Endlich ist wieder Kirmes in Kamen. Die meisten der bunten Buden und rasanten Fahrgeschäfte sind in Familienhand, deren Schaustellertradition oft mehrere Generationen zurückreicht.

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 21.10.2018, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon von Weitem lassen sich die bunten Lichter des Riesenrads ausmachen, das am Ende der Fußgängerzone an der Adenauerstraße steht. „Da gehe ich bestimmt nicht rein“, erklärt Markus mit Blick auf das „Columbia 3“, „ich bin nämlich nicht schwindelfrei.“ Das 38 Meter hohe Riesenrad ist nur eine von zahlreichen Attraktionen, die am Wochenende Hunderte Besucher auf den Severinsmarkt ziehen.

Während Markus noch mit sich hadert, sind seine Freunde schon zum Kassenhäuschen vorgedrungen. Vorher haben die Vier schon an der Schießbude ihre Treffsicherheit geübt und einen Lautsprecher gewonnen. „Für den haben wir aber auch alle zusammen gut 100 Schuss gebraucht“, erklärt der 19-jährige Léon schmunzelnd. „Eigentlich war der Lautsprecher also recht teuer, aber dafür hatten wir viel Spaß.“

Ralf Figge ist der Herr über die Schießbude, 18 Gewehre sind hier im Einsatz. Dass die Gewehre auf der Kirmes alle einen krummen Lauf haben, sei ein Mythos, versichert er. „Zumindest an meiner Bude. Die Gewehre werden regelmäßig gewartet und neu justiert.“ Durch den häufigen Gebrauch und manchmal unsachgemäße Handhabung der Gewehre könne es natürlich passieren, dass die Genauigkeit etwas leidet. „Zum Nachjustieren habe ich am Stand natürlich keine Zeit. Außerdem soll ja auch nicht jeder Schuss treffen.“

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Severinsmarkt: Blinkende Lichter und bunte Buden

Endlich ist die Kirmes wieder in Kamen. Die meisten der bunten Buden und rasanten Fahrgeschäfte sind in Familienhand, deren Schaustellertradition oft mehrere Generationen zurückreicht.
21.10.2018
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© Marcel Drawe
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Viele der Schausteller auf dem Severinsmarkt betreiben mehr als nur ein Geschäft, die Kirmes ist fest in Familienhand. Die leckere Bratwurst auf dem Markt kommt zum Beispiel von Nicole Wendler, die dort mit Tochter Emily und Nichte Celine am Grill steht. Am anderen Ende der Kirmes wacht Sohn Heinz Günther Wendler über den Autoscooter. Seit Mai sind die Stromabnehmer der 22 Wagen mit LEDs, beleuchtet. Die Manipulation der Wagen sei heute nicht mehr so leicht wie früher, erklärt der 22-Jährige. „Dicke Metallstifte in den Wagen verhindern, dass man den Chip wieder herausziehen kann.“ Manipulationen durch falsche Chips und Ähnliches würde der Wagen sofort anzeigen. „Betrugsversuche kommen mittlerweile deutlich seltener vor.“

Das Arbeiten im Familienbetrieb, für Wendler ist es selbstverständlich. „Ich habe es mal mit einem anderen Job versucht, aber die Sehnsucht nach dem Leben mit der Familie war zu groß.“

Auch Hermann Petter kann sich kein anderes als das Schaustellerleben vorstellen. „Ich bin die achte Generation Schausteller in unserer Familie“, berichtet der Betreiber des „Double Jump“, ein echtes Unikat. Über das Mikrofon sorgt er für Stimmung bei den Fahrgästen, auch Jasmin und ihre Freunde haben schon den Ritt mit dem Fahrgeschäft gewagt. „Da muss man sich gut festhalten“, so die 17-Jährige. Die lockeren Sprüche und den Umgang mit den Kunden habe er im Blut, so Petter. „Als Schaustellerkind lernt man so etwas sehr früh, das gehört einfach mit dazu.“

Weniger rasant geht es im „Kiddy Fly“ zu, einem kleinen Kettenkarussell für Kinder. John Wiegand hat das Fahrgeschäft 2015 komplett restauriert, vorher war es zehn Jahre lang eingelagert. „Ich kenne das Karussell schon seit Kindesbeinen“, erinnert sich der Schausteller in fünfter Generation aus Unna, „also wollte ich es wiederbeleben.“ Wie für die übrigen Schausteller ist sein Job auch eine Lebenseinstellung. „Ich kenne es nicht anders, mich macht die Arbeit glücklich.“

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