Auf der Stadtgrenze steht ein Bauzaun, der Unna und Kamen trennt. Wenn er bald verschwindet, sind beide Städte durch eine Firma verbunden: Flammenträume expandiert neben Ikea und Woolworth.

Kamen, Unna

, 17.10.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Alexa mach den Ofen an!“ Oder „Alexa, heiz ein!“ Wer sich einen modernen Pellet-Kaminofen zulegt, der kann ihn neuerdings auch ganz bequem über sein Smartphone aktivieren.

Was bei jungen Familien groß im Trend liegt, kann künftig beim Kaminofen-Fachhandel „Flammenträume“ auf noch größerer Fläche begutachtet werden. Am Donnerstag erfolgte der Spatenstich auf der 2000 Quadratmeter großen Fläche im interkommunalen Gewerbegebiet Unna-Kamen, das direkt ans Kamen-Karree grenzt.

Direkt auf der Stadtgrenze steht der Bauzaun, der Unna und Kamen trennt. Wenn er nach der Fertigstellung verschwindet, sind beide Städte durch ein Unternehmen verbunden. Gut lachen hat dabei Kamens Kämmerer Ralf Tost. Denn die Gewerbesteuer der auf Unnaer Gebiet erwirtschafteten Erträge bleibt in Kamen. Auch Geschäftsführer Uwe Dräger lacht. „Wenn hier ein Kunde geparkt hat, dann war es oft so, dass der Kofferraum bis aufs Unnaer Gebiet geragt hat.“

Alexa, mach den Ofen an! Flammenträume erweitert mit heißer Ware zwischen Woolworth und Ikea

Prokuristin Karin Rose, die den Flächendeal zwischen Unna und Kamen mit den Flammenträume-Geschäftsführern Georg Boldt (l.) und Uwe Dräger (r.) eingestielt hat. © Borys Sarad

Im Jahr 2005 vom Zollpost ins Karree gezogen

Künftig kann auch der ganze Wagen auf Unnaer Gebiet geparkt werden, denn auf der Erweiterungsfläche werden 15 zusätzliche Parkplätze entstehen. Damit erhöht sich die Gesamtzahl auf 20.

Die neue Halle, die dort errichtet wird, hat eine Grundfläche von 450 Quadratmetern. Sie wird zur Hälfte für die Ausstellung der Kaminöfen genutzt, zur andere Hälfte als Lager. „Wir haben in der Ausstellung eine Empore, sodass wir zusätzliche Verkaufsfläche haben, insgesamt 420 Quadratmeter“, schildert Georg Boldt, der ebenso Geschäftsführer ist.

Im Jahr 2005 zog die Firma aus dem Zollpost ins Karree, weil die Ausstellungsfläche zu klein geworden war. Die Kaminöfen wurden damals in einem kleinen Musterhaus vis-à-vis der Unnaer Straße präsentiert, das mittlerweile abgerissen ist. Jetzt, zwischen Ikea und demnächst Woolworth und L’Osteria, könnte der Standort nicht besser sein.

Alexa, mach den Ofen an! Flammenträume erweitert mit heißer Ware zwischen Woolworth und Ikea

Unnas und Kamens Bürgermeister auf der Grenze zum interkommunalen Gewerbegebiet Unna-Kamen. Mit dabei die Unternehmerfamilien und Vertreter der WFG. © Borys P. Sarad

„Was gepflastert ist, ist Kamen. Was geschottert ist, ist Unna“

Die Bedeutung des Flächendeals auf der Stadtgrenze zwischen Unna und Kamen wird am Donnerstag schnell deutlich, als die Bürgermeister aus Unna, Werner Kolter, und Kamen, Elke Kappen, zu Besuch kommen.

Sie blicken auf den Parkplatz mit dem Bauzaun, der noch Unna und Kamen trennt. Dräger erläutert mit einem Schmunzeln den Unterschied: „Was gepflastert ist, ist Kamen. Was geschottert ist, ist Unna.“

Auf der Schotterfläche rollen gerade die Bagger, um der neuen Halle, die 7,20 Meter hoch wird, den Boden zu bereiten. Die Investitionssumme beträgt etwa eine Million Euro, die Fertigstellung ist bis zum März geplant. Flammenträume wird danach mehr als doppelt so groß sein. Die jetzige Ausstellungsfläche beträgt 330 Quadratmeter, das bisherige Grundstück ist 1000 Quadratmeter groß.

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Stahlkonstruktion mit flammend roten Hauskanten

Der Hagener Architekt Udo Seegers hat die neue Halle entworfen, sie soll ein perfektes Gegenstück zum jetzigen Haus bilden, eine Stahlkonstruktion ebenso mit flammend roten Hauskanten. „Die Zugehörigkeit wird deutlich erkennbar sein“, sagt er.

Ungewöhnlich sei, dass zwei Baugenehmigungsbehörden zu kontaktieren waren, weil ja zwei Stadtgebiete betroffen sind. Erleichternd für ihn: Er konnte die Anträge in Unna einreichen, die dann per Stellungnahme aus Kamen ergänzt wurden. Bauen auf zwei Stadtgebieten? In diesem Fall unproblematisch. Dräger betont, dass es immer schon der Wunsch war, zu expandieren. „Ansonsten wäre ja an dem Zaun Schluss gewesen“, sagt er.

Alexa, mach den Ofen an! Flammenträume erweitert mit heißer Ware zwischen Woolworth und Ikea

Die Bagger rollen. Bis Ende des Monats soll die Bodenplatte gelegt werden, ab November wird die neue Halle gestellt. Vor Weihnachten soll der Baukörper geschlossen sein, sodass eingerichtet werden kann. Die Eröffnung ist im März vorgesehen. © B. Sarad

Nachfrage nach Gemütlichkeit ist nach wie vor gegeben

„Die Nachfrage nach Gemütlichkeit ist nach wie vor gegeben“, sagt Georg Boldt zur aktuellen Situation des Unternehmens, das einen Kundenkreis weit über den Kreis Unna hinaus bedient und auch einen Standort in Hagen hat. Insgesamt sind 15 Mitarbeiter beschäftigt, mit der Erweiterung soll es weitere Einstellungen geben. Dräger: „Wir haben uns in der Region eine gute Position erarbeitet.“

Nicht nur alexa-freundliche Pellet-Öfen, sondern vor allem Holzbrandöfen sind gefragt, dazu Kaminöfen, die mit Erdgas und Strom betrieben werden. Ab 2500 Euro sind die Kaminöfen zu bekommen. „Nach oben gibt es, wie bei anderen Dingen auch, keine Grenze“, so Dräger.

Die nächste Generation schon tatkräftig dabei

Die nächste Geschäftsführer-Riege ist im Übrigen schon tatkräftig im Unternehmen beschäftigt. Christian Dräger, Antje Boldt und Britta Merten werden das von Uwe Dräger und Georg Boldt gegründete Unternehmen auch in nächster Generation weiterführen. „Ja, das ist als Familienunternehmen ein Kraftakt hier. Aber wir machen das weiter mit Spaß und Herzblut“, so Dräger. Und nicht zu vergessen ist dabei Alexa, die dafür sorgt, dass der Ofen nicht aus-, sondern angeht.

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