Abkühlung in der Kältekammer: Bei minus 90 Grad gefrieren Augenbrauen und Armhaare

dzKältekammer in Kamen

Viele sehnen sich bei der anhaltenden Hitze nach Abkühlung. Aber wo ist es in Kamen am kältesten? Mit ziemlicher Sicherheit in der Kältekammer am Willy-Brandt-Platz – mit fast 90 Grad minus.

Kamen

, 11.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine dünne Eisschicht überzieht die Augenbrauen von Jan Philipp Struck, auch die Härchen auf seinen Armen sind schneeweiß. Um ihn herum schwirren weiße, eiskalte Flocken, die Temperaturanzeige neben der Kammer zeigt minus 87 Grad an. Struck hüpft im Takt der Musik leicht hin und her und man sieht in seinen Augen, dass er grinst.

Er trägt einen Mundschutz, Stirnband und dicke Handschuhe schützen die Ohren und Finger des jungen Mannes. Dass Struck gerade nur mit Badehose bekleidet in einer überdimensionalen Gefriertruhe steht, scheint ihm nichts auszumachen. Die Uhr zeigt mittlerweile sechs Minuten an. Dann öffnet sich die gläserne Tür der Kältekammer, aus der mit einem schockgefrosteten Jan Philipp Struck ein Schwall eiskalter Luft herausströmt. Auf die Frage hin, ob ihm nun kalt sei, sagt er, dass sich der Körper sehr schnell wieder akklimatisiere.

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Eiskalte Luft – das ist das, wonach sich jetzt bei der Hitze viele sehnen. Doch nicht nur das Wetter lockt Kunden an, wie der Betreiber des Gesundheits- und Sportstudios „Vitaluxe“ am Willy-Brandt-Platz erklärt. „Wir merken, dass die Kunden sich bei der Hitze umso mehr freuen, die Kältekammer nutzen zu können. Wir beobachten zudem, dass die Menschen seit Corona gesundheitsbewusster geworden sind. Viele nutzen die Kältekammer seitdem zusätzlich zur Steigerung des Immunsystems“, erklärt Robin Mayler.

Auch BVB-Spieler schätzen sie: Kältetherapie regeneriert

Er hat im Februar des vergangenen Jahres nach Dortmund sein zweites Gesundheits- und Sportstudio in Kamen eröffnet. Mittlerweile gibt es vier Standorte.

„Es ist wie ein kalter Wintertag mit Sonnenschein.“
Robin Mayler über die Kältekammer

Die Vorteile, die ein Besuch in der Kältekammer mit sich bringen soll, sind unterschiedlich. Wer etwa Rückenschmerzen hat, kann durch regelmäßige Behandlungen zum Beispiel besser schlafen, nach dem Sport schneller regenerieren, sich über straffere Haut freuen und Entzündungen wie Neurodermitis bekämpfen – davon jedenfalls ist Mayler überzeugt.

Neben diversen Studien beobachtet Mayler in seinen Gesundheitsstudios Erfolge. „Viele Leute, die abhängig von Medikamenten waren, können die Schmerzmittel dank der Kältetherapie reduzieren – teilweise sogar auf null“, sagt Mayler. Und auch Sportler gehören in Dortmund wie Kamen mittlerweile zur Stammkundschaft – darunter Spieler des BVB.

Robin Mayler ist der Erfinder von Vitaluxe. Kältekammern wie in seinen Studios gibt es meist nur in Krankenhäusern oder Rehazentren. Bei ihm soll sich jeder die Kältetherapie leisten können.

Robin Mayler ist der Erfinder von Vitaluxe. Kältekammern wie in seinen Studios gibt es meist nur in Krankenhäusern oder Rehazentren. Bei ihm soll sich jeder die Kältetherapie leisten können. © Stefan Milk

Der Riesenkühlschrank ist eine teure Anschaffung

Dass neben Dortmund auch Kamen eine Kältekammer bekommen hat, die jeder nutzen kann, ist kein Zufall. Mayler hatte die Räume am Willy-Brandt-Platz 13 bereits angemietet. Er hatte dort ein „Trading Center“ eröffnet, in dem man Devisen-Finanzwetten am Automaten abschließen konnte.

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Das Startup habe er in die Schweiz verkauft, sagt Mayler, der sich nun voll und ganz auf Vitaluxe konzentriert. Für die Kältekammern hat er tief in die Tasche gegriffen. Eine Kammer kostete ihn eine Geldsumme im sechsstelligen Bereich, sagt Mayler. Zusätzlich zahlt er rund 1000 Euro Stromkosten pro Kammer – pro Stunde verbraucht der Riesenkühlschrank 18 Kilowatt.

