Abkühlung in der Kältekammer: Bei Minus 90 Grad gefrieren Augenbrauen und Armhaare

dzFitness und Gesundheit

Bei aktuell fast 30 Grad wünscht man sich eine Abkühlung. Am kältesten Ort in Kamen ist die mit fast Minus 90 Grad garantiert! Wer sich in die Vitaluxe-Kältekammer traut, wird erfrischt – und vielleicht geheilt.

Kamen

, 17.06.2019 / Lesedauer: 5 min

Eine dünne Eisschicht überzieht die Augenbrauen von Jan Philipp Struck und auch die Härchen auf seinen Armen sind schneeweiß. Um ihn herum schwirren weiße, eiskalte Flocken, die Temperaturanzeige neben der Kammer zeigt Minus 87 Grad an. Struck hüpft im Takt der Musik leicht hin und her und man sieht in seinen Augen, dass er grinst. Er trägt einen Mundschutz, Stirnband und dicke Handschuhe schützen die Ohren und Finger des jungen Mannes. Dass Struck gerade nur mit Badehose bekleidet in einer überdimensionalen Gefriertruhe steht, scheint ihm nichts auszumachen. Die Uhr zeigt mittlerweile sechs Minuten an und Struck öffnet endlich die gläserne Tür der Kältekammer, aus der mit einem schockgefrosteten Struck ein Schwall eiskalter Luft herausströmt. Auf die Frage hin, ob ihm nun kalt sei, sagt er, dass sich der Körper sehr schnell wieder akklimatisiert.

Kälte gegen Muskelkater

Der Dauerläufer begibt sich seit einem halben Jahr vier bis fünf Mal pro Woche in die Kältekammer am Willy-Brandt-Platz.

„Es ist wie ein kalter Wintertag mit Sonnenschein.“
Robin Mayler über die Kältekammer

Dort hat das junge Unternehmen Vitaluxe im Februar dieses Jahres sein zweites Gesundheits- und Sportstudio eröffnet. Struck ist professioneller Sportler und hatte ständig mit erschöpften Muskeln zu kämpfen. 100 bis 150 Kilometer läuft der Bönener pro Woche. In der Kältekammer können seine Muskeln regenerieren. Die Kältekammer tue ihm gut, nur wenige Minuten pro Woche hätten einen großen Effekt. Mit seinen sechsminütigen Sitzungen gehört mittlerweile an die Kälte gewöhnte Struck zur absoluten Ausnahme in dem Studio. Normalerweise soll eine Sitzung drei bis fünf Minuten nicht überschreiten, erklärt Vitaluxe-Gründer Robin Mayler.

Auch BVB-Spieler schätzen sie: Kältetherapie regeneriert

Die Vorteile, die ein Besuch in der Kältekammer mit sich bringen soll, sind unterschiedlich, doch egal aus welchem Grund man in die Kälte geht – man profitiert von allen Vorzügen. Wer etwa Rückenschmerzen hat, kann durch regelmäßige Behandlungen zum Beispiel auch besser schlafen, nach dem Sport schneller regenerieren, sich über straffere Haut freuen und Entzündungen wie Neurodermitis bekämpfen – davon ist Mayler überzeugt. Neben diversen Studien beobachtet Mayler in seinen Gesundheitsstudios in Dortmund – dort eröffnete er im März 2018 die erste Vitaluxe-Filiale – und Kamen Erfolge. „Viele Leute, die abhängig von Medikamenten waren, können die Schmerzmittel dank der Kältetherapie reduzieren – teilweise sogar auf null“, sagt Mayler. Und auch Sportler gehören in Dortmund wie Kamen mittlerweile zur Stammkundschaft – darunter Spieler des BVB.

Abkühlung in der Kältekammer: Bei Minus 90 Grad gefrieren Augenbrauen und Armhaare

Robin Mayler ist der Erfinder von Vitaluxe. Kältekammern wie in seinen Studios gibt es meist nur in Krankenhäusern oder Rehazentren. Bei ihm soll sich jeder die Kältetherapie leisten können. © Stefan Milk

Der Riesenkühlschrank ist eine teure Anschaffung

Dass neben Dortmund auch Kamen eine Kältekammer bekommen hat, die jeder nutzen kann, ist kein Zufall. Mayler hatte die Räume am Willy-Brandt-Platz 13 bereits angemietet. Er hatte dort ein „Trading Center“ eröffnet, in dem man Devisen-Finanzwetten am Automaten abschließen konnte, eröffnet. Das Startup habe er in die Schweiz verkauft, sagt Mayler, der sich nun voll und ganz auf Vitaluxe konzentriert. Für die Kältekammern hat er tief in die Tasche gegriffen. Eine Kammer kostete ihn eine Geldsumme im sechsstelligen Bereich, sagt Mayler. Zusätzlich zahlt er rund 1.000 Euro Stromkosten pro Kammer – pro Stunde verbraucht der Riesenkühlschrank 18 Kilowatt. Die Behandlungstemperatur liege bei 85 Grad, doch die Kammer kann die Luft bis auf 99 Grad herunterkühlen. Dass die „Insassen“ einen Mundschutz tragen, habe eher einen psychologischen Grund. Es sei angenehmer, etwas wärmere Luft einzuatmen, erklärt Mayler. Da Hände, Füße und Ohren als erstes abkühlen, „weil sie für den Körper entbehrlich sind“, werden auch sie geschützt.

