Acht Jahre, zwei Länder, eine deutsch-russische Freundschaft

dzLisa und Ekaterina

Lisa Ebbinghaus lernte vor Jahren bei einem Schüleraustausch die Moskauerin Ekaterina Krivousova kennen. Was aus dem internationalen Kontakt wurde, ist nicht selbstverständlich.

von Jan Dreher

Kamen

, 27.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Offenheit in der Gesellschaft gegenüber allem, das nicht dem eigenen Erfahrungshorizont entspricht, scheint abzunehmen. Abschottung und der Wunsch einer großen Gruppe anzugehören, in der alle möglichst die gleichen Ansichten haben, etablieren sich zunehmend.

Dass es heutzutage dennoch einen Raum für kulturellen Austausch gibt, zeigt sich in diesen Tagen an der Hammer Straße in Kamen. Bei der Hochzeit von Lisa Ebbinghaus kann man nämlich an zwei besonderen Hochzeitsgästen das Ergebnis erfolgreicher kulturübergreifender Verständigung festmachen. Denn die zwei der Gäste, die 23 Jahre alte Ekaterina Krivousova und ihre 18 jährige Schwester Ksenia, haben für die Hochzeit eine Anreise von über 2000 Kilometer auf sich genommen.

Die Geschichte hinter der Einladung ist gleichermaßen einfach und sagt doch viel darüber aus, warum es sich lohnt, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Vor etwas mehr als acht Jahren nahm die heute 26 Jahre alte Lisa Ebbinghaus am Austauschprogramm des Städtischen Gymnasiums Kamen mit einer russischen Schule teil: jeweils zehn Tage in Moskau in einer Gastfamilie und zehn Tage Besuch aus Moskau daheim.

Ekaterina Krivoisova, die heute ihr Studium der Sprachen abgeschlossen hat, sagt, sie habe zunächst nicht an dem Programm teilnehmen wollen, da sie die Sprachbarriere gefürchtet habe. „Ich bin glücklich, dass meine Mutter mich schließlich doch überredet hat“, sagt sie. Sonst wäre die deutsch-russische Freundschaft nie entstanden und sie neun Jahre später nicht hier. Deshalb sind sich die beiden einig, dass jeder, der die Chance bekommt, an einem Austauschprogramm teilnehmen sollte. „Das ist eine Erfahrung, die man in keinem Urlaub der Welt machen kann“, sagt Lisa Ebbinghaus. Man sei eben keine außenstehende Touristin, sondern mittendrin.

Trotz aller kulturellen Unterschiede und gerade wegen der vielen Gemeinsamkeiten hält ihre besondere Freundschaft bis jetzt, obwohl sie sich vor der Einladung zur Hochzeit das letzte Mal vor vier Jahren gesehen haben. Wann das nächste Wiedersehen ansteht, wissen sie noch nicht. Auf jeden Fall ist Lisa Ebbinghaus „always welcome“ in Moskau, wie ihre Freundin Ekaterina Krivousova sagt.

Internationale Begegnungen begleiten das Schulleben am Städtischen Gymnasium Kamen. „Diese Kontakte bestehen zum Teil schon seit vielen Jahren und sind in jedem Schuljahr fester Bestandteil des Terminkalenders“, erklärt die Schule auf ihrer Internetseite. Im Herbst eines Jahres machen sich etwa zehn Schüler der Oberstufe mit dem Flugzeug auf die Reise nach Moskau. Vor Ort werden sie in Gastfamilien untergebracht, und sie begleiten ihre Gastgeber im Unterricht an der Schule Nr. 1955. Der Aufenthalt in Russlands Hauptstadt dauert zehn Tage. Weitere Austausch-Städte sind Bandirma, Eilat und Montreuil-Juigné.
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