Absolute Mehrheit der SPD gebrochen – die Bündnisgrünen sind der Gewinner des Abends

dzKommunalwahl in Kamen

Die absolute Mehrheit der SPD in Kamen ist dahin. Aufgrund deutlicher Zuwächse bei den Bündnisgrünen bricht in Kamen eine neue Ära der Kommunalpolitik an. Erstmals im Rat vertreten ist die AfD.

Kamen

, 13.09.2020, 20:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich bin jetzt doch etwas angespannt, ich könnte nicht sagen, dass ich ganz gelassen bin“, so SPD-Fraktionschef Daniel Heidler, als er das Wahlstudio in der Stadthalle betrat. Zu dem Zeitpunkt war er noch hoffnungsfroh, dass die SPD die absolute Mehrheit im Kamener Stadtrat verteidigen könnte. Das Ziel, in Reichweite der 51,5 Prozent der vorigen Kommunalwahl 2014 zu bleiben, verfehlte die Partei mit 41,22 Prozent allerdings deutlich.

Die Sozialdemokraten büßten damit über zehn Prozent ein und verlieren erstmals in Kamens Nachkriegsgeschichte die absolute Mehrheit. Immerhin etwas Positives für die Genossen: Sie holten in den Wahlbezirken alle 20 Direktmandate und ziehen mit entsprechendem Personal und einem Überhangmandat in den Stadtrat ein. Die CDU erreichte 24,65 Prozent (13 Sitze) und die Bündnisgrünen 18,2 Prozent (neun Sitze). Deutlich dahinter liegen Freie Wähler (4,83 Prozent/ 2 Sitze), Linke (4,3 %/2 Sitze) und FDP (4,13 %/2 Sitze). Die AfD zieht erstmals in den Stadtrat ein und wird mit 2,66 % ein Ratsmandat erhalten. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,18 Prozent.

Skeptischer Blick auf die an die Wand der Stadthalle projizierten Ergebnisse von Daniel Heidler, Fraktionschef der SPD (vorn). Die Sozialdemokraten verfehlten ihr Ziel, die absolute Mehrheit im Stadtrat zu halten, deutlich.

Daniel Heidler, Fraktionschef der SPD (vorn), wirft einen skeptischen Blick auf die an die Wand der Stadthalle projizierten Ergebnisse. Die Sozialdemokraten verfehlten ihr Ziel, die absolute Mehrheit im Stadtrat zu halten, deutlich. © Janecke

Bündnisgrüne dürfen sich als Gewinner des Abend fühlen

Als Gewinner des Abends durften sich die Bündnisgrünen fühlen, die ihr Ergebnis fast verdoppelten. „Wir sind total glücklich“, sagte Fraktionsvorsitzende Anke Dörlemann. „Wir haben unser Wahlziel noch übertroffen.“ Und Grünen-Sprecher Andreas Dörlemann ergänzte: „Das ist das beste Ergebnis, das die Grünen in Kamen jemals erreicht haben – ever.“ Statt mit vier Vertretern werden die Bündnisgrünen mit neun Vertretern in den Stadtrat einziehen. Trotz deutlicher Zugewinne bleiben sie aber weiterhin nur drittstärkste Kraft im Stadtparlament.

Erste Ergebnisse für die CDU, die im Wahlstudio am Tisch der Unionisten  betrachtet werden. „Der linke Balken der SPD ist nicht mehr ganz so hoch", stellt Ralf Langner (M.), hier mit Susanne Middendorf und Ralf Eisenhardt, wohlwollend fest. Am Ende konnte die CDU von den SPD-Verlusten nicht profitieren.

Erste Ergebnisse bei der Kommunalwahl, die im Wahlstudio am Tisch der Unionisten betrachtet werden. „Der Balken der SPD ist nicht mehr ganz so hoch", stellt Ralf Langner (M.), hier mit Susanne Middendorf und Ralf Eisenhardt, wohlwollend fest. Am Ende konnte die CDU von den SPD-Verlusten nicht profitieren. © Janecke

CDU kann von SPD-Verlusten nicht profitieren

Weniger gute Stimmung bei der CDU, die von den starken Verlusten der SPD nicht profitieren konnte, aber mit 13 Sitzen weiterhin deutlich zweitstärkste Partei bleibt. Die Christdemokraten blieben dabei leicht unter dem Wert von 2014, als sie 25,18 Prozent erreichten. „Wir haben zwar ein Wahlziel erreicht, in dem die absolute Mehrheit der SPD gebrochen wurde“, so Ralf Langner, stellvertretender Fraktionschef. „Aber wir haben uns doch mehr erhofft.“ Trotzdem sieht er auch Positives: „Die Ratsarbeit dürfte nun spannend werden.“ Nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis war auch Klaus Dieter Grosch, Fraktionsvorsitzender der Linken. „Wir werden aber unsere zwei Ratsmandate behalten und damit auch Fraktionsstatus.“ FDP, Freie Wähler und AfD besuchten das Wahlstudio in der Stadthalle nicht.

SPD will sich einen Partner suchen

„Klar ist, wir werden jetzt einen Partner brauchen“, so SPD-Chef Daniel Heidler. Er werde der Partei nun vorschlagen, sich einen Kooperationspartner zu suchen. „Das ist wichtig, damit wir in den kommenden fünf Jahren den Haushalt verlässlich durchbringen können – ob man das dann als Koalition bezeichnet oder als Kooperationspartner, das ist erstmal zweitrangig.“ Für ein derartiges Bündnis habe die SPD bisher keine Partei oder Wählerbündnis speziell im Blick. „Das haben wir bewusst nicht gemacht.“

Die CDU stünde für ein derartiges Bündnis zwar zur Verfügung, würde von selbst aber erst einmal nicht in die Offensive gehen. „Es ist ja so, dass die größere Partei auf die kleinere zugeht“, so Fraktionsvorsitzender Ralf Eisenhardt, der sich vor Abschluss der Auszählung auch eine Koalition mit den Bündnisgrünen vorstellen konnte. „Vielleicht kriegen wir eine gestaltende Mehrheit hin, dann wäre die SPD in der Opposition.“ Dafür reichte es am Ende, obwohl knapp, aber nicht.

Bürgermeisterin Elke Kappen verfolgte gespannt die Auszählung der Stimmen, auch wenn es in Kamen keine Bürgermeisterwahl gab. „Ja, das ist ein Unterschied zu einigen anderen Städten, aber mir ist es natürlich nicht egal, wie die Zusammensetzung des Stadtrates ist.“

Bürgermeisterin Elke Kappen verfolgte gespannt die Auszählung der Stimmen, auch wenn es in Kamen keine Bürgermeisterwahl gab. „Ja, das ist ein Unterschied zu einigen anderen Städten, aber mir ist es natürlich nicht egal, wie die Zusammensetzung des Stadtrates ist.“ © Janecke

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