwendigen Recherchen und in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen hat. An ein Jahr erinnert sich der 78-Jährige besonders gern.

An das Jahr 1986, als ein Protokollbuch aus dem Gründungsjahr des Schützenvereins, 1820, entdeckt wurde. Freese hatte das für den Schützenverein unschätzbar wertvolle Dokument mit dem damaligen Stadtarchivar Hans-Jürgen Kistner aus dem Stadtarchiv „ausgegraben“, wie er schmunzelnd sagt.

Als der Bürgermeister Schützenkönig wurde: Kamens Schützen feiern 200. Geburtstag

Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) wird am Sonntag beim Festakt des Schützenvereins Kamen in der Schützenheide erwartet. © picture alliance/dpa

Ein amtliches Protokoll schon aus dem Jahre 1568

Die eigentliche Geschichte der Schützen beginnt schon viel früher. In einem amtlichen Protokoll aus dem Jahre 1568 werden die Schützen als städtische Einrichtung bei einer Grenzbegehung zum ersten Mal urkundlich erwähnt. „Nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon werden mit dem Aufkommen patriotischer Bestrebungen und regierungsseitiger Ermunterung in Westfalen die alten Schützentraditionen wiederbelebt“, weiß Freese. So gründet sich 1820 ein Bürger-Schützen-Corps. „Es ist in der heutigen Form als Schützenverein Kamen von 1820 die älteste Vereinigung, in der alle Bürger, gleich welchen Standes und Glaubens, gemeinsam Bräuche pflegen und Feste feiern“, so Freese.

Als der Bürgermeister Schützenkönig wurde: Kamens Schützen feiern 200. Geburtstag

Auf Händen und Schultern seiner Vereinskameraden wird Bernd Werner nach Schuss Nummer 473 Anfang August 2008 als neuer Schützenkönig in Kamen gefeiert. © Sarad

Carl Koepe war 1820 der erste Schützenkönig

Aus dem Gründungsjahr sind mit Carl Koepe der erste Schützenkönig und mit Julius Ohswaldt der erste Oberst bekannt. Die Stadt Camen, damals noch mit „C“ geschrieben, stellt aus ihrem Grundbesitz ihren Schützen als Übungsplatz das Gelände der heutigen Schützenheide zur Verfügung.

Als 1868 der damalige Oberst und Kamens Bürgermeister Julius von Basse Schützenkönig wird, zeigt das deutlich die Bedeutung und das Selbstverständnis der Schützen als Kamener Bürger. „In der Zeit des Deutschen Kaiserreiches 1871 bis 1914 erreicht das Schützenwesen in Camen seine größte gesellschaftliche Bedeutung“, ordnet Freese ein. 1883 wird die Vereinsstruktur grundlegend reformiert. Die Gliederung in vier Kompanien bleibt bis 2007 erhalten.

Weltkriege unterbrechen die Erfolgsgeschichte

Der Erste Weltkrieg unterbricht die Erfolgsgeschichte. 1920 wird mit großem Aufwand das 100-jährige Bestehen gefeiert. Das Jubiläumskönigspaar heißt Friedrich Sirringhaus und Erna Borstädt. Die Folgejahre sind schwierig. In der Zeit des Nationalsozialismus ist zwar ein Aufwärtstrend zu verzeichnen, aber der Verein unterwirft sich auch den ideologischen Vorgaben der menschenverachtenden Diktatur. Der Zweite Weltkrieg bedeutet auch für das Schützenwesen eine Katastrophe.

Als der Bürgermeister Schützenkönig wurde: Kamens Schützen feiern 200. Geburtstag

Der Schützenverein Kamen verabschiedete sich 2006 mit großem Horrido. Unter den Blicken Hunderter zogen Kamens Schützen und seine Gastvereine durch die Innenstadt. Bei wunderschönem Wetter grüßten das neue Königspaar Klaus und Astrid Gube sowie der neue Hofstaat von prachtvollen Pferdewagen. © Milk

1950 beginnt eine großartige Zeit des Aufschwungs

Unter zunächst schwierigen Bedingungen beginnt 1950 eine großartige Zeit des Aufschwungs und der erneuten Vereinsblüte. „Fortan soll der Geist kameradschaftlicher Eintracht das Vereinsleben bestimmen“, so Freese. Für diese Idee stehen in den folgenden Jahrzehnten tatkräftige Männer: Stellvertretend nennt er die Vorsitzenden Karl Ebbinghaus, Xaver Quante, Gerd Muermann und Albert Höpner. Das 150-jährige Bestehen wird mit einem neuntägigen Programm gefeiert. Heinrich Bachmann und Ehefrau Maria sind das Jubiläumskönigspaar.

Kömscher Bleier wird seit 1973 verliehen

Weitere Daten sind für die Schützen wichtig: Seit 1973 verleiht der Verein den „Kömschen Bleier“ an verdiente Persönlichkeiten Kamens. Seit 1976 wird zu jedem Schützenfest eine Festzeitung herausgegeben. Die Würde einer Volkskönigin erringt 1995 beim Vogelschießen zur 175-Jahr-Feier Silvia Becker aus Aplerbeck. Der Verein öffnet sich 1962 mit der Bildung einer Frauengruppe auch für die weibliche Mitgliedschaft.

Als der Bürgermeister Schützenkönig wurde: Kamens Schützen feiern 200. Geburtstag

Das Schützen- und Heimathaus des Schützenvereins Kamen: 1903 wird der Bau errichtet, 1983/84 grundsaniert. 1999 wird die Anlage durch eine Brandkatastrophe vernichtet, der moderne Neubau 2002 seiner Bestimmung übergeben. © Stefan Milk

Besonderer Stolz ist die vereinseigene Schützenheide

Besonderer Stolz ist die vereinseigene Schützenheide. 1903 wird der Bau errichtet, 1983/84 grundsaniert. 1999 wird die Anlage durch eine Brandkatastrophe vernichtet, der moderne Neubau 2002 seiner Bestimmung übergeben. 2017 entsteht als letzte Erweiterung die Mehrzweckhalle.

Der Schießsport wird im Verein seit 1903 mit wechselnden Erfolgen und kriegsbedingten Unterbrechungen gepflegt. Der Einsatz wird 1995 mit der Sportplakette des Bundespräsidenten belohnt. Seit 2007 ist besonders das Bogenschießen ein Magnet für viele Jungschützen. Ein Wunsch für die Zukunft? Freese: „Eine erfolgreiche Zukunft in friedlichen Zeiten.“

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