Schweinepest in Brandenburg. Was erst einmal weit weg klingt, hat einen direkten Bezug zu hiesigen Bauern. Der Kamener Landwirt Heinrich Wortmann erklärt, wie die Schweinepest ihm schadet.

Methler

, 16.09.2020, 17:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tote Wildschweine in Brandenburg. Das klingt erst einmal weit weg, hat aber einen direkten Einfluss auf die Landwirte in Kamen und in der Region. Denn die Wildschweine sind an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gestorben – und das ist für alle Landwirte, die Schweine züchten oder sie mästen, „dramatisch“, wie der Methleraner Bauer Hans-Heinrich Wortmann es ausdrückt.

Wortmann ist gleichzeitig Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe. Er steht in engem Kontakt zu anderen Landwirten und weiß, was die Schweinepest in der Region auslöst – und dass sie vielleicht auch dazu führen kann, dass manch ein Landwirt mit der Haltung von Schweinen bricht. Aber an diesem Punkt ist man noch nicht angelangt und man kann ihn auch noch verhindern.

Afrikanische Schweinepest: Hausschweine sind kaum gefährdet

Zunächst einmal sei erklärt, warum die Schweinepest auch Landwirten wie Wortmann in Methler schadet. Denn eigentlich haben die Bauern in Deutschland nach ersten ausländischen Ausbrüchen der Seuche „ihre Hausaufgaben gemacht“, so Wortmann. Das Veterinäramt des Kreises habe genau kontrolliert, ob die Auflagen eingehalten werden. Dazu gehört etwa, dass die Ställe zu sind und Zäune vorhanden. „Es ist unwahrscheinlich, dass ein Wildschwein ein Hausschwein ansteckt“, so Wortmann.

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Und doch ist der Schweinepreis direkt nach dem Fall in Brandenburg gesunken. Schuld daran sind laut Wortmann nicht die Abnehmer in Deutschland und Europa, sondern asiatische Länder wie China und Südkorea. Sie haben direkt einen Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt.

Obwohl die deutschen Politiker versuchen zu vermitteln, ist zunächst ein Importstopp für die ganze Bundesrepublik verhängt.

Die Abnehmer in Asien interessierten sich nicht dafür, dass es nur Fälle in einer bestimmten Region gab, so Wortmann. Deutschland sei aus der Entfernung nur ein kleiner Fleck auf der Landkarte. Und dass dort ein krankes Wildschwein aufgefunden wurde, reicht offenbar aus.

Asiatische Länder nehmen Nebenprodukte von Schweinen ab

Von nun an werden keine Schweineprodukte mehr in diese Länder exportiert. Und damit geht eine Menge an Einkommen flöten. Denn die Asiaten seien wichtige Abnehmer von Nebenprodukten – also etwa von Pfoten oder Rüsseln. So werde das komplette Tier verwertet „und für die Fleischfabrikanten und für die Landwirtschaft ist das ein super Absatzweg für diese Produkte“.

Hans-Heinrich Wortmann züchtet keine Schweine, sondern mästet und verkauft sie. Er könnte aufhören, Schweine zu verkaufen, weil die Erlöse zurückgehen, doch das wird er nicht tun. Aus Solidarität zu den Züchtern.

Hans-Heinrich Wortmann züchtet keine Schweine, sondern mästet und verkauft sie. Er könnte aufhören, Schweine zu verkaufen, weil die Erlöse zurückgehen, doch das wird er nicht tun. Aus Solidarität zu den Züchtern. © wlv/Drees-Hagen

Die logische Folge daraus, dass dieser Absatzweg jetzt erst einmal wegfällt, sind Verluste. Und die treffen wen? Richtig. Die Landwirte. Warum genau, erklärt Wortmann wie folgt:

Wenn der Methleraner ein Schwein verkauft, dann bekommt er pro Kilogramm (ohne Eingeweide) einen bestimmten Preis. Dieser Preis ändert sich jeden Mittwoch, weil es immer dann eine neue Notierung gibt. Die wird wöchentlich an einem runden Tisch, an dem Vermarkter, Landwirtschaft und Großhandel sitzen, diskutiert. „Die Nachfrage regelt den Preis“, so Wortmann.

Landwirte leiden unter Corona und der Afrikanischen Schweinepest

Vor der Corona-Krise lief es für ihn und seine Kollegen noch recht gut. Wortmann bekam im Frühjahr 2,05 Euro Pro Kilo. Das sind für ein durchschnittliches (ausgeweidetes) Schwein von rund 95 Kilo 195,75 Euro Erlös.

Während der Krise ging die Nachfrage an Schweinefleisch zurück, was auch daran lag, dass Gastronomien schließen mussten. Der Erlös pro Kilogramm rutschte auf 1,47 Euro. Diesen Wert habe in der vergangenen Woche am Mittwoch noch gegolten, so Wortmann.

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Dann habe es am Donnerstag den ASP-Befund gegeben und es sei direkt eine Notierung gefolgt – nicht wie sonst am Mittwoch, sondern noch an jenem Donnerstag. „Wir können nicht nachvollziehen, dass man sofort einen neuen Preis angesetzt hat“, so Wortmann. Ab Donnerstag gab es in der neuen Preisrunde nur noch 1,27 Euro pro Kilo. Das sind nur noch rund 120,65 Euro pro Schwein, also über 70 Euro Verlust pro Tier. An diesem Mittwoch seien die „Gott sei Dank“, stehen geblieben, so Wortmann. Doch es wird weitere Verhandlungen geben, das ist klar.

Landwirte wünschen sich Solidarität von Einzelhandel und Schlachthöfen

„Was macht man da als Bauer?“ so Wortmann. Die naheliegendste Antwort wäre wohl: „Keine Schweine mehr im Stall“. Doch so einfach ist es nicht. Denn schließlich gibt es Sauenhalter, die gerade Sauen decken lassen haben. „Und die Ferkel, die geboren werden, müssen irgendwohin.“ Freilich könne Wortmann einfach sagen, dass er als reiner Mäster keine Tiere mehr kaufe. Das tue er aber nicht. Da gehe es um Solidarität unter den Schweinehaltern. Wortmann wird also trotzdem wieder Ferkel kaufen, auch wenn er nicht viel Gewinn erwartet.

Er schätzt, dass die Branche so ein halbes Jahr überleben wird. Man müsse damit rechnen, dass Berufskollegen sagten, dass sie in diesen unsicheren Zeiten lieber aufhören. „Die Branche geht vielleicht vor die Hunde.“

Es sind dramatische Worte, gegen deren Inhalt man entgegenwirken kann. „Wir wünschen uns nicht nur Solidarität von Landwirten, sondern auch von Schlachthöfen und Lebensmitteleinzelhändlern etc.“ Denn wenn alle auf ein wenig Umsatz verzichteten, könnten die Bauern diese Krise überstehen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht: Laut Wortmann muss Deutschland zum jetzigen Stand zwölf Monate lang schweinepestfrei sein, um wieder in die asiatischen Länder exportieren zu dürfen. Und diese zwölf Monate sind noch nicht einmal angebrochen.

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