Die Behandlungstemperatur liege bei 85 Grad minus, doch die Kammer kann die Luft bis auf 99 Grad herunterkühlen.

Dass die „Insassen“ einen Mundschutz tragen, habe eher einen psychologischen Grund. Es sei angenehmer, etwas wärmere Luft einzuatmen, erklärt Mayler. Da Hände, Füße und Ohren als erstes abkühlen, „weil sie für den Körper entbehrlich sind“, werden auch sie geschützt.

Vitaluxe-Gründer Mayler will Leidensgenossen mit Rheuma helfen

Mayler hat das Konzept von Vitaluxe nicht nur für sportliche Kunden entwickelt, sondern vor allem auch für Menschen, die körperliche Beeinträchtigungen haben.

Seine Motivation, Menschen mit Rheuma, Arthrose, Multile-Sklerose und Co., zu helfen, hat persönliche Gründe. Einer der ersten und treuesten Kunden im Vitaluxe ist nämlich Robin Mayler selbst. Im Alter von nur einem Jahr bekam Mayler ein schweres Gelenkrheuma. „Ich war so steif, dass meine Mutter Schwierigkeiten hatte, mir einen Pullover anzuziehen“, sagt Mayler. „Selbst mein Kiefer war ganz steif.“

Das Rheuma brachte ein schweres Fieber mit sich und die Ärzte gaben Mayler schon auf. Seine Mutter nicht: Sie brachte ihn aus dem Krankenhaus und therapierte ihn mit homöopathischen Mitteln und Bewegungstherapie selbst.

Es folgte eine lange Leidensgeschichte, Mayler wurde mehrmals operiert.

Mit 14 Jahren, nachdem Mayler nach seiner letzten Operation fast zwei Jahre lang nur liegen durfte, lernte er neu laufen. Durch Training auf einer Vibrationsplatte, anschließendem EMS-Training, bei dem die Tiefenmuskulatur gelenkschonend trainiert wird, und nun auch täglichen Besuchen in der Kältekammer, hat sich sein Zustand in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

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Sportler halten sich mit Kälte fit

Bei Vitaluxe in Kamen soll es bald auch Physiotherapie geben

Neben der Kältekammer gibt es bei Vitaluxe auch ein Sportangebot. Es beinhaltet EMS-Training und eine Vibrationsplatte. Außerdem gibt es das Abnehmprogramm „Bodyluxe“ – eine Kombination aus Körperanalyse, Ernährungsberatung, Training und natürlich Kälte.

„Zum Winter planen wir die Erweiterung unseres Konzepts um eine Physiotherapie. Dann soll in Dortmund eine eigenständige und in Kamen eine integrierte Physiotherapie entstehen“, so Mayler, dem besonders eine umfassende Betreuung wichtig ist. Wer zum ersten Mal in die Kältekammer geht, wird genau beobachtet.

Vitaluxe

Ausprobieren: Kältekammer in Kamen

  • Wer die Kältekammer ausprobieren möchte, kann sich im Vitaluxe am Willy-Brandt-Platz 13 in Kamen kostenlos über die Kältetherapie informieren und sie testen.
  • Zu den Angeboten zählen auch EMS-Training (Elektro-Muskel-Aufbau) und ab Juli auch das Abnehmprogramm „Bodyluxe“.
  • Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Studios unter www.vitaluxe.de.

Bei Dauerläufer Jan Philipp Struck ist das nicht mehr nötig. Er begibt sich vier bis fünf Mal pro Woche in die Kältekammer am Willy-Brandt-Platz. Struck ist professioneller Sportler und hatte ständig mit erschöpften Muskeln zu kämpfen. 100 bis 150 Kilometer läuft der Bönener pro Woche. In der Kältekammer können seine Muskeln regenerieren.

Die Kältekammer tue ihm gut, nur wenige Minuten pro Woche hätten einen großen Effekt. Mit seinen sechsminütigen Sitzungen gehört Struck aber zur absoluten Ausnahme in dem Studio. Normalerweise soll eine Sitzung drei bis fünf Minuten nicht überschreiten, erklärt Robin Mayler.

Unangenehm sollen die Besuche in der Kammer übrigens für niemanden sein. Mayler: „Es ist wie ein kalter Wintertag mit Sonnenschein.“

Dieser Artikel erschien in einer ersten Fassung am 17. Juni 2019 und wurde von unserer Redaktion am 11. August 2020 aktualisiert.
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