450 Meter lange Halle komplett weg: Hier fällt die letzte Mauer

dzMetro-Abriss (+Video)

Endspurt auf der größten Abrissbaustelle im Kreis Unna: Die letzte Wand der 450 Meter langen Metro-Hallen in Kamen ist gefallen. Was sagen ehemalige Mitarbeiter zum Abriss?

Kamen

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Bernd Peters arbeitete einst im modernsten und größten Großraumbüro Europas in Kamen. Dort lag die Versandzentrale der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften (GEG), die 1972 zur „co op AG“ wurde.

Herbert Assmann war einst „co op“-Kunde und kann lebhaft erzählen, wie so ein Einkauf per Versandkatalog und Abholung im Konsumladen funktioniert hat.

Bernd Peters und Herbert Assmann – bei beiden Männern werden Erinnerungen wach, wenn sie den einstigen GEG- und „co op“-Standort an der Henry-Everling-Straße nun in Trümmern sehen. Bis zum Beginn des Abrisses im Jahr 2018 war der rund 450 Meter lange Lagerkomplex vom Handelskonzern Metro genutzt worden. Jetzt sind die Bagger dabei, die letzten Mauern zum Einsturz zu bringen. Die letzte Wand wurde am Mittwoch zu Fall gebracht. Bis Frühjahr 2020 will der Logistikpark-Projektentwickler P3 auf der entstandenen Brachfläche den ersten Teil eines 576 Meter langen Neubaus hochgezogen haben.

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Metro-Abrissbaustelle: Hier fällt die letzte Mauer

Bernd Peters erinnert sich an die Zeit der Eröffnung des GEG-Versandlagers im Jahr 1966. Besuchergruppen wurden durch das damals angeblich europaweit einzigartige Großraumbüro geführt. „Das war ein Vorzeigeprojekt“, erinnert sich der ehemalige Buchhalter und Verwaltungsleiter. Noch heute habe er Kontakt zu Kollegen aus der Zeit. 360 Mitarbeiter waren auf 4600 Quadratmeter Bürofläche gruppiert. „Das war gewöhnungsbedürftig“, so Peters. Zuletzt waren an dem Standort noch rund 300 Metro-Mitarbeiter beschäftigt.

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In den Sechzigerjahren deckten sich Verbraucher in 7500 Konsumläden in Deutschland mit Haushaltswaren, Kleidung oder Möbeln ein. Die Kunden bestellten nach Katalog im Laden. In Kamen wurden mit der Eröffnung der Versandzentrale drei Standorte zusammengefasst: Peters wechselte mit der GEG Stahlwarenproduktion aus Solingen nach Kamen. Aus Dortmund/Bochum kamen die Abteilung Haushaltswaren und der Katalogvertrieb aus Hamburg-Bahrenfeld. „Messer, Scheren, Bestecke – das wurde auf Bestellung in den Laden geliefert“, erinnert sich Peters. Die Versandzentrale verfügte über einen Laufsteg für Modenschauen. „Es gab Modeveranstaltungen mit Kunden, die in Bussen hertransportiert wurden.“

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Der Metro-Standort Kamen ist Geschichte