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Vitaluxe-Gründer Mayler will Leidensgenossen mit Rheuma helfen

Mayler hat das Konzept von Vitaluxe nicht nur für sportliche Kunden wie Struck entwickelt, sondern vor allem auch für Menschen, die körperliche Beeinträchtigungen haben. Seine Motivation, Menschen mit Rheuma, Arthrose, Multile-Sklerose und Co., zu helfen, hat persönliche Gründe. Einer der ersten und treusten Kunden im Vitaluxe ist nämlich Robin Mayler selbst. Im Alter von nur einem Jahr bekam Mayler ein schweres Gelenkrheuma. „Ich war so steif, dass meine Mutter Schwierigkeiten hatte, mir einen Pullover anzuziehen“, sagt Mayler. „Selbst mein Kiefer war ganz steif.“ Das Rheuma brachte ein schweres Fieber mit sich und die Ärzte gaben Mayler schon auf. Seine Mutter aber nicht: Sie brachte ihn aus dem Krankenhaus und therapierte ihn mit homöopathischen Mitteln und Bewegungstherapie selbst. Es folgte eine lange Leidensgeschichte, in der Mayler mehrmals operiert wurde. Mit vierzehn Jahren, nachdem Mayler nach seiner letzten Operation fast zwei Jahre lang nur liegen durfte, lernte er neu laufen. Durch Training auf einer Vibrationsplatte, anschließendem EMS-Training, bei dem die Tiefenmuskulatur gelenkschonend trainiert wird, und nun auch täglichen Besuchen in der Kältekammer, hat sich sein Zustand in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Erfolgserlebnisse reißen nicht ab – so hat Mayler es erst kürzlich geschafft, mit der rechen Hand ein Glas zu halten. Das schien bis dahin unmöglich.

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Sportler halten sich mit Kälte fit

Kältekammer-Netzwerk spannt sich um Kamen herum

Rund 40 Nutzer kommen laut Mayler mittlerweile täglich, um in Kamen die Kältekammer zu nutzen. Das Projekt läuft also gut an – und soll noch weiterwachsen. Mayler plant noch mehr Gesundheitsstudios und Franchise-Standorte, wie es bereits einen in Recklinghausen gibt. 50 bis 100 Vitaluxe soll es in den nächsten fünf Jahren geben. „Ich möchte ein Kältekammer-Netzwerk aufbauen“, sagt Mayler. Und auch das Sportangebot, das derzeit aus EMS-Training und einer neuen Vibrationsplatte besteht, wird im Juli erweitert. Dann wird das Abnehmprogramm „Bodyluxe“ eingeführt – eine Kombination aus Körperanalyse, Ernährungsberatung, Training und natürlich Kälte. Besonders wichtig ist Mayler die umfassende Betreuung der Kunden. Niemand, der nicht professionell Sport treibt, sollte alleine ins Fitnessstudio gehen, findet Mayler. Im Vitaluxe wird Personal-Training geboten und auch wer zum ersten Mal in die Kältekammer geht, wird genau beobachtet.

Vitaluxe

Ausprobieren: Kältekammer in Kamen

Wer die Kältekammer ausprobieren möchte, kann sich im Vitaluxe am Willy-Brandt-Platz 13 kostenlos über die Kältetherapie informieren und die Kammer auch ausprobieren. Auch EMS-Training und ab Juli auch das Abnehmprogramm „Bodyluxe“. Weitere Informationen zu den positiven Effekten der Kältetherapie sind auf der Homepage des Studios unter www.vitaluxe.de nachzulesen.

Heiko Dettmers kommt regelmäßig zum EMS-Training ins Vitaluxe-Studio. Für ihn war vor allem der Zeitfaktor ausschlaggebend für die Entscheidung. „Ins Fitnessstudio bin ich zwei Monate gegangen, dann war es vorbei. Hier mache ich einen EMS-Termin und das zwingt mich, hinzugehen“, sagt Dettmers. Seine Frau ist indes Stammgast in der Kältekammer. Unangenehm sollen die Besuche in der Kammer übrigens nicht sein, verspricht Mayler, der jeden einlädt, zu einer kostenlosen Probesitzung vorbeizukommen. „Es ist wie ein kalter Wintertag mit Sonnenschein.“

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