Abriss-Haus im historischen Stadtkern: Stadt Kamen strebt Berufung vor Gericht an

dzKirchstraße

Die Stadt lässt nicht locker, um das alte Haus an der Kirchstraße vor dem Abriss zu retten. Bis Montag will sie beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Zulassung für die Berufung beantragen.

Kamen

, 08.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Kamen lässt nicht locker. Nachdem sie im Streit um das Abriss-Haus an der Kirchstraße eine Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen erlitten hat, strebt sie nun an, in Berufung zu gehen. Ob sie das dann letztlich auch umsetzt, das ist aber noch nicht klar.

„Wir werden zunächst fristwahrend die Zulassung der Berufung beantragen und danach mit den Denkmalschützern aus Münster prüfen, ob eine Berufung Aussicht auf Erfolg hat“, kündigte Stadtsprecher Peter Büttner jetzt auf Anfrage der Redaktion an. Nur dann würde die Stadt auch in Berufung gehen.

Falls das Verwaltungsgericht dann eine Berufungsverhandlung zulässt, könnte sich für die Eigentümer die Qual des Wartens auf unbestimmte Zeit verlängern.

Abriss-Haus im historischen Stadtkern: Stadt Kamen strebt Berufung vor Gericht an

Die Kirchstraße führt, wie der Name schon sagt, auf zwei Kamener Kirchen zu - zunächst zur Pauluskirche mit dem Schiefen Turm (im Bild) und dahinter zur Pfarrkirche Heilige Familie (nicht im Bild). © Stefan Milk

Richter entscheiden: Stadt hat Abriss zu genehmigen

Bei dem Streit um das historische Haus geht es nicht nur darum, ob es erhaltenswert ist oder nicht. Sondern auch um die Frage, ob es den Eigentümern wirtschaftlich zumutbar ist, das sanierungsbedürftige Haus nach denkmalschutzrechtlichen Vorgaben aufzumöbeln und zu erhalten.

Die Eigentümer aus Kamen hatten vor mehr als drei Jahren einen Abrissantrag im Rathaus gestellt, nachdem sie das Haus erworben hatten.

Die Stadt verwehrte die Genehmigung und stellte das Haus unter Denkmalschutz - erst nach dem Besitzerwechsel. Ein Vorgehen, das die Verwaltungsrichter offenbar nicht billigten. Die Stadt, so das Urteil, habe den Abriss zu genehmigen.

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Verwaltungsvorstand tagte am Dienstag im Rathaus

Am Dienstag tagte nun der Verwaltungsvorstand mit Bürgermeisterin Elke Kappen im Rathaus und beschäftigte sich mit dem Thema.

Dabei fiel die Entscheidung, noch einmal zu prüfen, ob es aussichtsreich ist, um das Haus zu kämpfen. Bis Montag, 13. Januar, einen Monat nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts, muss nun das städtische Berufungsgesuch in Gelsenkirchen vorliegen. „Das werden wir bis dahin dort platzieren“, so Büttner; die Begründung, die mit Rücksprache der Fachleute des Westfälischen Denkmalamts in Münster formuliert werde, könne später nachgereicht werden. das werde aber nur erfolgen, wenn es eine Aussicht auf Erfolg gebe. Die Mitarbeiter in Münster können sich erst ab nächster Woche mit dem Fall beschäftigen.

Wie lange ein derartiges Verfahren dauert, falls es zugelassen wird, ist nicht absehbar. Bekanntlich sind die Gerichte stark überlastet. Bis es eine Entscheidung gibt, kann es viele Monate dauern.

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Auch Ortsheimatpfleger wollen das Haus erhalten

Die Ortsheimatpfleger um Karl-Heinz Stoltefuß hatten sich jetzt auch in die Diskussion eingeschaltet.

„Der Abbruch des Fachwerkhauses wäre ein herber Verlust für die historische Altstadt“, äußerten sie.

Das Haus gehöre zum Bauensemble Kirchstraße, das einen wichtigen Teil Kamener Stadtgeschichte darstelle.

Der Bereich liege im historischen Stadtkern, der um 1300 mit einem planvoll angelegten Straßennetz entstanden ist und die Stadtwerdung dokumentiert. Stoltefuß: „Der mittelalterliche Grundriss und seine heutige Bebauung haben einen großen historischen Zeugniswert.“

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Ortsheimatpfleger: Berufung ist nicht ohne Risiko

Wird das jetzige Urteil im Berufungsverfahren bestätigt, dann „sieht es schlecht für die Stadt aus. Dann kann der Eigentümer von der Stadt die Übernahme des Hauses verlangen, allerdings zum heutigen Verkehrswert“, so äußerte Stoltefuß mit Blick auf Paragraf 31 des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes.

Solche Situationen, so führt er aus, versuchten fast alle Kommunen wegen der schlechten Finanzlage zu vermeiden - mit in der Regel einer Folge: „Es wird dann auf eine Berufung verzichtet und das Denkmal aufgegeben.“

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