Abrisshaus an der Kirchstraße: Nach Niederlage für Stadt darf der Abrissbagger anrollen

dzDenkmalschutz

Die Stadt hat den Kampf um das sanierungsbedürftige Haus an der Kirchstraße endgültig verloren. Sie verzichtet darauf, in Berufung zu gehen. Die Abrissbagger können nun bestellt werden.

Kamen

, 13.02.2020, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Kamen hat den Kampf um das historische Haus an der Kirchstraße aufgegeben.

Die städtische Beigeordnete Hanna Schulze hat laut Informationen unserer Zeitung am 5. Februar das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen benachrichtigt, dass die Stadt nicht in Berufung gehen wird. Zuvor hatten die Richter geurteilt, dass die Stadt den Abriss zu genehmigen hat.

Daraufhin zog die Stadt in Erwägung, das Urteil anzufechten – und dafür fristwahrend einen entsprechenden Antrag gestellt. Den hat sie nun zurückgenommen.

Die Stadtverwaltung versucht seit mehreren Jahren, den Abbruch des Hauses zu verhindern, indem es dem Eigentümer einen Abrissantrag nicht genehmigt.

Das sei, so hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in dem Urteil sinngemäß festgestellt, ein widerrechtlicher Vorgang. Es sei den neuem Eigentümer wirtschaftlich nicht zuzumuten, das sanierungsbedürftige Haus zu erhalten.

Das Verwaltungsgericht bearbeitete das Schreiben der Stadt Kamen, auf die Berufung zu verzichten, schnell: Schon am 11. Februar folgte der Beschluss: Das Verfahren wird eingestellt. Nun muss der Abriss genehmigt werden.

Stadt verwehrte die Genehmigung auf Abriss

Was im Behördendeutsch als „Rücknahme des Antrages auf Zulassung der Berufung“ bezeichnet wird, ist ein Hinweis darauf, dass die Stadt ihre Aussichten, den Prozess doch noch zu gewinnen, als gering eingestuft hat.

Das bestätigte Pressesprecher Peter Büttner auf Anfrage am Donnerstag: „Für die Zulassung zur Berufung sind ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils notwendig. Nach Prüfung der Urteilsbegründung und der Stellungnahme des LWL ist die Stadt Kamen nun zu der Einschätzung gelangt, dass keine ausreichenden ernstlichen Zweifel vorliegen, weshalb der Antrag auf Zulassung der Berufung zurückgenommen wurde.“

Für Eigentümer ist mehrjährige Phase der Unsicherheit vorbei

Für den Eigentümer ist damit eine mehr als vierjährige Phase der Unsicherheit vorbei. Er hatte das Haus erworben, als es noch nicht unter Denkmalschutz stand und stellte den Abrissantrag im Rathaus.

Die Stadt verwehrte die Genehmigung und stellte das Haus unter Denkmalschutz - erst nach dem Besitzerwechsel.

Ein Vorgehen, das die Verwaltungsrichter nicht billigten. Die Stadt, so das Urteil, habe den Abriss zu genehmigen. Es stufte die Handlungsweise der Stadt sinngemäß als „rechtswidrige Untätigkeit“ ein.

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Auch die Ortsheimatpfleger schalteten sich ein

Auch die Ortsheimatpfleger um Karl-Heinz Stoltefuß hatten sich im Laufe des Verfahrens in die Diskussion eingeschaltet. „Der Abbruch des Fachwerkhauses wäre ein herber Verlust für die historische Altstadt“, äußerten sie. Das Haus gehöre zum Bauensemble Kirchstraße, das einen wichtigen Teil Kamener Stadtgeschichte darstelle. Der Bereich liege im historischen Stadtkern, der um 1300 mit einem planvoll angelegten Straßennetz entstanden ist und die Stadtwerdung dokumentiert. Stoltefuß: „Der mittelalterliche Grundriss und seine heutige Bebauung haben einen großen historischen Zeugniswert.“

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