Die ehemaligen Metro-Hallen in Kamen sind weitgehend abgerissen. Am 24. Juli 2019 fiel die letzte große Wand. Der Handelskonzern war im Sommer 2018 ausgezogen. Der Standort hat seit den Anfängen in den 1960er Jahren Kamener Wirtschaftsgeschichte geschrieben.
24.07.2019
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Der Handelskonzern Metro hat im Sommer 2018 sein Warenverteilzentrum in Kamen geschlossen. Der Abriss des ersten Hochregallagers läuft. Eigentümer P3 plant auf dem Gesamtgrundstück einen neuen Logistikkomplex für einen noch ungenannten Mieter.© Carsten Fischer
Der Standort hat Kamener Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die ältesten Teile wurden ab 1964 für die Konsumgenossenschaft GEG errichtet - ein moderner und zweckmäßiger Flachbau© Carsten Fischer
Blick auf die Andockstationen an den ehemaligen Metro-Hallen. Dieser Bauteil entstand in späteren Jahrzehnten.© Carsten Fischer
Der Handelskonzern Metro hat sein Warenverteilzentrum in Kamen geschlossen. Der Abriss des ersten Hochregallagers lief im Sommer 2018. Der Hauptabriss soll 2019 folgen.© Carsten Fischer
Offene Drehtür am Haupteingang des Altbaus.© Carsten Fischer
So sah der Haupteingang in den 1960er Jahren aus. Am 3. Januar 1966 wurde der GEG Versand Kamen eröffnet.© Hochtief-Nachrichten (1966)
Korridor mit dem architektonischen Charme der 1960er Jahre.© Carsten Fischer
Bei seiner Eröffnung im Jahr 1966 lag hier Europas größtes zusammenhängendes Großraumbüro.© Carsten Fischer
So sah das Großraumbüro im Jahr der Eröffnung im Jahr 1966 aus.© Hochtief-Nachrichten (1966)
Der Standort rühmte sich mit einem vollklimatisierten Betriebsrestaurant. Die Großküche war ausgelegt für 650 Mittagessen. So sieht der Bereich heute aus.© Carsten Fischer
Die Großküche im Eröffnungsjahr 1966.© Stefan Milk
Blick in die ehemalige Kantine im Jahr 2018© Carsten Fischer
Draufsicht auf das GEG-Versandlager - rechts das Großraumbüro, hinten die Lagerbereiche.© Hochtief-Nachrichten (1966)
Der GEG-Versand Kamen bestand aus einer 42.000 Quadratmeter großen Halle, die in Lager sowie Büro- und Sozialtrakt unterteilt war.© Hochtief-Nachrichten (1966)
Hier ein Blick in das Verteilerlager im Jahr 1966. Eine Mitarbeiterin arbeitet am Rollenband.© Hochtief-Nachrichten (1966)
Der Handelskonzern Metro hat sein Warenverteilzentrum in Kamen geschlossen. Die Immobilie gehört dem Logistikpark-Betreiber P3, der die Errichtung eines neuen Logistikzentrums plant. Auf dem Nachbargrundstück hat er bereits ein Neubauprojekt für den Mieter Arvato hochgezogen.© Carsten Fischer
Auf dem ehemaligen Metro-Gelände ist ein großer Teil der Fläche im Juli 2019 freigezogen und bereit für den Start des Neubaus.© Stefan Milk
Auf dem ehemaligen Metro-Gelände ist ein großer Teil der Fläche im Juli 2019 freigezogen und bereit für den Start des Neubaus.© Stefan Milk
Auf dem ehemaligen Metro-Gelände ist ein großer Teil der Fläche im Juli 2019 freigezogen und bereit für den Start des Neubaus.© Stefan Milk
Die letzten großen Wände des ehemaligen Metro-Komplexes fallen am 24. Juli 2019.© Fischer

Herbert Assmann war damals Konsumkunde. Ihm ist eingefallen, dass er noch einen alten Coop-Versand-Katalog für die Saison „Herbst/Winter 73/74“ in seinem Besitz hat. Darauf gekommen war er, als er vor einigen Wochen einen Zeitungsbericht über die Historie des Kamener Standorts las. Die Modelle in dem Katalog tragen Schlaghosen und grob gemusterte Oberhemden. Auch Assmann kleidete sich so ein. „Wir waren Mitglied im Konsum“, erinnert er sich an die Zeit. Meistens bestellte die Mutter. „Der Konsum war super spitze. Später haben die führenden Leute sich dann die Taschen voll gemacht“, sagt er und spielt damit auf den späteren Coop-Skandal in den Achtzigerjahren an. Der ehemalige Vorstandschef Bernd Otto wurde wegen Untreue verurteilt.

450 Meter lange Halle komplett weg: Hier fällt die letzte Mauer

Herbert Assmann mit einem co-op-Katalog der Saison 1973/74 © Bettina Voss

Assmanns Katalog stammt aus der Zeit, in der das Versandgeschäft schon dem Ende zuging. Damals wurden viele Mitarbeiter entlassen, wie sich Bernd Peters erinnert. Bis 1989/90 war er an dem Kamener Standort beschäftigt. Die „co op AG“ wurde Ende der Achtzigerjahre zerschlagen, später ging der Standort an die Metro. 2018 zog das Metro-Lager nach Marl um, der Abriss begann. Der Logistikpark-Entwickler P3 plant dort den Neubau einer 576 Meter langen Logistikhalle.

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Ein großer Teil des Abrissgeländes ist schon für den geplanten Neubau planiert. © Stefan Milk

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