Absperrbake landet auf öffentlichem Kunstwerk: Von Bronze-Figuren auf Händen getragen

dzVor Sparkasse Unna-Kamen

Das Oldenburg-Kunstwerk vor der Sparkasse Unna-Kamen in der Fußgängerzone ist um ein Detail reicher. Eine entwendete Absperrbake landet in den Armen der schweren Bronze-Skulptur.

Kamen

, 20.01.2020, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kunstwerk „Dialog“ des bekannten Unnaer Künstlers Ernst Oldenburg hat über das Wochenende eine buchstäblich tragende Funktion bekommen. Die drei bronzenen Figuren, die sich auf der Adenauerstraße an den Händen halten, haben plötzlich eine Absperrbake in den Armen. Eine Veränderung des Kunstwerks vor der Sparkasse Unna-Kamen, die womöglich bei Beobachtern neue Dialoge erzeugt hat.

Die Bake war an einer Absperrung in Höhe des Fahrradparkhauses entwendet worden und offenbar von Scherzbolden auf die Metall-Skulptur gelegt worden. Das Kunstwerk wurde dabei nicht beschädigt.

Absperrbake landet auf öffentlichem Kunstwerk: Von Bronze-Figuren auf Händen getragen

Der Absperrbaken-Pfosten mit neuem "Verwendungszweck" vor der Sparkasse Unna-Kamen. Die Skulptur ist von Ernst Oldenburg geschaffen worden. © Janecke

Kunstwerk aus dem Jahr 1982

Das Werk des Unnaer Künstlers ist im Jahr 1982 entstanden. Der renommierte Maler und Bildhauer hatte 25 Jahre in Kessebüren verbracht und war 1992 gestorben. Während der Innenstadtsanierung war das Kunstwerk für einige Zeit aus dem Stadtbild verschwunden, bevor es im Jahr 2008 wieder in die Fußgängerzone zurückkehrte. „Die Bildhauerei ermöglicht es Oldenburg, seine Auffassung des Menschlichen wirkungsvoll und kompromisslos auf den Punkt zu bringen“, heißt es über seine Werke auf der Oldenburg-Website unter „www.oldenburg-museum.de“. Dort gibt es auch einen Eindruck darüber, welch imposantes Gesamtwerk der Künstler hinterlassen hat.

Oldenburg, 1914 in Danzig geboren, ließ sich 1967 in Unna-Kessebüren nieder, wo er bis zum Ende seines Lebens in der alten Dorfschule, jetzt das Oldenburg-Museum, wohnte und arbeitete. 1988 erlitt er einen schweren Schlaganfall mit folgender rechtsseitiger Lähmung. Er arbeitete fortan nur noch mit der linken Hand. Am 9. Januar 1992 starb Oldenburg in Unna.

Kontakte zu Bert Brecht und Anna Seghers

Zuvor hatte er ein wechselvolles Leben, wie aus der Website hervor geht: 1928, im Alter von vierzehn Jahren, wurde er in die Kunstklasse von Prof. Fritz August Pfuhle an der Technischen Hochschule in Danzig aufgenommen. Seine erste Ausstellung gab es bereits 1932 in der Kunstkammer von Danzig zusammen mit Werken von Otto Dix. Er lernte Max Pechstein, Carl Hofer und Ernst Ludwig Kirchner kennen.

Ab 1936 absolvierte er ein Zusatzstudium und hatte Arbeit als Architekt in Berlin. Er stellte Kontakte zur internationalen Kunstszene in Frankreich und Italien her. 1940 wurde Oldenburg zur Marine eingezogen. 1945 flüchtete er mit der Familie von Danzig nach Stralsund. 1949 kehrt er nach Berlin (Ost) zurück, wo er unter anderem mit Bert Brecht und Anna Seghers in Kontakt trat.

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