Aktionsbündnis gegen Plastikmüll schlägt Alarm: Selbst die Oma trinkt jetzt Coffee-to-go

dzPlastikmüll und Klimawandel

Das Aktionsbündnis gegen Plastikmüll schlägt Alarm: Corona bereitet der to-go-Gesellschaft einen Nährboden. Mehr Plastikbecher, mehr Einwegmasken und mehr Einmal-Handschuhe, die umherfliegen.

Kamen

, 02.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kampf gegen Plastikmüll: Als sich das Aktionsbündnis im Mai vorigen Jahres gründete, um in den Kampf gegen Plastiktüten und unnötige Verpackungen zu ziehen, traf man in Zeiten des Klimawandels einen empfindlichen Nerv. Ein Jahr später – in Zeiten von Corona – ist alles anders.

„Zurzeit ist unser Thema kein Thema. Aber es gibt uns noch“, sagt Umweltberaterin Jutta Eickelpasch, die in dem Jahr eine Schar von etwa 80 Mitstreitern fand, die sich bis zum Ausbruch der Pandemie einmal monatlich trafen und mit einigen markanten Aktionen landesweit Blicke auf sich zogen. Denn das wollen sie verhindern: den Coffee-to-go auf den Weg in Büro – heiß gebrüht, Deckel drauf und den Becher dann im nächsten Abfalleimer entsorgt. So nicht!

Ein Strand in Gambia, aufgenommen von Julia Otten aus Methler. Das Bild zeigt, wie Plastikmüll der Wohlstandsgesellschaft kleine Paradiese zerstört. Für Jutta Eickelpasch das beste Bild, das sie im Rahmen eines Fotowettbewerbs erhielt.

Ein Strand in Gambia, aufgenommen von Julia Otten aus Methler. Das Bild zeigt, wie Plastikmüll der Wohlstandsgesellschaft kleine Paradiese zerstört. Für Jutta Eickelpasch das beste Bild, das sie im Rahmen eines Fotowettbewerbs erhielt. © Verbraucherzentrale

Corona gibt der to-go-Gesellschaft einen Nährboden

Doch so sehr Corona gut fürs Klima war, weil die Wirtschaft still stand und der Luftverkehr buchstäblich am Boden lag – beim Plastikmüll kann die Umweltberaterin keine nachhaltigen Verbesserungen erkennen.

Im Gegenteil: „Jetzt wird wahnsinnig viel to-go bestellt“, blickt Eickelpasch auf die zeitweise geschlossenen Restaurants und auf die auch jetzt noch florierenden Lieferdienste. „Selbst die Oma, die den Coffee-to-go-Becher bisher nicht kannte oder nicht genutzt hat, greift jetzt darauf zurück.“

Was früher vor allem junge Leute und Pendler nutzten, sei nunmehr in der Breite angekommen. Corona als Nährboden für die to-go-Gesellschaft. Nicht nur beim Kaffee zum Mitnehmen.

Das Aktionsbündnis gegen Plastikmüll traf sich vor der Pandemie regelmäßig, um gesammelte Erfahrungen und Ideen für die Zukunft auszutauschen. Zurzeit geht das über E-Mail-Kontakt weiter.

Das Aktionsbündnis gegen Plastikmüll traf sich vor der Pandemie regelmäßig, um gesammelte Erfahrungen und Ideen für die Zukunft auszutauschen. Zurzeit geht das über E-Mail-Kontakt weiter. © Niklas Mallitzky

Zurzeit mehr Einweg als vor einem Jahr

Doch der Coffee-to-go-Becher ist nicht das einzige Problem, wie die Umweltberaterin festgestellt hat. „Überall fliegen jetzt die Einweg-Handschuhe herum. Einwegmasken aus Kunststoff gehen verloren oder werden absichtlich weggeworfen. Viele Sachen werden in Folie eingewickelt. Ja, es gibt mehr Einweg als noch vor einem Jahr“, sagt sie. Mit Blick auf die Gastronomie sieht sie den Zwiespalt, in dem man steckt: „Da ist niemandem ein Vorwurf machen. Wir wollen die Gastronomen ja auch unterstützen, damit sie in dieser Zeit überleben.“

Vom Bienenwachstuch bis zur Wochenmarkt-Stofftasche

„Wir sind vor Corona auf einer Riesenwelle geritten.“
Jutta Eickelpasch

Dass Corona den Anfangserfolg nun schmälert, wurmt die Umweltberaterin sehr.

„Wir sind noch am Anfang des Jahres auf riesiges Interesse gestoßen, weil der Klimawandel die Menschen sehr beschäftigte“, sagt sie und erinnert an die Jugendbewegung „Fridays for future“, an die verheerenden Waldbrände in Australien und die heißen Sommer der vergangenen Jahre, die jetzt gerade wieder mit großer Trockenheit nahtlos anknüpfen.

Die Stofftaschen für Obst und Gemüse, die die Aktionisten verteilten, fanden vor Corona reißenden Absatz. Die Bienenwachstuch-Workshops, bei denen die Alternative zur Frischhaltefolie gefertigt wurden, waren ausgebucht. Ein Workshop bei der Familienbande, bei dem eigenes Deo ohne chemische Zusätze und Mikroplastik gemixt wurde, war so nachgefragt, „dass der Raum aus allen Nähten platzte“, erinnert sich Eickelpasch. „Wir sind vor Corona auf einer Riesenwelle geritten.“

Engagement im Bündnis nicht an Mitgliedschaft gebunden

Daran soll jetzt angeknüpft werden, auch wenn die Virus-Krise vieles erschwert. Eickelpasch baut dabei auf die zahlreichen Mitstreiter, die sich dem Aktionsbündnis angeschlossen haben. Das Engagement ist nicht an eine Mitgliedschaft gebunden. Wer Interesse hat, in den Verteiler aufgenommen zu werden, der schickt eine E-Mail an kamen.umwelt@verbraucherzentrale.nrw. Eickelpasch hat schon wieder viele Ideen geschmiedet: „Bald geht es wieder richtig los!“

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