Paul Pysik, Fachberater für Haushaltsgroßgeräte bei Brumberg, zeigt: Dieses Gerät mit der Energieeffizienzklasse A+++ wird ab kommender Woche mit der Kategorie D versehen. © Stefan Milk
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Abschied von A+++: Das Ende der Super-Labels beschäftigt auch Brumberg

Abschied von den Super-Labels auf Elektrogeräten. Wenn es ab 1. März kein A+++ mehr gibt, werden sich Kunden umgewöhnen müssen. Fachhändler Matthias Brumberg erklärt den Hintergrund.

Das super energiesparend klingende Label „A+++“ ist ab kommender Woche Geschichte. Die sogenannten Energieeffizienzklassen für Elektrogeräte werden neu sortiert.

„Die Einstufung ist ja immer extremer geworden – wie A plus plus plus am liebsten noch mit Sternchen“, sagt Matthias Brumberg (56), der den gleichnamigen Elektrofachmarkt an der Kämerstraße zusammen mit seinem Bruder Andreas Brumberg führt. Ihre Mitarbeiter sind jetzt damit beschäftigt, die neuen Labels auf den Geräten anzubringen. Aus einem Gerät, das jetzt noch A+++ ist, kann ein Gerät mit dem Label D, E oder F werden. Die Skala, die sich bisher nur bis D erstreckte, reicht nun bis G. „Wichtig zu wissen“, sagt Matthias Brumberg: „Die Geräte sind deswegen nicht schlechter.“

Neue Energieeffizienzklassen für die sogenannte Weiße Ware, die heute auch mit Edelstahloptik glänzt: „Die Geräte sind durch die neue Einstufung nicht schlechter als zuvor“, sagt Geschäftsführer Matthias Brumberg.
Neue Energieeffizienzklassen für die sogenannte Weiße Ware, die heute auch mit Edelstahloptik glänzt: „Die Geräte sind durch die neue Einstufung nicht schlechter als zuvor“, sagt Geschäftsführer Matthias Brumberg. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Bedeutung der neuen Klassen

Doch warum gibt es die neuen Klassen überhaupt? Antwort der Verbraucherzentrale NRW: Weil sie aussagekräftiger sind. „Zum Beispiel bei Kühlschränken lagen zuletzt fast alle Modelle in den Bestklassen. Eine leichte Einschätzung, welche Typen wirklich weniger Energie benötigen, war dadurch kaum noch möglich“, erläutert Verbraucherschützerin Astrid Lindner, Leiterin der Geschäftsstelle an der Kirchstraße. Ein Großteil der heutigen „A+++“-Kühlschränke rutschen beim neuen Label in die Klasse D. Nur manche der bisherigen Bestplatzierten erreichen die Klasse C, andere sogar nur Klasse E. Die Bedingungen für die neuen Klassen A und B erfüllt voraussichtlich noch gar kein Kühlschrank.

Links das alte, rechts das neue Energielabel für denselben Kühlschrank. Das Gerät rutscht von Effizienzklasse A+++ in die Klasse E. Auch der jährliche Verbrauchswert in kWh ist auf dem neuen Label anders, weil sich die Messmethoden verändert haben.
Links das alte, rechts das neue Energielabel für denselben Kühlschrank. Das Gerät rutscht von Effizienzklasse A+++ in die Klasse E. Auch der jährliche Verbrauchswert in kWh ist auf dem neuen Label anders, weil sich die Messmethoden verändert haben. © Verbraucherzentrale © Verbraucherzentrale

Bisher kaum ein A-Wert auf den Neugeräten

Matthias Brumberg bestätigt das. „A-Werte gibt es bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich noch nicht. Viele Kunden werden sich wundern.“ Das sei aber durchaus erklärbar, weil die neue Skala ja Anreize in der Industrie setzen soll, um noch energiesparendere Geräte herzustellen. „Und damit sind die Geräte, die jetzt tiefer eingestuft sind, in der Energiebilanz genau so gut wie zuvor. Alles andere wäre ein Missverständnis“, sagt er und rechnet durchaus am Anfang damit, das Kunden „verwirrt und verblüfft“ sein könnten.

„Das müssen und können wir aber erklären.“ Weil es vielen Kunden wichtig sei, ein Gerät mit Bestwerten zu kaufen, sieht Brumberg ab kommender Woche viel Beratungsbedarf. Zunächst weiter telefonisch oder online, weil der Lockdown noch anhält.

Matthias Brumberg vom Elektrofachmarkt Brumberg in Kamen spürt, dass viele Menschen ihr übrig gebliebenes Urlaubsgeld in neue Elektrogerät investieren. Er rechnet mit einem normalen Weihnachtsgeschäft. (Archiv) © Stefan Milk © Stefan Milk

Umstellung tritt zum 1. März in Kraft

In Kraft tritt die Umstellung am 1. März – mit einer Übergangsfrist des stationären Handels bis zum 18. März. Bis dahin müssen die neuen Labels an den Geräten kleben – zunächst dürfen alte und neue nebeneinander sein, damit der Etiketten-Wechsel besser erklärbar ist.

„Da wir im Lockdown ja sowieso nicht öffnen dürfen, ist das alles aber nicht ganz so eilig“, sagt der Fachmann. Für den Online-Handel gibt es die Übergangszeit nicht – ab 1. März müssen die neuen Kennzeichnungen sichtbar sein. Die Hersteller liefern zurzeit in den Kartons beide Labels gleichzeitig. Von der Umstellung betroffen sind Spülmaschinen, Waschmaschinen, Waschtrockner (Waschmaschine und Trockner in einem Gerät), Kühlschränke, Gefriergeräte sowie Fernseher und Monitore.

Mit Schnäppchenpreise ist nicht zu rechnen

Ausnahmeregelungen gibt es im Übrigen für etwas ältere Geräte, die noch bei den Händlern stehen. „Das gilt auch für manche Einzelstücke“, so Brumberg. Im Dezember endet auch diese Übergangsfrist.

Mit neuen Schnäppchenpreisen allein durch die Umetikettierung in schlechtere Klassen ist im Übrigen nicht zu rechnen. Brumberg. „Der Markt ist jetzt schon ausgereizt, die Preise sind kalkulatorisch am Boden“, sagt er. Das gelte noch mehr jetzt in Corona-Zeiten, in denen die Händler ums Überleben kämpfen. „Und man würde den Kunden zusätzlich in dem Eindruck bestärken, dass die niedrigeren Klassen nichts wert sind.“

Verbraucherzentrale hilft beim Stromsparen

Wer seinen Energieverbrauch selbst analysieren will, der kann das im Übrigen mithilfe der Verbraucherberatung Kamen. „Vielleicht hat jemand ein altes Gerät, das ein gar nicht so schlechtes Label hat, aber trotzdem nach heutigem Standard zu viel verbraucht“, so Astrid Lindner.

Die Verbraucherschützer an der Kirchstraße verleihen auf Anfrage (Tel. 02307 43801-01) Energiemessgeräte, um festzustellen, wo die Stromfresser sind. Zudem gibt es einen sogenannten Basis-Check, bei denen Energieberater der Verbraucherzentrale prüfen, wie weniger Strom verbraucht werden kann. Dazu können nun auch die neuen Labels im Handel beitragen. Lindner. „Sie erlauben eine schnellere und genauere Einschätzung des Energieverbrauchs.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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